GB: Riesiger illegaler Wagenplatz steht vor Räumung

25. September 2011 - 11:25
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"We won't go", kündigen die Bewohner des illegalen Wagenplatzes an.
Foto: Save Dale Farm / flickr (CC BY 2.0)

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Großbritannien

WagenplatzIn der britischen Stadt Basildon, rund 40 Kilometer nordöstlich von London, soll die landesweit größte illegale Siedlung von irischen Landfahrern geräumt werden. Die Stadtverwaltung wirft dem fahrenden Volk vor, das Grundstück ohne Genehmigung bebaut und damit gegen das Gesetz verstoßen zu haben.

Irish Travellers

Irish Travellers

Die Irish Travellers siedeln seit zehn Jahren auf dem ehemaligen Schrottplatz.
Foto: Save Dale Farm / flickr (CC BY 2.0)

2001 kauften die „Irish Traveller“ einen Schrottplatz, der an ein schon existierendes Landfahrerlager grenzte. Sie errichteten dort Stellplätze für ihre Wohnwagen und kleine Behausungen. Weil das Grundstück im geschützten Grüngürtel liegt, verweigerte die Stadt nachträglich die Baugenehmigung. Eine feste Ansiedlung sei nie vorgesehen gewesen. „Wir können nicht einer bestimmten ethnischen Gruppe erlauben, auf diesem Land zu bauen, wenn es sonst niemand darf“, argumentiert Vize-Stadtratschef Stephen Horgan. Als „ethnische Gruppe“ bezeichnet Horgan die Travellers deswegen, weil sie von jenen irischen Familien abstammen, die während der großen Hungersnot des 19. Jahrhunderts ihre Häuser verloren haben. Die Nachfahren ziehen noch heute mit ihren Wohnwägen quer durch irische und englische Lande.

Die fast 500 Travellers, die derzeit auf der Dale Farm leben, sehen jedoch keinen Grund, ihre Siedlung zu verlassen. Kinder hätten sich an die örtlichen Schulen gewöhnt und auch der Erhalt ihrer kleinen Gemeinschaft sei den Landfahrern wichtig. „Wir wollen keinen Ärger machen“, meint Sprecherin Mary Ann McCarthy. „Wir wollen nur, wo wir sind, in Ruhe gelassen werden. Oder auf einen anderen Platz umziehen dürfen.“ Ein entsprechender Antrag ist allerdings abgelehnt worden. Im Grunde, meint Horgan, habe Basildon genug Irish Travellers auf Gemeinde-Gelände sitzen – sehr viel mehr als andere englische Kommunen. Seine Wähler und die meisten Bewohner Basildons stimmen ihm darin zu. Sie ärgern sich über das asoziale Verhalten der Landfahrer und über die gefallenen Preise ihrer Immobilien. Auch Premier David Cameron stellte sich im Parlament voll hinter den Politiker. 80 Prozent der Briten geben ihm in Umfragen Recht.

Räumung in letzter Minute verhindert

Der Gemeinderat hat mittlerweile 9,2 Millionen Euro in die Hand genommen und private Firmen mit der Räumung beauftragt. Um den Räumungsbefehl durchzusetzen, marschierten vergangenen Montag Polizei und Gerichtsvollzieher vor den 2,4 Hektar großen Wagenplatz auf, auf dem sich neben den Irish Travellern auch hunderte Sympathisanten verbarrikadiert hatten. Nur eine einstweilige Verfügung, die das Oberste Gericht wegen eines Formfehlers in den Räumungsbescheiden per Eilentscheid erließ, konnte verhindern, dass Staatsgewalt und Farm-Bewohner aneinander gerieten. Viele Travellers hatten sich an Zäune und Wohnwagen gekettet, um die Räumung zu verhindern.

Wagenplatz

Wagenplatz

"We won't go", kündigen die Bewohner des illegalen Wagenplatzes an.
Foto: Save Dale Farm / flickr (CC BY 2.0)

Die Causa hat sich mittlerweile zum nationalen Streitfall mit internationaler Beteiligung hochgeschaukelt. Zwei Bischöfe haben Dale Farm bereits besucht, um den Bewohner ihre Solidarität zu versichern. Die Schauspielerin und Menschenrechts-Aktivistin Vanessa Redgrave hält die Vertreibung einer „starken, weisen und freundlichen Gemeinde“ für „vollkommen unvernünftig und verantwortungslos“. „Roma, Zigeuner und Traveller“ würden in Großbritannien „diskriminiert und marginalisiert“, meint wiederum die Hilfsorganisation Amnesty International. Und auch die Vereinten Nationen haben sich bereits eingeschaltet. Der „Ausschuss für die Beseitigung von Rassendiskriminierung“ verurteilte die Räumung. UN-Berater Yves Cabannes warf der britischen Regierung vor, internationale Menschenrechte zu verletzen.

Am Montag wird das Gericht neuerlich zusammentreten, um über die Räumung zu entscheiden. Stadtchef Tony Ball sieht keine Chance, dass der größte illegale Wagenplatz des Landes längerfristig bestehen bleibt. „Wenn wir nach zehn langen Jahren noch einige Tage länger auf eine anständige Lösung warten müssen, dann soll es so sein. Wir haben aber keinen Zweifel, dass wir gewinnen werden“, gibt sich Ball zuversichtlich. Geht die Sache allerdings für die Landfahrer aus, dann hätte man einen historischen Sieg im Kampf um die Minderheitenrechte gewonnen. Und wohl auch ein Exempel statuiert, das in anderen europäischen Ländern unangenehme Folgen haben könnte.

Kurztitel: 
GB: Wagenplatz vor Räumung
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Kommentare

Die Rettung des Stellplatzes ist einfach nur Zigeuner ansiedeln und schon gibt es jede Genehmigung und einheimische ins Armenhaus so geht Demokrati

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Wenn eine Regierung gegen den Willen vieler in den Reihen des eigenen Volkes vor geht, dann wird Unrecht zu Recht.

Ist dies der Fall, dann wird Widerstand zur Pflicht für jeden einzelnen Bürger.

Ob dieser Widerstand nun passiv oder aktiv ist ist egal, Hauptsache der Unrechtsstaat wird damit aus seinen Angeln gerissen!

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