Kristallbaron will Montezumas Federkrone wegschaffen

18. Januar 2011 - 22:03
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Swarovski bemüht sich redlich, Kulturgut auszuschaffen.
Foto: Musikfestspiele Potsdam

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Kultur

FederkroneUngläubiges Augenreiben gab es wohl am vergangenen Sonntag bei vielen Lesern der „Sonntags-Krone“. In seiner Politik-Kolumne berichtete da Claus Pandi ganzseitig von der „Geheimoperation Pute“, und was man da zu lesen bekam, konnte einem tatsächlich den Appetit verderben.

So soll in einer Nacht-und-Nebel-Aktion die Federkrone des Aztekenkönigs Montezuma auf den Staat Mexiko übertragen werden. Nicht offiziell zurückgegeben, das freilich nicht: Geplant ist eine „Leihgabe“ an Mexiko, zu erwarten ist jedoch, dass damit vollendete Tatsachen geschaffen werden - nämlich, dass die Federkrone im Ausland ist und auch dauerhaft bleiben wird. Ein Provisorium, das zum Dauerzustand wird, wie der gelernte Österreicher weiß!

Federkrone

Federkrone

Swarovski bemüht sich redlich, Kulturgut auszuschaffen.
Foto: Musikfestspiele Potsdam

Die „Krone“ zu den Erfolgsaussichten der Putenoperation: „Die mexikanische Vize-Außenministerin Lourdes Aranda widmet sich seit Monaten mit außerordentlicher Intensität der 'Geheimoperation Pute'. Sie hat dabei mit dem Tiroler Industriellen Manfred Swarovski einen einflussreichen Mitstreiter gefunden. Swarovski ist es 'nach den engen Beziehungen meines Vaters zu Mexiko eine Herzenssache, dass die Federkrone wieder in ihre Heimat kommt'.“ Ein Schelm, wer Böses dabei denkt: Da betreibt die Privatperson Swarovski die Rückgabe von Bundeseigentum ans Ausland. Steckt da vielleicht etwas dahinter, das der Fiskus noch nicht weiß? Dem Leser drängt sich geradezu die Frage auf, ob Swarovski die Federkrone für sein Eigentum hält. Eine andere Lesart wären auch Schwierigkeiten Swarovskis, sein eigenes Vermögen von fremdem zu unterscheiden, wobei „die Unschuldsvermutung gilt“.

Sich für empfangene Gefälligkeiten - welcher Art auch immer - zu bedanken, steht selbstverständlich auch Herrn Swarovski frei. Wie jeder andere Österreicher sollte aber auch er seine Dankbarkeit aus seiner Privatschatulle bestreiten. Sich stattdessen mit der großzügigen Herausgabe von Bundeseigentum revanchieren zu wollen, passt allerdings ganz in den allgemeinen Trend der in anderem Zusammenhang bekannt gewordenen „Privatisierung von Gewinnen und Verstaatlichung von Verlusten“.

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Auch der Direktorin des Kunsthistorischen Museums steht es nicht wirklich gut an, den Tausch eines einzigartigen Exponats unter dem Deckmantel eines Freundschaftsprojekts gegen „Glasperlen“ gutzuheißen, zeigt doch noch der Rechnungshofbericht 2010/02, dass auch im Haus am Ring in der Vergangenheit manche Kuratoren nicht zwischen Bundeseigentum und eigenem Eigentum zu unterscheiden vermochten.

Anstatt zuzusehen, wie ein A-Klasse-Kulturgut gegen solche der B- oder C-Kategorie eingetauscht wird, wäre Kulturministerin Claudia Schmied (SPÖ) gefordert, die Federkrone des Montezuma mit einem Ausfuhrverbot zu belegen. Museen sind schließlich in der Regel voll von Ausstellungsstücken, die nicht im Inland entstanden sind. Oder glaubt ernsthaft jemand, dass demnächst Frankreich den Obelisken vom Place de la Concorde an Ägypten ausliefern wird?

Kurztitel: 
Swarovski spendabel mit Staatseigentum
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Kommentare

Irgendwie verströmt diese Sache ein Übermaß von Gutmenschlichkeit:

so muß man es machen:

schaden, wenn ja, dann nur dem eigenen Volk.

Gutes tun, dann womöglich nicht den eigenen Leuten.

Dann wird man (von wem?) belohnt.

So schaut es zumindest für mich aus.

Der Merker

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Montezuma I war vom Antritt seiner Regierung bis zu seinem Tode mit der Bekämpfung und Unterwerfung anderer Völker beschäftigt.
Montezuma II tat es nicht anders. Es waren beide keine Friedensapostel.
Warum darf man solchen Räubern keine Federnkrone wegnehmen?
Wenn man alles zurückgeben will, was irgendwann irgendwer irgendwem abgenommen hat, zu welschem Stichtag soll man da beginnen?

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..... übrigens in meinen Augen gebildeter Mann war mit ein paar seines Stammes am Stephansplatz um eben zu bewirken, dass man ihnen diesen für sie heiligen Federschmuck übergibt. Ein gleichwertiges Exemplar, zwar ein Fake aber nicht unterscheidbar, würde als Ersatz bereitgestellt.

Ich kenne leider nicht die Geschichte und möchte mich damit auch nicht befassen, um fest zu stellen, ob dieses geraubt oder als Geschenk überreicht wurde.

Wenn dieser Schmuck jedoch für sie ein heiliges Relikt ist, dann bin ich (subjektiv) dafür, es ihnen zu überlassen. Bei uns merkt doch niemand, ob es das Original oder ein Fake ist.

