Ernst Strassers Lobbygate im Wortlaut

20. März 2011 - 11:45
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"Wenn Du einmal lügst, bist du tot"
Und schon ist's passiert...
Foto: Hans Sallmutter / Wikimedia

StrasserUndercover-Reporter der „Sunday Times“ haben Ernst Strasser mehrere Male getroffen und dabei auch aufgenommen. Der Delegationsleiter der ÖVP im EU-Parlament plaudert dabei recht offen über seine Geschäftspraktiken, und das in einem offenbar gut besuchten Restaurant. Hier der Wortlaut der wesentlichen Video-Passagen, die auf der Seite der Sunday Times nur kostenpflichtig abrufbar sind:

Ernst Strasser

Ernst Strasser

"Wenn Du einmal lügst, bist du tot"
Und schon ist's passiert...
Foto: Hans Sallmutter / Wikimedia

Ernst Strasser erzählt den Undercover-Reportern, wie er die Zeit als Europa-Abgeordneter verwendet, um sein Lobbying-Geschäft zu entwickeln:
Strasser: In fünf Jahren werde ich hier ein Büro haben in Brüssel, denn das jetzt ist eine wunderbare Gelegenheit, um alle Leute kennenzulernen, um mein eigenes Netzwerk aufzubauen und dieses Netzwerk für meine Firmen zu nützen. (…) Das ist eine sehr gute Kombination. Ich sehe das schon nach einem Jahr in Österreich. Es gibt eine Menge Leute, die brauchen etwas über Wettbewerb oder was auch immer, Sport, Gesundheit und Ausbildung, was auch immer. Und wenn Du das als Europa-Abgeordneter kommst, dann ist das etwas, das Türen öffnet auf eine ganz andere Weise, als für einen Lobbyisten. Natürlich bin ich ein Lobbyist, und ich bin offen dafür, ja.
Reporter: Sie sagen, Sie haben zwei Rollen. Sie haben verschiedene Rollen, nicht wahr? Sie Sind Lobbyist und Sie sind auch Europaabgeordneter
Strasser: Ja, aber…
Reporter: Wie funktioniert das miteinander?
Strasser: Oh, es funktioniert sehr gut. Ich habe nur eine Gelegenheit  zu lügen. Also werde ich sehr vorsichtig sein damit, denn wenn Du einmal lügst, bist Du tot, ja. Und das will ich nicht. Ich will mein Netzwerk aufbauen und will es nutzen nach meiner Zeit als Europaabgeordneter.
Die Reporter fragen, ob Strasser seine Firmenkunden im europäischen Lobbying-Register deklariert.
Strasser: Sie werden in meinen Unterlagen nichts finden, denn ich muss meine Kunden schützen.
Reporter: Ach so. Wie würde es mit uns funktionieren? Wie würde es mit uns funktionieren, wenn Sie in unserem Beraterstab wären?
Strasser: Wenn wir einen Vertrag haben, dass ich Ihnen helfe, ihre Dinge zu erledigen, dann ist das vertraulich.
Reporter: Sie müssen es nicht offenlegen?
Strasser: Nein.
Strasser warnt die Reporter, dass Lobbyisten einen speziellen Geruch haben?
Strasser: Wissen Sie, das Problem ist, ein Lobbyist ist ein Lobbyist. Und ein Lobbyist hat einen speziellen Geruch. Das ist wahr. Ich bin selber so etwas in der Art. Also müssen wir sehr vorsichtig sein.
Strasser erzählt den Reportern, wie viel ihm seine Kunden bezahlen und dass er hofft, dass sie seine siebenten Kunden werden.
Strasser: Aber die Gebühr, also meine Kunden zahlen mir 100.000 Euro im Jahr, ja. Ich habe jetzt fünf, hoffentlich ab morgen sechs Kunden, wo ich so ein Berater bin. Hoffentlich morgen sechs. Sie sind nicht inkludiert. Sie sind die siebenten.

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Ernst Strasser war offensichtlich erfolgreich und schwärmt bei einem weiteren Treffen von seinen Leistungen und seiner Diskretion:

Reporter: Was glaubt der Spanier, für wen Sie arbeiten, oder weiß er es nicht?
Strasser: Für wen er arbeitet?
Reporter: Für wen Sie arbeiten?
Strasser: Nein, nein, das weiß er nicht.
Reporter: Er weiß es nicht? Glaubt er nur, dass Sie sich dafür interessieren, weil Sie Europaabgeordneter sind?
Strasser: Ich habe gesagt,  da gibt es einen Hedge Fonds, mit dem ich zurechtkommen muss, die sitzen mir im Nacken. Ich hoffe, das ist nicht falsch für Sie. Sie sitzen mir im Nacken, jeden Tag rufen Sie mich an: ‚Hey, Ernst, mach etwas!‘ Und ich habe für eine Investment-Firma gearbeitet, ja.
Reporter: Also weiß jeder, dass Sie diesen Hintergrund haben.
Strasser: Ja, ich habe diesen Hintergrund. Also ist das alles kein Problem.
Reporter: Und stimmt das für Ihren österreichischen Kollegen auch so?
Strasser: Ja natürlich, ja natürlich.
Reporter: Weiß er, für wen Sie arbeiten, oder?
Strasser: Nein. Also das ist, ich muss das sagen, weil es ist meine Art, ja? Ich bin immer sehr diskret. Wissen Sie, ich frage Sie nicht, wer Ihr Kunde ist. Ich will es nicht wissen. Ich will nur wissen, wie er denkt, wie er tickt, und was wir tun können, um eine Lösung in seinem Interesse zu finden. Und wenn Sie mir sagen, hey, wir müssen ihnen zeigen, dass wir kämpfen, ja dann kämpfen wir.

