Pleite-Wipfel und Konkurs-Kröten: Steirische Prestigebauten stehen vor dem Aus
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Foto: Alfred Diem (weisserstier) / flickr
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Freizeit
Wer bei glitschigen Fischen, Schlangen, Krokodilen und Blattschneide-Ameisen unwillkürlich an das Dschungelcamp in Australien denkt, hat zumindest in punkto Exotik recht. Genauso wenig wie die Promis in den Urwald passen, passt dieser in die obersteirische 1.300-Einwohner-Gemeinde Mariahof im Bezirk Murau. Doch seit 2005 gibt es dort einen Dschungel - wenn auch einen künstlich angelegten. Möglicherweise aber nicht mehr lange.

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Das „Vivarium“, eine Kombination aus Wellnessbereich und Wasserbecken mit heimischen und exotischen Tieren, soll finanziell potente Tagesgäste anziehen und die Region beleben. Doch ähnlich wie im nicht allzu weit entfernten Fohnsdorf, wo die Aqualux-Therme finanziell am seidenen Faden hängt, hat sich in Mariahof der Ortskaiser - diesmal ein schwarzer - mit der Touristenzahl verspekuliert, zu viel erhofft und wohl auch zu wenig geboten. Waren ein halbes Jahr nach der Eröffnung noch 55.000 Besucher im Dschungelparadies, nahm das Interesse der Besucher dann kontinuierlich ab. Mitte 2010 musste die steirische Landesregierung eine Soforthilfe in Höhe von 250.000 Euro gewähren - ohne Erfolg. Zumindest das Doppelte wäre zur Aufrechterhaltung des Betriebs notwendig gewesen. Nun ist die Wassererlebniswelt voraussichtlich bis Mai wegen „Umstrukturierungsarbeiten“ geschlossen. Das Land finanziert die Instandhaltung und das Futter für die Tiere. Zwei örtliche Banken würden von ihren Forderungen von 3,5 Millionen Euro gegenüber der Trägergesellschaft absehen, wenn sie dabei Abschlagszahlungen von je 400.000 Euro erhalten. Doch auch diese vergleichweise kleine Summe dürfte eine Illusion bleiben.
Bevölkerung ist fürs Zusperren
Innerhalb der Bevölkerung gibt es für das „Fass ohne Boden“ wenig Rückhalt. „Das Projekt war von Anfang an zum Sterben verurteilt“, meint ein Mariahofer. Er wolle nicht noch mehr Geld vom Steuerzahler ins Vivarium „hineingebuttert“ sehen. Die Einheimischen würden aufgrund des attraktiveren Angebots ohnehin lieber in die nahe gelegene Therme Wildbad Einöd fahren. Für Familien sei der „viel zu kleine“ Schwimmbereich nicht geeignet. Lieber schließen, als noch mehr investieren, lautet der Tenor.
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Foto: Alfred Diem (weisserstier) / flickr
Wieder einige Kilometer weiter, in der Kleingemeinde Rachau am Rande des steirischen Aichfeldes gibt es ein ähnliches Problem, wenn auch in luftiger Höhe. Dort bangt der „Wipfelwanderweg“ ums Überleben. Die Tourismusattraktion führt auf 2,7 Kilometern Länge, teilweise über Lärchenholzstege und -treppen in Baumwipfelhöhe durch einen Wald. 2009 wurde sie eröffnet, jetzt fehlen 330.000 Euro für den Fortbestand. Ein übermotiviertes und unorganisiertes erstes Betriebskonzept, Baukostenüberschreitungen sowie fehlende Besucher seien an der bevorstehenden Pleite Schuld, heißt es. Nur 90.000 Gäste sollen den Wipfelwanderweg bis dato erklommen haben. Der örtliche Bürgermeister und gleichzeitig auch Wanderweg-Geschäftsführer will am Projekt dennoch weiter festhalten, weil es „der Gemeinde in ihrer dringend notwendigen Entwicklung hilft“. Das Land hat bereits eine Förderung zugesagt.
Weitere steirische Ausflugsziele in Schwierigkeiten
Die Chronologie ist mit diesen gescheiterten Prestigebauten noch lange nicht am Ende angelangt. Zahlreiche weitere Ausflugsziele in der grünen Mark bangen um ihre Existenz. Das europaweit einzigartige Freilichtmuseum in Stübing ist auf die Gnade der Träger angewiesen, unter anderem das Kulturministerium. Claudia Schmied weigert sich aber, alleine dem Museum zur Wahrung der bäuerlichen Landeskultur finanziell unter die Arme zu greifen. Ebenfalls ungewiss: Die Zukunft des Wildparks in Mautern und des Mariazeller Europeums, eines Kongress- und Wellnesszentrums im Wallfahrtsort.









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