Ex-Zögling klagt an: Drogenhandel im Kinderheim - Video
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Ein Wiener Kinderheim steht seit Jahren im Zentrum schwerer Vorwürfe. Der erste Prozess fand vor fast zehn Jahren statt und endete mit einem Freispruch im Zweifel. Es ging um schweren sexuellen Missbrauch der Zöglinge des August-Aichhorn-Hauses. Mit ihnen sollen Sex-Partys für die gehobene Gesellschaft organisiert worden sein. Die Vorwürfe wurden vor wenigen Wochen in der Wiener Zeitung wieder aufgegriffen und auch in der Fernsehsendung Thema erhoben. Ein Beschuldigter stritt gegenüber dem ORF alles ab, der nach wie vor amtierende Heimleiter wollte nicht Stellung nehmen.
Im Unzensuriert-Interview erhebt ein ehemliger Zögling nun auch andere hochbrisante Vorwürfe. Auch die von ihm geschilderten Ereignisse sollen sich vor rund zehn Jahren zugetragen haben: Ein Mitarbeiter des Heims soll Drogenhandel im großen Stil mit Hilfe der Schüler organisiert haben. In allen Einzelheiten schildert der junge Mann, der anonym bleiben möchte, den Ablauf der Kurierdienste: Etwa fünf Zöglinge seien eingeteilt und mit der U-Bahn losgeschickt worden. In einem "Beisl" im 22. Bezirk hätten sie einen verschlossenen Rucksack und eine detaillierte Wegbeschreibung erhalten. An ihrem Ziel hätte der Empfänger kontrolliert, ob der Inhalt vollständig sei. "Ein halbes Kilo Gras, diverse Tabletten, Extasy, LSD und was man alles in diversen Discos oder am Karlsplatz kriegt." Im Gegenzug hätten die Kinder-Kuriere ein verschlossenes Geldkuvert erhalten und im Heim abgegeben. Als Belohnung habe es rund 250 Schilling gegeben.
20 Kilo Drogen pro Wochenende ausgeliefert
Der ehemalige Zögling schätzt, dass durch die Kuriere im Laufe eines Wochenendes durchschnittlich rund 20 Kilo Drogen ausgeliefert wurden. Auch im Internat selbst seien Drogen im Umlauf gewesen. Zigaretten und Alkohol sowie "Gras in Joint-Form, fertig gedreht" seien an die Kinder verteilt oder teilweise auch verkauft worden. "Ich weiß von einigen, die sich auch in Tabletten- oder Drogenform bezahlen haben lassen", schildert der Ex-Zögling.
Im August-Aichhorn-Haus wollte man zu den Vorwürfen nicht Stellung nehmen. Der Heimleiter befinde sich noch für circa zwei Wochen im Ausland auf Urlaub, hieß es. Der beschuldigte ehemalige Erziehungsleiter gab an, er wolle gegenüber den Behörden gerne zu den Anschuldigungen Stellung nehmen, nicht jedoch gegenüber Medien.
SPÖ-Prominenz saß im Trägerverein des Heims
Zum Zeitpunkt, als vor rund zehn Jahren die ersten Vorwürfe gegen das Heim erhoben wurden, saßen einige Persönlichkeiten aus dem Umfeld der SPÖ im Vorstand des Trägervereins, unter anderen die frühere Zweite Wiener Landtagspräsidentin Erika Stubenvoll, der frühere SPÖ-Gemeinderat Alois Mayer und der frühere Präsident des Jugendgerichtshofes Udo Jesionek. Mittlerweile hat sich die Prominenz aus dem Verein zurückgezogen. Jesionek ist heute Präsident der Hilfseinrichtung für Verbrechensopfer "Weißer Ring" sowie Mitglied der von Waltraud Klasnic geführten Kommission, welche die Kindesmissbrauchs-Vorwürfe in der Katholischen Kirche untersuchen soll.
Unzensuriert.at wird das Video-Interview mit dem ehemaligen Heimzögling der Staatsanwaltschaft übergeben. Er ist bereit, vor Gericht auszusagen.

