Syrien: "Das Regime will das Volk gegeneinander hetzen!"

4. April 2012 - 7:37
Bild: 
Haysam Hamoui fordert die Bewaffnung der Freien Syrischen Armee.
Foto: Unzensuriert.at

Bereiche 

Naher Osten

Free Syria

Der syrische Präsident Baschar al-Assad hat sich zu einer Waffenruhe ab dem 10. April bereiterklärt. Bis dahin würde die Regierung seine Truppen aus den umkämpften Städten abziehen und nach Ablauf der Frist die Kämpfe binnen 48 Stunden vollständig einstellen. Diese Zusicherung habe der gemeinsame Vermittler von Vereinten Nationen und Arabischer Liga, Kofi Annan, von der Regierung in Damaskus erhalten.

Free Syria

Free Syria

Seit Beginn der Revolution demonstrieren Syrer in Wien gegen das
Assad-Regime, meist vor der Botschaft, aber auch in der Innenstadt.
Foto: Haysam Hamoui

Die Revolutionskomitees hatten gemeinsam mit der Führung der Deserteure eine Erklärung veröffentlicht, in der sie betonten, die Regimegegner würden sich an eine Waffenstillstands-Vereinbarung halten. Voraussetzung sei, dass die Regierungstruppen das Feuer einstellen und in ihre Kasernen zurückkehren. Assads Ankündigung stößt allerdings auf breite Skepsis. Syrische Revolutionäre sprechen von einem „Täuschungsmanöver“. Denn ungeachtet der Zusage eines Abzugs aus den von der Armee belagerten Gebieten hält die Gewalt in Syrien weiter an. Laut Menschenrechtsaktivisten sind erneut 18 Menschen getötet worden, darunter zehn Zivilisten. Viele glauben, der Annan-Plan verlängere nur die Lebenszeit des Regimes.

Kritik am Annan-Friedensplan

So wird auch das Ergebnis des Istanbuler Treffens der 83 westlichen und arabischen „Freunde des syrischen Volkes“ am vergangenen Sonntag als wenig ergiebig angesehen. Besonders Vertreter der Golfstaaten missbilligen den Friedensplan als „leeres Gerede“ und würden am liebsten „Taten“ sehen. Die vom ehemaligen UNO-Generalsekretär angeregten Gespräche zwischen Regierung und Opposition seien „illusorisch“. Assad werde versuchen, den Aufstand endgültig niederzuschlagen, um anschließend mit dem Segen Moskaus mit „einigen gefügigen Oppositionellen Scheinverhandlungen zu führen“.

Ähnlich scharfe Worte zur Schlusserklärung der Konferenz findet auch Haysam Hamoui, Sprecher des österreichischen Koordinierungskomitees zur Unterstützung der syrischen Revolution. „Die herrschende Verbrecherbande in Syrien führt die Welt um die Nase herum und nützt die Trägheit der politischen Akteure um weite Teile der Zivilbevölkerung zu vernichten oder zu vertreiben. Den Preis dieser Verzögerung der Weltgemeinschaft zahlen weiter unschuldige Familien in Syrien. Sanktionen alleine können keinen Diktator bezwingen oder Zivilisten schützen“, so Hamoui. Im aktuellen Unzensuriert-Magazin fordert Hamoui die Bewaffnung der Rebellenarmee, die auch bereits konkrete Formen annimmt: 100 Millionen US-Dollar aben die arabischen Golfstaaten den aufständischen Kämpfern nach jüngsten Medienberichten angeblich zugesagt. Hier ein Ausschnitt des Interviews mit dem Vertreter der syrische Opposition in Wien.

Abo-Aktion: Unzensuriert-Magazin und Bergwild-Genussbox

In Syrien herrscht derzeit enorme Gewalt. Wie sehen Sie die Chancen, dass die Revolution siegen wird?
Haysam Hamoui: Die Revolution selbst hat Gewalt erst in den letzten Monaten geübt. Nach acht oder neuen Monaten einseitiger Tötung seitens des Regimes haben es sich die Deserteure, die nicht mehr auf das eigene Volk schießen wollten, zur Aufgabe gemacht, die Demonstranten und Zivilisten zu schützen. Die Chancen für einen Erfolg sind schwer abzuschätzen. Aber eine Bewaffnung der freien syrischen Armee wäre ein guter Anfang, um der Revolution zum Sieg zu verhelfen.

