Südtirol boykottiert italienische Einheitsfeier

10. Februar 2011 - 10:45
Bild: 
Die nationale Einheit Italiens wird ohne Südtiroler Beteiligung gefeiert.
Foto: Stefano Petroni / flickr

Bereiche 

Südtirol

EinheitsfeierSüdtirol hat seine Teilnahme an den Feierlichkeiten zum 150. Jubiläum der nationalen Einheit Italiens abgesagt. Verteilt über das ganze Jahr werden landesweit mehrere Veranstaltungen zur „Unita“, der nationalen Einheit Italiens, stattfinden. Höhepunkt sind die Gedenkzeremonien am 17. März in Turin. An diesem Tag wurde 1861 das Königreich Italien ausgerufen. Südtirols Politiker werden, wenn überhaupt, nur als Privatpersonen teilnehmen - nicht als offizielle Vertreter. Das hat die Landesregierung vergangenen Montag beschlossen.

Einheitsfeier

Einheitsfeier

Die nationale Einheit Italiens wird ohne Südtiroler Beteiligung gefeiert.
Foto: Stefano Petroni / flickr

Landeshauptmann Luis Durnwalder (SVP), der eine Einladung zu den Feierlichkeiten bekommen hatte, erklärte, dass Südtirol keinen Grund habe, da mitzumachen. „Ich denke, es wird jeder verstehen, wenn wir dieses Jubiläum nicht offiziell begehen, nachdem '150 Jahre Italien' für uns auch verbunden ist mit der erzwungenen Angliederung Südtirols an Italien, mit der Verweigerung der Selbstbestimmung nach dem Zweiten Weltkrieg oder der bewusst falschen Auslegung des Ersten Autonomiestatuts“, so Durnwalder.

Obwohl sich das Land nicht offiziell an der Einheitsfeier beteiligen wird, hat man Verständnis für die Italiener im Land, die das Jubiläum dennoch begehen wollen. „Wir werden Feierlichkeiten selbstverständlich weder verbieten noch in irgendeiner Weise behindern“, erklärt Durnwalder. Das gelte auch für die italienischen Mitglieder der Landesregierung. Sie würden in diesem Fall aber nicht offiziell das Land Südtirol vertreten. Schulen und öffentliche Institutionen bleiben am 17. März allerdings auch in Südtirol geschlossen.

[adsense:468x60:9459532571]

Die Absage der Teilnahme an den Feierlichkeiten sorgt freilich nicht überall für Zustimmung. Besonders italienische Politiker üben scharfe Kritik am Landeshauptmann. Turins Bürgermeister Sergio Chiamparino, der auch im Organisationskomitee der Feierlichkeiten sitzt, sagt: „Ich finde es besorgniserregend, dass Südtirol, das Italien mit der größten Autonomie sowohl im finanziellen als auch im kulturellen und sprachlichen Bereich angehört, nicht an den Feierlichkeiten jener Gemeinschaft teilnehmen will, die ihm diese Autonomie zugesprochen hat.“ Ein anderes Komitee-Mitglied, Italiens Ex-Premier Giuliano Amato, meint: „Ich bedauere diese Position, weil die deutschsprachige Minderheit in Südtirol stets den Willen ausgedrückt hat, zu Italien zu gehören“. Verteidigungsminister Ignazio La Russa erklärte sogleich, „Bozen liegt mit Sicherheit in Italien“.

Königshofer: Tiroler sollen ihre eigene Landeseinheit fordern

Verständnis für die Position der deutschen Volksgruppe in Südtirol äußern hingegen die Freiheitlichen. Der Tiroler Nationalratsabgeordnete Werner Königshofer zititert der französischen Philosophen Jean Jacques Rousseau: "„Die Freiheit des Menschen liegt nicht darin, dass er tun kann, was er will, sondern dass er nicht tun muss, was er nicht will!“" Wenn Italien schon seine Einheit feiere, dann sollten die Tiroler diesen Gedanken aufgreifen und ihre eigene Landeseinheit fordern, schlägt Königshofer vor

Kurztitel: 
Einheitsfeier ohne Südtirol
Spende fr Unzensuriert
 

Kommentare

Dieser, Cretin hätte ich fast gesagt, meint also, daß die Südtiroler dankbar sein müssen dafür, daß nach Zwangsangliederung, Zwangsassimilierung, Massenansiedelung von Italienern um den deutsch-tiroler Charakter Südtirols zu ändern, jahrzehntelanger Verweigerung von (Menschen-) Rechten, die Südtiroler dankbar sein müssen, daß sie, auch durch internationalen Druck, von dieser "Gemeinschaft" Autonomie zugesprochen bekommen haben. Das ist Chuzpe pur! Man muß nicht die Hand, die einem geschlagen hat auch noch abschlecken. Bozen liegt in Italien? Mag sein, aber freiwillig hat es sich 1918 nicht dorthin gelegt.

4
3

warum sollten die südtiroler mit den besatzern feiern? die südtiroler politiker sind eben nicht solche weicheier wie unsere die vor allem und jedem (EU,musel u.ä) auf dem bauch liegen.

7
3

haben natürlich auch nicht bei der 500 Jahrfeier Amerikas mitgemacht. Ich krieg ja schon die Krise, wenn Reporter bei den Skifahrern von "Italienern" reden, wo das doch Südtiroler Landsleute sind. Wäre noch schöner, wenn die Südtiroler Politiker da mitmachen würden. Nicht alle Politiker sind so ehrlos, wie die, die zum Fastenbrechen in Moscheen gehen!

12
3