Linke Einheitsschule: Auch Rheinland-Pfalz soll Experimentierfeld werden

24. Januar 2012 - 1:00
Kurztitel: 
D: Mehr linke Einheitsschulen

Bild„LĂ€nger miteinander lernen“ - hinter dieser harmlos klingenden Formel verbirgt sich eine politische Agenda grĂ¶ĂŸter Tragweite. Bundesdeutsche Linke setzen seit Jahren auf einen Schul- und Kulturkampf, der auf die Abwicklung des dreigliedrigen Schulsystems in der Bundesrepublik, insbesondere der Gymnasien abzielt. Gerieten in der jĂŒngeren Vergangenheit die BundeslĂ€nder Nordrhein-Westfalen (seit 2010 von Rot-GrĂŒn unter Duldung der Linken regiert) und Baden-WĂŒrttemberg (seit 2011 von Rot-GrĂŒn regiert) zu schulpolitischen Experimentierfeldern, will nun auch der grĂŒne Koalitionspartner der SPD im kleineren Rheinland-Pfalz den Vorbildern in Nord und SĂŒd nicht nachstehen.

Auch hier soll die bislang traditionell gemĂ€ĂŸigte Schulpolitik der Landesregierung tiefgreifend umgestaltet werden. Ziel ist die Abwicklung nach Leistung differenzierender Schulformen und die Abschaffung von Schulnoten. Dies soll Hand in Hand gehen mit der forcierten Vermittlung sogenannter "Kompetenzen" bzw. diffuser "soft skills" (z.B. „Toleranz“) statt solidem Faktenwissen und traditionellen Bildungsinhalten. Dies bedeutet nicht zuletzt mehr kurzatmige „Projekte“ statt Regelunterricht. Die Kollegien sollen in Zukunft möglichst „gleich“ (also nivelliert) bezahlt werden, maßgeblich beförderungsrelevant soll „soziales“ Engagement sein, womit einer Politisierung der Schulen nach Gutmenschenart Tor und TĂŒr geöffnet wird.

 

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Die GrĂŒnen (hier der rheinland-pfĂ€lzische Fraktionschef Daniel Köbler)
kĂŒndien an, sich verstĂ€rkt in die Bildungspolitik einzumischen.
Foto: Anton Simons / wikimedia / public domain

Ein Vorgeschmack dieser Politik ist bereits die „reformierte“ Lehrerausbildung in den von Rot-GrĂŒn regierten LĂ€ndern: Methodik rangiert vor dem Inhalt, die akademische und wissenschaftliche Ausbildung der Lehrer wurde mit dem Staatsexamen gleich mit abgebaut.

Fukushima als Wahlkampfthema

Rheinland-Pfalz ist nicht nur ein typisches Beispiel fĂŒr das Vorgehen linker Schulideologen und ihrer Klientel, sondern zudem fĂŒr den allgemeinpolitischen Einfluss, der von dem ReaktorunglĂŒck im fernöstlichen Fukushima auf die politische Landschaft in der Bundesrepublik ausging. RĂŒckblick: Bei der Landtagswahl 2011 musste die SPD unter dem bodenstĂ€ndigen Landesvater Beck einen Verlust von fast 10 % hinnehmen. Aus GrĂŒnden profanen Machterhalts zog Beck die rot-grĂŒne Regierungsoption der großen Koalition mit der CDU (+2,4%) vor. Eindeutige Wahlsieger waren die GrĂŒnen, die einen auf Fukushima zugerichteten Wahlkampf fĂŒhrten und von der verstĂ€ndlichen Angst, die die Reaktor-Katastrophe in Fernost in der Bevölkerung auslöste, krĂ€ftig politisch profitieren konnten. 2006 scheiterten die nur mĂ€ĂŸig im Land verankerten GrĂŒnen mit 4,6 % noch an der 5-Prozent-HĂŒrde, nun legten sie auf ĂŒber 10 % zu.