Haysam Hamoui

Haysam Hamoui

Haysam Hamoui fordert die Bewaffnung der Freien Syrischen Armee.
Foto: Unzensuriert.at

Das heißt, ohne Hilfe von außen wird es nicht gehen?
Haysam Hamoui: Wird es nicht und niemals. Aus dem Grund, dass das Regime bereit ist, das ganze Land zu zerstören, um an der Macht zu bleiben. Das Volk wird trotzdem niemals aufhören, sein Ziel anzustreben. Darum wird die Opferbilanz wahrscheinlich hoch werden.

Fordern Sie ein militärisches Eingreifen der NATO?
Haysam Hamoui: Ich fordere mindestens eine Bewaffnung der freien syrischen Armee. Ein Eingriff der NATO wird vielleicht nur beschränkt positiv betrachtet. Aber wenn das Regime keine Angst spürt, dann passiert gar nichts.

Zu Beginn waren die Proteste an sich friedlich. Assad hat anfangs auch gesagt, er sei zu einigen Reformen bereit. Warum hat man da nicht zusammen gefunden?
Haysam Hamoui: Die Reformen von Assad waren Scheinreformen. Er hat selber in den letztlich durchgesickerten E-Mails diese Reformen als Mist bezeichnet. Er hat nie die Forderungen der Revolution erfüllt. Die Amnestie, die er längst verkündet hat, war nicht für die politischen Gefangenen, sondern für Kriminelle, die er dann noch als Schläger und Schergen für sein Regime gegen die friedlichen Demonstranten eingesetzt hat. Die Notstandsgesetze hat er nur zum Schein abgeschafft. Dafür hat er sie durch andere Gesetze ersetzt, die noch schlimmer sind. Nach der Abschaffung der Notstandsgesetze ist die Gewalt gegen die Demonstranten noch stärker geworden.

Wenn die Revolution sich durchsetzt, was kommt dann in Syrien für ein Regime?
Haysam Hamoui: Ich kann nur sagen, was die Revolution will. Sie will einen Zivilstaat, einen Rechtsstaat errichten, wo Demokratie und Menschenrechte hochgehalten werden. Einen Staat für alle Bürger in Syrien, egal welche religiöse oder ethnische Zugehörigkeit sie haben.

Aus den Erfahrungen mit Ägypten weiß man, dass die Christen nach der Revolution stärkeren Repressalien ausgesetzt sind als vorher. Sehen Sie keine Gefahr, dass es für die Minderheiten in Syrien auch so kommen könnte?
Haysam Hamoui: Ich sehe diese Gefahr gar nicht. Nicht nur ich, auch unsere christlichen Aktivisten. Es gibt viele Unterschiede zwischen der Geschichte der Christen in Syrien und in anderen Ländern. Die Christen spielen eine große Rolle in der Tradition von Syrien und in der Kultur. Die Beiträge der Christen in Syrien sind nicht zu übersehen. Sie sind sehr hoch angesehen. Dazu kommt, dass es in der Geschichte Syriens niemals bewaffnete Konflikte zwischen Christen und Muslimen gab. Da können Sie 500 Jahre zurückblicken. Es ist das Assad-Regime, das jetzt diese Karte spielt. Das Regime will das Volk gegeneinander hetzen. Tatsächlich behandelt das Regime aber die christlichen Oppositionellen genauso brutal wie die muslimischen Oppositionellen.

Abo-Aktion: Unzensuriert-Magazin und Bergwild-Genussbox

Bis 30. April 2012 bieten wir einen besonderen Leckerbissen: Jeder Neuabonnent (Normal- und Förderabo) erhält eine Genussbox der Firma bergwild.at im Wert von 29,90 Euro kostenlos dazu. Förderer werden einmal jährlich zum Unzensuriert-Förderabend eingeladen.

