Ägyptische Revolution hat Situation der Frauen verschlechtert

12. Juni 2012 - 11:53
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Frauen protestierten gegen Mubarak. Ihrer Situation hat es nicht genützt.
Foto: Mariam Soliman / Wikimedia

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Ägypten

Die ägyptische Revolution wurde stark von Frauen vorangetrieben – Sie machten mindestens die Hälfte der Menschen auf dem Tahrir-Platz und bei anderen Demonstrationen aus, viele waren als Bloggerinnen aktiv.

Mehr als ein Jahr nach dem Sturz Mubaraks sieht es so aus, ols ob sich ihr Engagement nicht gelohnt hat, im Gegenteil, die Situation der ägyptischen Frauen scheint heute schlechter zu sein als zu Mubaraks Zeiten. Nach den deutlichen Wahlerfolgen der Muslimbrüder und der Salafisten herrscht weiterhin ein patriarchales Gesellschaftssystem, das die Frauen benachteiligt.

Jungfräulichkeitstests nach Festnahme

Von den Sicherheitskräften wurden demonstrierende Frauen noch lange nach Mubaraks Sturz äußerst brutal behandelt. Die Fälle, die Amnesty International dokumentiert hat, beinhalten physische Gewalt, Folter durch Elektroschocks und sexuelle Übergriffe. Im März 2011 wurden 17 Frauen verhaftet und in ein Militärgefängnis gebracht, wo man sie nackt fotografierte und ein Militärarzt erzwungene Jungfräulichkeitstests an ihnen durchführte. Nur eine der betroffenen Frauen wagte es, vor Gericht Anklage dagegen zu erheben. Sie erreichte, dass solche Tests verboten wurden, der verantwortliche Arzt wurde jedoch im März dieses Jahres freigesprochen.

Im Parlament sitzen nur 12 Frauen – bei 498 Abgeordneten. Unter den 13 Bewerbern für das Präsidentenamt befindet sich keine einzige Frau. Manal Abul Hassan, Politikerin bei der Muslimbruderschaft, sieht darin kein Problem. Für die Etablierung von sozialer Gerechtigkeit im Land, dem Ziel ihrer Partei, spiele der Frauenanteil in der Politik keine Rolle. Von Frauen, die sich an Demonstrationen beteiligen, hält sie außerdem wenig. Dies sei Sache ihrer Väter, Ehemänner und Brüder, denn Demonstrieren beleidige die Würde der Frau, auch wenn es um Frauenangelegenheiten gehe.

Präsidentschaftskandidatin wirbt mit Bild ihres Ehemannes

An den gewohnten Geschlechterrollen scheint sich bislang nichts geändert zu haben: Die Cafes werden nach wie vor von Männern frequentiert, während Mädchen auf Bänken im Freien herumlungern und von Polizisten überwacht werden. Eine verschleierte Salafistin, die für das Präsidentenamt kandidiert, wirbt auf ihrem Wahlplakat sogar mit dem Bild ihres Ehemannes. Die Gleichberechtigung der Geschlechter wird in Ägypten als westlicher Import wahrgenommen, ähnlich wie Hollywood-Filme oder Fastfood. Mubarak galt als Freund des Westens, daher wird westlicher Einfluss vielfach mit dem alten Regime verbunden und deshalb abgelehnt.

Unter Mubarak hatte die First Lady Suzanne Mubarak einiges für Frauen durchgesetzt, darunter das Scheidungsrecht für Frauen und ein Quote im Parlament. Die Quote hat die Revolution nicht lange überlebt, das Scheidungsrecht ist gefährdet. Weitere Maßnahmen zum Nachteil der Frauen werden im Parlament diskutiert, darunter eine Senkung des Heiratsalters für Mädchen auf 14 und eine Änderung im Fürsorgerecht, wodurch Kinder ab acht Jahren automatisch dem Vater zugesprochen werden.

Kurztitel: 
Frauen hatten es vor Revolution besser
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Kommentare

Bild des Benutzers der faule Willi

Bravo all den Frauen, die die Revoultion unterstützt haben!
Die "Demokratie" hat offenbar nicht nur Vorteile.
Da wie dort dürfen ALLE wählen, vom Universitätsprofessor bis zum grenzdebilen Alkoholiker (außer nach ärztlicher Feststellung einer geistigen Behinderung). Das Ergebnis ist da wie dort offensichtlich!
Bei uns sind es die rot/schwarzen "Stammwähler", die den korrupten System-Opportunisten immer wieder zur Macht verhelfen ...
Dort sind es die Leichtgläubigen, die die Islamisten auf den Thron heben.

Überall wählt die "dumme Masse" ihre Schlächter selber ...

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dfW

Jeder mit einigermaßen klarem Verstand wusste, dass so etwas kommen würde und das es noch viel schlimmer werden wird, weil die neuen moslemischen Führer diese Länder ins Mittelalter zurückführen.
Also werden die Westmächte genau das gewünscht haben, sonst hätten sie den Umbruch wohl nicht unterstützt.
Wo blieb der Aufschrei der selbsternannten linken Menschenrechtler, wo jener der FeministInnen?

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