Und selbst jetzt kämpft Strasser weiter. Er tritt ja zurück, aber es war alles nur eine politische Kampagne seines innerparteilichen Rivalen Othmar Karas...

Kurztitel: 
Lobbyist Strasser im Wortlaut
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Kommentare

Bild des Benutzers Richard Joseph Huber

Ob der Herr Exminister, EX-EU-Schleimer - Lobbyist, Staub am Spazierstock hat, ob er seine "Brieftasche" mit zusätzlichem Körberlgeld befüllen wollte (gilt ja die Unschuldsvermutung, bei Politikern ebenso zwingend wie bei Kriminellen)werden die Richter klären, wahrscheinlich nicht klären und den "James Bond new" der gerechten oder auch nicht Strafe, zuführen. Paradox und der Eruierung des Wahrheitsgehaltes über "Getan oder eben NICHT", sind die 2 englischen Schreiberlinge geladen, die allerdings nur "inkognito" kommen möchten und vor Gericht nur "VERMUMMT" (als ob wir nicht schon genug davon hätten) aussagen wollen. Was jetzt? Unser Rechtswesen erlaubt keinen "Faschingsauftritt", ergo bleiben die HERREN aus und der "Strasser" samt Anwalt "lächelt" ob seiner Unschuld, wohlwissend dass ein Schuldspruch in weite Ferne rückt. Sein Motto wird sein: "Auf zu neuen Taten"

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GMX vom 22.3.2011
Michael und Bernhard Häupl

(Bernhard): Im Gegenteil: "Der Bürgermeister war zu Beginn nicht sehr begeistert, weil natürlich die Objektivität diskutiert werden könnte", so der 22-Jährige zur "Krone". Er wohne Tür an Tür mit dem Vater, mit dem er aber streng zwischen privat und geschäftlich trenne. Seiner Mutter habe er versprechen müssen, durch seine Aufgabe in der SPÖ sein Studium nicht zu vernachlässigen.

Das beweist wieder, was den Herren Politik bedeutet: GESCHÄFT

Wahrscheinlich lobbyiert jeder für sich alleine. Revieraufteilung.

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... warum man gerade ihn nach Brüssel schickte.

Die Großkopferten da oben sind alle gleich.

Es ist unvereinbar, dass ein Politiker eine Beraterfirma leitet. Ich dachte, man hat schon einmal eine Nebenerwerbstätigkeit für Politiker verboten. Alleine die Frage, wie man seiner politischen Verpflichtung nachkommen kann, wenn im Normalfall nicht einmal die Beratertätigkeit Zeit lassen würde. Also reisen und speisen die Herrschaften wahrscheinlich auch auf Staatskosten für ihre privaten Machenschaften. Da geht es ja in Russland ehrlicher zu (oder gleich).

Und man kann sich Ausmalen, wie die Bankenfinanzierung zu Stande kam. Und warum keine Politgockerln für diese Desaster Verantwortung tragen. Eine Krähe (ein Gockel)…..

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So einer war einmal Innenminister von Österreich. Jetzt hat´s den unsympathischen Pfau ganz schön erwischt. Mein Mitleid hält sich in Grenzen.

>>Er wollte ohnehin mit dem belastenden Material zur Staatspolizei gehen wollen. Aber aus terminlichen Gründen hat es nicht geklappt.<<
Ha, so ein Batzi, zuerst ist er ein patscherter Lobbyist und dann spielt er den Märchenonkel. Blöder geht’s wohl nicht mehr...
Rücktritt ist ein bisschen zu wenig, richtiger wäre Anzeige und Anklage.

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"Strasser warnt die Reporter, dass Lobbyisten einen speziellen Geruch haben?"

Kann man das irgendwo im englischen Original lesen? Danke!

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... dass nur das Geld nicht stinkt.

Es gibt aber Amani, Boss & Co. Außerdem stinken alle zusammen, da fällt der üble Geruch niemanden (untereinander) auf.

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"You know, the problem is, a lobbyist is a lobbyist, yes? And a lobbyist has some special smell. It's true to be said, I am myself something like that. So we have to be very careful."

Die Sunday Times stellte dieser Video-Passage folgenden Text voran: "Strassers warns the reporters that lobbyists have a 'special smell'."

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Sunday Times - Cash for laws scandal:

Ernst Strasser ist bestechlich (1/2)
http://www.youtube.com/watch?v=Zyg7m1J7O80

Ernst Strasser ist bestechlich (2/2)
http://www.youtube.com/watch?v=MOZzjfVOYA8

Leserkommentar:
>>könnte herr strasser bei 7 geldgebern a 100ts vielleicht einen englischkurs absolvieren und herrn gorbach einladen ?<<

++

Adrian Severin (Rumänien, ehem. stv. Ministerpräsident, Sozialdemokrat)
http://www.youtube.com/watch?v=An9Yo_gyYYQ

Zoran Thaler (Slowenien, ehem. Außenminister, Sozialdemokrat)
http://www.youtube.com/watch?v=80Yw5vrrjM8

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