Kurztitel: 
Syrien-Aktivist Hamoui im Interview
Spende für Unzensuriert
 

Kommentare

Was können die Forderungen der Revolution wohl sein,die im Frühjahr'11 zu Demonstrationen unter dem Titel "Tag des Zorns" in bewusster Anlehnung an die ägypt. Revolution angetreten sind, anfangs ohne Resonanz?
Wodurch wurden die Aufrührer später so stark, wenn nicht unter Rückgriff auf Resentiments der weitaus mehrheitlichen sunnitischen Bevölkerung gegen den alevitischen - und eher säkulären - Assad? Natürlich,ein Aufruf zu Tagen des Zornes ist im Klartext eine unangemeldete Demo zum Sturz des Regimes, deren gewaltsame Auflösung absehbar u. verständlich ist. Die Demos waren auch anfangs nicht so einfach friedlich, sondern dementsprechend von Zusammenstößen mit Exekutivkräften geprägt.
Und womöglich handelt es sich nur Scheinreformen aus Sicht der Revolutionäre, weil Artikel 3 der neuen Verfassung, an deren Abstimmung trotz Unruhen + 57 % teilnahmen,nur sehr unbestimmt eine islam.Rechtsprechung deklariert.
Siehe vollständ. VErfassungstext: www.sana.sy/eng/337/2012/02/23/401178.htm

0
1
Bild des Benutzers regimegegner

immigrantenflut,raucher,radfahrer,hundebesitzer,autofahrer,komasaufen,waste watcher,parksheriff,VDS,ACTA, kinder im namen der polizei auf verbrecherjagd,......wem gibt es noch den die UNSERIGE & EU-regierung für abzockinteressen und mehr einspannt/ausnützt, wenn/wann das volk aufwacht gibt es dann auch tote, die polizei wird auch in der eu militärisch aufgerüstet gegen das eigene volk/wähler. mikrowellenstrahlen gegen demos, wo endet das???

1
1

Alle Religionen haben in Syrien eine Unterkunft, und alle Menschen lebten und leben friedlich in Syrien, ABER solche Herscher wollen hetzen hetzen hetzen damit lang regieren können damit sie Beschäftigung / Arbeit haben
Im Blut solchen Herscher finden Sie Zorn, Hass, Terror und etc ... gegen Menschheit.
Einfach zusagen: sie kennen nur Demo von Demokratie und sie haben keine Ahnung oder in deren Lexikon fehlt das Wort FREIHEIT

Gruß aus HOMS / SYRIE

0
0

Zivilisierte, westliche wirkende Akademiker werden vorgeschoben, im Hintergrund wird mit Waffengewalt "demonstriert" und terrorisiert, weil ja den unterdrückten Protestierern ein Ventil zugestanden werden muss.
Und natürlich ist von tausenden Toten die Rede - hat man in Libyen anlässlich der Februarunruhen 2011 von mehr als 1000 erschossenen "Demonstranten" gesprochen, wobei Amnesty International hernach nur 180 bestätigte, so muss doch jetzt wenigstens was dran sein, wo doch zehntausend Opfer von Aufrührern gemeldet werden. Und auch hier übernehmen Associated Press & Co die Zahlen unbesehen.
Warum nur schießt Assad auf friedvolle Demonstranten? Das muss doch in's Geld gehen, die ständigen Salven?
Übrigens: 70 Tage nach Beginn des NATO-Bombardements in Libyen sprach der Sprecher der UNO-Menschenrechtskommission bereits von zehn- bis fünfzehntausend Toten. Aber schon 11 Tage nach dem Beginn meldete das britische Außenministerium 1.000 Tote durch die Bomben.

0
2

für Leute wie Bert100 verhängen die Diktatoren beim ersten Zeichen des Volksaufstands die Nachrichtensperre und lassen ein paar ausgewählte Reporter ins Land ein, welche dann von Regime-Schergen herum chauffiert werden um das schöne Leben im Lande zu präsentieren und gleich die Verschwörer da draußen zu denunzieren (sieh Gaddafi-Schule). Waffengewalt gab 7 Monate lang nur einseitig (wie Hunderte von Zeugenaussagen der Flüchtlinge und Deserteure, sowie Videos bestätigen). Warum schießt Assad auf Demonstranten? Rat a Mal.
Vierzig Jahre lang versuchte das Regime erfolgreich jeden Widerstand im Keim zu ersticken. Oppositionelle waren entweder getötet, Inhaftiert oder ins Exil gejagt. Auch ihre Familien leiden mit. Die Diktatur in Deutschland ist nicht lange her. An Brutalität ist das ASS-Regime nicht zu übertreffen.