Ich liebe Bilder alter Meister, nur verstehe ich nicht, wo der Unterschied zwischen dem Original und einer Kopie liegt, wenn Experten diese nicht einmal mit technisch hoch entwickelten Geräten auseinanderhalten können.

Bitte ich weiß, dass es das Original nur einmal gibt, aber die Kunst ist das Bild und nicht das Alter. Schön ist schön. Gleichschön ist gleichschön wenn man es optisch nicht unterscheiden kann. Es ist halt nur nicht das Selbe.

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Die gängige Legende lautet:
"Spanische Konquistadores (Eroberer Mexikos) haben diese Königskrone vor oder nach der Ermordung des gefangenen Herrschers der Azteken zusammen mit Tonnen von Gold und Silber an den spanischen Hof verschifft.

Dort saßen dann - während des Reiches, in dem die Sonne nie Unterging - auch mal Habsburger auf dem Thron. Als sich die Familie wieder aufsplittete und der eine Zweig zurück nach Wien (oder war das damals noch Prag?) übersiedelte, nahm man diese Beute (Krone, nicht Gold) eben mit. So kam die Krone des Moctezuma nach Wien."

Wikipedia erzählt hingegen eine andere Geschichte:
Eine alte Beschreibung der orginalen Krone zeige, dass dieser heute hier vorhandene Federnschmuck nicht jene Krone sein könne. Eine auf diese passende Beschreibung finde sich im Inventar des Tiroler Herzogs Ferdinand Ende des 16.Jhd. Er sei eher ein Kopfschmuck eines Priesters.

Die historische und sakrale Bedeutung des guten Stückes wird also manchmal überschätzt.

Sollte sich irgendwann weltweit die Ansicht durchsetzen, dass Kunstwerke an ihren Ursprungsort zurückgegeben werden sollen, wenn also mal auch das als "Elgin Marbles" im British Museum ausgestellte "Parthenon Fries" auf die Akropolis in Athen zurück erstattet sein wird, dann kann man auch mal über die Rückführung dieses Federnschmuckes in ein technisch gut ausgestattetes Museum Mexikos nachdenken.

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dass, wenn die Briten die Steuern senken, wir darüber nachdenken könnten, auch bei uns die Steuern zu senken??

Ansonsten ist der Beitrag gut.

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... ist nun mal leider hauptsächlich eine Schuld der Kolonisatoren/Eroberer und Fremdherrscher. Nur ein fremder Herrscher (Sultan) konnte die Zerstörung der Akropolis durch Lord Elgin zulassen.
So wie auch nur durch Eroberungen der "Pfauenthron" aus dem Mogul-Palast in Delhi/Indien über Afghanistan später nach Persien kommen konnte.
Kriegsbeute ist bei den Siegern immer populär gewesen, seit der Frühzeit der Menschheit bis heute (2. WK: Bernsteinzimmer und Industrieanlagen nach Osten, sämtliche deutsche Uni- und Firmen-Patente in den "Goldenen Westen" - wovon die USA heute noch zehren!)

Wenn da erst einmal die Weltgemeinschaft einer generellen Restitution zustimmt ... (also nicht in absehbarer Zeit, solange sogar nicht einmal die "Feindstaatenklausel" aufgehoben wird) ...

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Wenn z.B. das British Museum anfängt Raubgut zu retournieren, dann könnten die leere Räume vermieten.
Es wird immer wieder vergessen, dass viele Exponate, wären sie in den Ursprungsländern verblieben, den heutigen Tag nie erlebt hätten. Sie wären verludert, verkauft oder verfallen. In den bedeutenden Museen wurden sie der Nachwelt erhalten.
Warum behalten die Mexikaner nicht die ach so tolle Kopie, die man ohnehin nicht unterscheiden kann, für sich?
Man sollte aber wenigstens Konservierung, Pflege und Lagerung für 500 Jahre verrechnen :-)

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..... dann sollte ich bei Retournierung die Kosten für Pflege, Benzin und Wartung samt Verschleißteilen wie Reifen und Öle dem Eigentümer verrechnen??

Lauter Gutmenschen.

Übrigens war der Indianerhäuptling am Stefansplatz Xokonoschtletl Gomora. Seine Ansichten würden bei Umsetzung der Welt sicher Gutes tun. Da steckt kein Hass dahinter sondern nur Vernunft.

Aber wenn es um Gier geht, sind wir ja alle große Klasse. Da sind wir so wie die Politiker. Den Indianern hat man auch ihr Land genommen. Die Büffeln hat ausgerottet und abgeschlachtet. Wir, die Gutmenschen.

Das man den Kopfschmuck nicht freiwillig herausgab, davon gehe ich aus. Die Europäer in Amerika, vorwiegend die Briten, waren damals wie die Türken heute in Europa.

Wir lernen Geschichte, lernen aber nicht aus der Geschichte. Solange es die Gier gibt gibt es auch Kriege.

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Diese Federnkrone befindet sich seit 1524 in Österreich und wurde an Österreich als Geschenk überreicht. Sie wurde nicht gestohlen!
Wenn sie nicht so lange in Österreich gewesen wäre sondern in Mexiko, wäre sie sicher längst verkommen oder privat verkauft worden.
Da man aber international weis, man kann von den dämlichen Österreichern alles kriegen wenn man sie nur ordentlich beschimpft, ist mit Folgeforderungen zu rechnen.
Russland macht ungeniert eine Ausstellung mit „Beutekunst“ also Sachen, offenkundig aus Deutschland geraubt wurden. Die Ausstellung wurde sogar in Deutschland gezeigt aber kein Wort über Rückgabe gesprochen.

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Unseren Polit-Verbrechern traue ich ALLES zu.

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