Schon bald geriet Beck, bislang kein Freund radikal linker Schulpolitik, unter den Druck des Koalitionspartners. Die GrĂŒnen hatten es geschickt verstanden, den linken FlĂŒgel der Landes-SPD und die traditionell linkslinke "Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft" (GEW) zu stimulieren. Zusammen mit der GEW veröffentlichte das Bildungsministerium bereits kurz nach der Wahl eine BroschĂŒre, in der gegen alle Zusicherungen vor der Wahl noch verklausuliert, aber bereits erkennbar fĂŒr die Abschaffung der Realschulen und Gymnasien geworben wurde. Schon bald waren die GrundzĂŒge des Koalitionsvertrags Makulatur. Wie bereits in den anderen rot-grĂŒnen FlĂ€chenstaaten, bekamen zunĂ€chst die traditionellen Gymnasien im Lande den Kurswechsel zu spĂŒren: Sie klagen seit geraumer Zeit ĂŒber die Nichtbesetzung von Lehrerstellen. Nutznießer waren indes die politisch favorisierten „Integrierten Gesamtschulen“, die sich bald neben anderen ĂŒppigen staatlichen Zuwendungen unter anderem ĂŒber das „Teamteaching“ (zwei Lehrer unterrichten gemeinsam eine Klasse) freuen durften.

Die Bildungspolitik der "Ökopartei"

Nun aber will der grĂŒne Koalitionspartner mehr: Eine Mega-Reform soll her, die lang gehegte WĂŒnsche endlich wahr werden lĂ€sst - auch gegen grĂ¶ĂŸte WiderstĂ€nde in der Bevölkerung und Teilen der Landes-SPD. Aufgrund der parlamentarischen MachtverhĂ€ltnisse ist jedoch klar, dass der zuletzt glĂŒcklos agierende Regierungschef Beck am Ende allen Versicherungen in der Vergangenheit zum Trotz nachgeben wird. Es geht schließlich um den Machterhalt und nicht zuletzt um Rot-GrĂŒn im Bund. In der Rhein-Zeitung spricht der grĂŒne Fraktionschef Daniel Köbler jĂŒngst Klartext: Man betrachte die Einheitsschule als Zukunftsmodell, die „Ökopartei“ wolle sich nun verstĂ€rkt in die Bildungspolitik einmischen. Somit dĂŒrften die rheinland-pfĂ€lzischen Gymnasien, die sich stĂ€ndig gegen eine ideologisch gefĂ€rbte Fundamentalkritik behaupten mĂŒssen, wie bereits unter anderen rot-grĂŒnen Regierungen schweren Zeiten entgegen gehen. Auch die bildungspolitisch desinteressierte und wenig schlagkrĂ€ftige CDU-Opposition wird dieser Schulform nicht mehr helfen können, sie ist bislang kaum wahrnehmbar. Der Wahlkampf der GrĂŒnen in jĂŒngerer Vergangenheit mag monothematisch gewesen sein. Die grĂŒne Bildungs- und Schulpolitik der „Umweltpartei“ macht jedoch klar: Ihre politische Agenda ist es nicht. Rheinland-Pfalz ist ein anschauliches Beispiel dafĂŒr.

Die Zerstörung des leistungsorientierten Schulsystems in immer mehr deutschen BundeslĂ€ndern kann Österreich als Mahnung dienen. Hier hat letzte Woche die parlamentarische Behandlung des Bildungs-Volksbegehrens begonnen, das von SPÖ-Altpolitiker Hannes Androsch ganz im Sinne des roten Bildungsproramms vorangetrieben worden war. Auch hier ist das Ziel am Ende die Gesamtschule. FĂŒr die Behandlung der Anliegen des Volksbegehrens, das von rund 384.000 BĂŒrgern unterzeichnet worden war, wurde ein eigener Ausschuss eingerichtet.

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Kommentare

Wird sich alles aufhören,wenn die die durch diesen Einerleimatsch gezerrten nichts mehr"helfen" können... Die tolle Programmatik wird niederbrechen und..eigentlich will ich gar nicht nachdenken,was danach kommt! Auf jeden Fall wird es die Menschheit schaffen,wieder regional Tische,Sessel und Bekleidung herzustellen und vielleicht eine Möglichkeit von Gott Begnadete wieder dazu bringen schöne KĂŒnste zu schaffen.

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