Ungarn muss sich erneut die Kritik zahlreicher internationaler Medien gefallen lassen. Wieder geht es um Fragen des Journalismus und der Pressefreiheit, in denen sich die Redakteure von Spiegel bis Standard zu besonderer Solidarität mit ihren ungarischen Kollegen aufgerufen fühlen. War es zunächst das Mediengesetz, das die Redaktionen zu objektiver Berichterstattung anhält, so sind es jetzt personelle Einschnitte beim staatlichen Rundfunk. Ein Drittel der 2400 Bediensteten muss abgebaut werden. Grund dafür sind freilich immense Schuldenberge der öffentlich-rechtlichen Sender, die sie nun zu Einsparungen zwingen. Hierzulande wird das als politische Säuberungsaktion verkauft, durch die regierungskritische Journalisten in die Arbeitslosigkeit gezwungen würden. Zwischen den Zeilen wird da zwar da und dort verschämt angemerkt, dass beileibe nicht nur prononcierte Regierungskritiker von den Kündigungen betroffen sind, aber so lange auch nur ein einziger darunter ist legitimiert das in den Augen der Schreiber offenbar eine Kampagne gegen die in den Augen vieler Vertreter der Zunft falsch regierten Ungarn.