Lehrveranstaltung wegen Taschentüchern abgesagt

23. April 2011 - 8:11
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Studenten der „Basisgruppe Theaterwissenschaft“ setzten sich gegen
eine gesponserte Lehrveranstaltung zur Wehr.
Foto: banger1977 / flickr

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Universitäten

TaschentuchTaschentücher sind nicht nur Alltagsgegenstände, sondern auch Konfliktstoff. Am Institut für Theater-, Film- und Medienwissenschaft der Universität Wien kam es letzte Woche zu Protesten von Studierenden, die sich gegen eine von der Taschentuchmarke „Feh“ gesponserte Lehrveranstaltung zur Wehr setzten.

Taschentuch

Taschentuch

Studenten der „Basisgruppe Theaterwissenschaft“ setzten sich gegen
eine gesponserte Lehrveranstaltung zur Wehr.
Foto: banger1977 / flickr

Darin hätten die Studierenden einen Werbespot für die Taschentuchmarke konzipieren sollen, wobei die Aufgabenstellung des Seminars wohl einigen aus Kommerzialisierungsgründen deutlich missfiel. „1. Sammeln und notieren sie Beispiele von Filmszenen, in denen Taschentücher eine wichtige Rolle spielen (im Bild/im Dialog) 2. Suchen Sie Filmszenen in Hollywoodblockbustern der letzten 10 Jahre, in denen sich ein Taschentuch als Schlüsselelement einsetzen ließe“, steht etwa im Vorlesungsverzeichnis geschrieben. Als weitere Quelle wurde die Internetseite des Sponsors angegeben.

Linke Studentenvertretung sagt Seminar ab

Deshalb protestierten Vertreter der „Basisgruppe Theaterwissenschaft (bagru thewi)“ vor dem Institut und brachten Schilder in den Gängen an, wonach die Lehrveranstaltung „Ästhetik und Poetik - P.R. Oh It’s a Feh“ „aus markenrechtlichen Gründen“ abgesagt und „ersatzlos gestrichen“ worden sei. Mit den gefälschten Schildern und einem fiktiven Vorlesungsverzeichnis, das weitere gesponserte Lehrveranstaltungen aufwies, wollte man „in überaffirmativer Weise zeigen, wie eine gänzlich auf Sponsoring basierende Theater-, Film- und Medienwissenschaft aussehen könnte“.

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Lehrveranstaltungsleiter Rainer Maria Köppl hätte das erste Plenum des „praxisorientierten Forschungsseminars“ zwar unter Heranziehung von Sicherheitskräften abhalten können, wie ihm das auch von der Sicherheitsabteilung angeboten wurde, weigerte sich schließlich aber, „unter Polizeischutz zu unterrichten“. Warum die Lehrveranstaltung überhaupt von einer Taschentuchfirma gesponsert werden musste, erklärt Köppl so: „Da das normale Lehrbudget für dieses Semester schon aufgebraucht ist, kann dieses Seminar nicht aus eignen Mitteln finanziert werden. Es gibt nur die Alternative: Drittmittel oder eben kein Seminar.“ Außerdem sei die Teilnahme freiwillig gewesen, und man hätte das Seminar auch absolvieren können, wenn man seine Ergebnisse nicht beim anschließenden Wettbewerb präsentiert hätte. Profitiert vom Seminar (der Theorie) und vom Wettbewerb (der Praxis), bei dem Geld- und Sachpreise zu gewinnen gewesen wären, hätten jedenfalls die Studenten.

Studenten fallen um ECTS-Punkte um

Die Studentenvertretung bewertete die Absage freilich als Erfolg, auch wenn die 86 Teilnehmer jetzt wahrscheinlich um ihre Lehrveranstaltung und damit 7 ECTS-Punkte umfallen. Kritik wird vor allem an dem „dubiosen Zustandekommen“ des Seminars geübt. Köppl könnte sich als Studienprogrammleiter seine Lehrveranstaltungen quasi „im Alleingang genehmigen lassen“. Sein Konter: Das Dekanat und das Rektorat sei über die geplante Drittmittel-LV im Voraus informiert gewsen, ansonsten hätte keine ordnungsgemäße Abrechnung stattfinden können.

Kurztitel: 
Taschentücher empörten Studenten
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Kommentare

...von einer Firma, die das freiwillig macht, ist tabu?! Aber das Sponsoring durch das Abpressen von Steuermitteln des einzelnen Staatsbürgers ist in Ordnung?!

Man sieht die verkommene Moral der Linkspopulisten/-extremen!

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Theaterwissenschaftler sind natürlich heikel, wenn es um Sponsorgelder geht - schließlich ist für ihr Auskommen (unabhängig davon, ob ihr jeweilig spezielles "Angebot" nachgefragt wird oder nicht) später mal ohnehin "der Steuerzahler" als Subventionsgeber verantwortlich, nicht wahr? Da hat er doch auch die verdammte Pflicht und Schuldigkeit, den (wiss-)begierigen Studenten - selbstverständlich auch ohne Studiengebühren - ihre Ausbildung zu ermöglichen.

Und der Hinweis, dass sich auch viele "Stars" ein nettes Körberlgeld mit Werbung (von Auto über Gourmetartikel, Kaffee etc. bis eben auch Taschentücher) erarbeiten müssen, zeigt doch nur, wie unfair die Kultur(sponsoring)-Verantwortlichen mit den armen Künstlern umgehen. 

"Freihet der Kunst" - und 'nen ordentlichen Batzen Geld her, aber dalli! 

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Es gibt auch einen Kunstmarkt - dort sollen die Künstler ihre Ware anbieten - Angebot und Nachfrage werden zeigen, ob jeder Regietheaterdepp sein Geld selbst verdienen kann, wenn er nicht staatlich subventioniert wird. Nicht überall ist Kunst drinn, wo die sich selbst künstlich produzierenden Künstler Kunst draufschreiben.
Wer bitte bestimmt, was ein Künstler ist? Richtig - die Künstlermacher, denn es geht bei "Kunst" um das ganz grosse Geld - auch Kulturmüll kann vermarktet werden, sehr gewinnbringend!

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