1
1

... nicht einmal ein Zehntel der Bevölkerung, die jetzt mit Berichten über den blutrünstigen Assad eingedeckt bzw bombardiert wird, hatte überhaupt schon die Gelegenheit, zu erfahren, dass in Syrien am 25. Februar ein seit Monaten geplantes Referendum abgehalten wurde, dass demokratische Wahlen, die Rücknahme des Einparteienstaates, eine Höchstdauer der Amtszeit des Präsidenten, und dergleichen vorsieht.
Dass die neue Verfassung erst 2014 wirksam werden soll, kann wohl nur ein Vorwand für jene Aufrührer sein, die sich nicht wirklich einer Wahl stellen wollen, sondern lieber marodieren und mit Bombenterror an die Futtertröge des staatlichen Gewaltenmonopols gelangen möchten, so wie auch in Libyen. Denn welche Wahlmöglichkeiten hatten dort die Anhänger Gaddafis nach der Zwangsbeglückung im Namen der Demokratie und westlicher Leitbilder?

0
1

Ein Zehntel der Bevölkerung erfährt von den Reformen des Ass-Regimes!!!!!! Warum das denn,

Obwohl die Propagandamaschine des Regimes ununterbrochen durch TV-Sender des libanesischen Hisbullahs und des iranischen Mullah-Regimes, sowie auch der Russen läuft. Ein interessantes Gespann.
Auf diese Sender darf sogar Nur eine Version der Geschichte gepredigt werden, wobei auf den schlimmen! TV-Sender ALLE Versionen aufgezeigt werden, auch die Sprachrohre des Ass-Regimes dürfen ihren Mist vor den Kameras aufschütten. Es geht um die Glaubwürdigkeit mein Lieber. Das Regime ist verbrecherisch, korrupt, brutal, hetzerisch, einfach kriminell und dumm noch dazu.. Beispiele gibt es aber tatsächlich viele.
Die Syrer glauben die Geschichteldruckerei des Regimes gar nicht, darum.

0
0

Revolution Statistics
Syrians killed: 12,460
Children killed: 882
Females killed: 773
Soldiers killed: 1,089
Missing: +65,000
Protestors killed under torture: 491
Protestors currently incarcerated: +212,000
Syrian refugees since March: +34,648
Refugees in Turkey: 14,700
Refugees in Lebanon: +14,348
Refugees in Jordan: +5,600 (registriert bei der UN), insgesamt 80000 laut offiziellen jordanischen Quellen)

2
1

Bin nur ich etwas irritiert?

0
1

Seiten

Neuen Kommentar schreiben

Beim Verfassen von Kommentaren sind folgende Regeln zu beachten:
  1. Die Meinungsfreiheit bewegt sich im Rahmen der geltenden Gesetze. Wer zu Gewalt aufruft oder gegen Teile der Bevölkerung hetzt, kann die Meinungsfreiheit für sich nicht in Anspruch nehmen. Ebenso gilt dies bei Beleidigungen oder Anschuldigungen gegenüber konkreten Personen. Wer die Gesetze missachtet, muss damit rechnen, straf- oder zivilrechtlich verfolgt zu werden. Als Betreiber sind wir bei entsprechenden Ermittlungen zur Kooperation mit den Behörden verpflichtet.
  2. In der Diskussion mit anderen Kommentatoren erwarten wir einen respektvollen und höflichen Umgang, auch wenn verschiedene Meinungen aufeinander prallen.
  3. Beziehen Sie sich in ihren Kommentaren bitte auf das Thema des Artikels.
  4. Sollten Sie sich durch den Inhalt eines Kommentars in Ihren Rechten verletzt fühlen, kontaktieren Sie uns bitte unter kontakt@unzensuriert.at.
Unzensuriert.at behält sich vor, Kommentare wegen Verstößen gegen diese Regeln zu löschen und in besonders krassen Fällen oder bei Wiederholung einzelne Benutzer zu sperren.
Die Länge der Kommentare ist auf 1.000 Zeichen begrenzt.

Plain text

  • Keine HTML-Tags erlaubt.
  • Internet- und E-Mail-Adressen werden automatisch umgewandelt.
  • Zeilen und Absätze werden automatisch erzeugt.
CAPTCHA
Diese Frage hat den Zweck zu testen, ob Sie ein menschlicher Benutzer sind, um automatisiertem Spam vorzubeugen.
Füllen sie das Feld aus.