„Dritter Weg“: Wie die ÖVP die Wehrpflicht retten will

10. Mai 2011 - 11:22
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Katastrophenschutz als dritter Weg? Die ÖVP will die Wehrpflicht erhalten,
aber neben dem Zivildienst eine weitere Alternative anbieten.
Foto: Bundesheer/Rekrut Mathias Kolle

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Wehrpflicht

Als sich der nunmehrige ÖVP-Chef Michael Spindelegger erstmals mit einem neuen Vorschlag in der Wehrpflicht-Debatte zu Wort gemeldet hat, haben wir in der Unzensuriert-Redaktion den Braten schon gerochen. Als letzte Meldung schrieben wir daher in unser erstes Unzensuriert-Magazin auf Seite 6, kurz bevor wir es in die Druckerei schickten:

Gesichtswahrender Kompromiss?
Außenminister Spindelegger schlug im Kurier am 20.3.2011 als „dritten Weg“ neben Wehr- und Zivildienst die Ausbildung zum Katastrophenschützer vor. Für die Regierungsparteien ein möglicher Ausweg aus der Konfrontation, für das Heer jedoch keine Lösung: Ihm blieben wohl nur noch die Systemerhalter.

Damit haben wir auch schon die Problematik dieses Reformvorschlages aufgezeigt. Nur die wenigsten Soldaten erleben für die gesamte Dauer des Grundwehrdienstes eine militärische Ausbildung. Viele verschwinden nach maximal zwei Monaten in Schreibstuben, Küchen oder hinter dem Steuer von Heeresfahrzeugen. Wenn abgesehen vom „dritten Weg“ nicht auch eine Systemreform im Bundesheer kommt, dann werden wohl jene zum Katastrophenschutz-Training umgeleitet, die jetzt noch zu Soldaten ausgebildet werden.

Ungeachtet dessen, dass die ÖVP diesen Aspekt noch mit keinem Wort angesprochen und das Spindelegger-Modell in den letzten fast zwei Monaten auch sonst kaum inhaltlich vertieft hat, taucht es nun – wieder im Kurier – erneut groß auf. Die Zeitung will, basierend auf einer OGM-Umfrage, sogar wissen, dass das Modell (wie auch immer man es auf Grund der dürftigen offiziellen Informationen den Umfrageteilnehmern erklärt hat) in der Bevölkerung große Unterstützung findet. 51 Prozent würden sich dafür entscheiden, nur 38 Prozent für das von der SPÖ propagierte Freiwilligenheer. Ähnlich das Bild in der Grundsatzfrage „Wehrpflicht ja oder nein?“. 48 Prozent sind für die Beibehaltung, nur noch 42 Prozent für die Abschaffung. Die Stimmung hat sich komplett gedreht.

In der Koalition sorgt das Thema nach der anfänglich zurückgekehrten Harmonie unter dem neuen ÖVP-Obmann erneut für Sprengkraft. Heute wird darüber diskutiert. Eine Lösung ist laut Medien aber ausgeschlossen. Und auch eine Volksbefragung ist nun nicht mehr fix, denn die ÖVP ziert sich – mit gutem Recht übrigens, denn das Thema Wehrpflicht stand nie auf der Agenda des Koalitionsübereinkommens und wurde erst von Bürgermeister Häupl als letzte Verzweiflungstat im Wiener Wahlkampf aktiviert.

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Kurztitel: 
„Dritter Weg“ soll Wehrpflicht retten
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Kommentare

"Sie schreien nach uns um Hilfe, wenn ihnen das Wasser in das Maul rinnt, und wünschen uns vom Hals, kaum als einen Augenblick dasselbige verschwunden." meinte bereits Prinz Eugen.
Aber wenn schon denn schon, also richtig und für alle - auch ALLINNEN!

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Die Geschichte ist an sich alt und wurde schon von Prinz Eugen seinem (ersten) Dienstherren, Kaiser Karl VI, zu verstehen gegeben (als dieser glaubte, die Erbfolge seiner Tochter Maria Theresia durch den, mit den anderen europäischen Herrschern - und Konkurrenten - abgeschlossenen, Vertrag der "Pragmatischen Sanktion" sicherstellen zu können):

"Sire, die Herrschaft sichert nur eine starke Armee - und diese braucht nur drei Dinge: Geld, Geld und nochmals Geld!"

Solange (österreichische) Politiker diesen ewig gültigen Rat des erfahrenen Strategen und Staatsmann nicht annehmen (wollen), solange ist jedes Bemühen um eine einsatzbereite Armee sinnlos.

Seit 1955 wurde der Anteil der Heeresausgaben im Staatsbudget kontinuierlich vermindert (mit einer kurzen geringfügigen Ausnahme unter dem freiheitlichen Verteidigungsminister in der Kleinen Koalition 1983-86). Und das obwohl in allen einschlägigen Sonntagsreden anerkannt wird, dass es "zum Leben zu wenig, zum Sterben zu viel" hat.

ÖVP-Platter hat den Milizcharakter des Heeres umgebracht - SPÖ-Darabos setzt das nur fort indem er das Heer erst als ganzes funktionsunfähig - und somit in weiterer Folge unnütz, also überflüssig, einsparbar macht.

Eine Volksbefragung wäre nur dann sinnvoll, wenn z.B. gefragt würde "welche Funktionen soll ein österreichisches Heer aufrechterhalten bzw. aufbauen", wenn gleichzeitig die dazu jeweils notwendigen Mittel angegeben werden. Das wird aber sicherlich nicht passieren.

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Jo, oiso: De Schwoarzn erklärn, doss sie es wieda so und so machn gern tätn. Oba soi es daun wirklich so kumman? Oda ist es nur ein faula Kompromiss in Worten? Und es folgen daun gaunz aundere Tatn?

Also fragwürdig finde ich es, wenn die Wehrpflicht keine allgemeine mehr ist. Derzeit müssen auch die "mittelbegabten". Wenn dann aber nur mehr die "Kämpfer" gehen, ... wäre das ein erster Schritt Richtung Darabos-Modell. Das wäre also eigentlich ein Schritt zur Abschaffung.

Wenn derzeit die Euroflüglerraten nicht mehr bezahlt werden müssen, etwa 100 Mio oder 1 Mrd Euro im Jahr, dann bleibt eh massenweise Geld für einen "vernünftigen" Wehrdienst erhalten.

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Darabos hat ja als Einziger ein Modell bestellt, das nicht nur schon beim Kauf ausgelaufen war, sondern auch sonst nirgendwo in Betrieb genommen wurde.

Das bedeutet, er hat ein "AUA-Schicksal" vorprogrammiert: wenn diese Flieger je verkauft werden sollten, muss er einem Kaufinteressenten noch € 500 Millionen dazuschenken, damit da ein halbwegs Normaler anbeißen würde!

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