Peter Michael Lingens über Dienstreisen, Drinks und Nachtclubs
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Korruption, Karl-Heinz Grasser, Ernst Strasser, Bestechung, Audimax, Universität Wien, profil, Peter Michael Lingens
Foto: Manfred Werner - Tsui / Wikimedia (CC BY-SA 3.0)
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JournalismusDer bekannte Journalist und frühere Chefredakteur des Profil, Peter Michael Lingens, gab bedenkliche Einblicke in die Arbeit seiner Zunft. "Manchmal ist es übrigens nicht ganz so einfach unbestechlich zu bleiben", meinte Lingens am 11. Juni gegenüber erstaunten Studenten im Audimax der Universität Wien, referierte er doch über Kommunikationsethik. Diese scheint oft zu kurz zu kommen – sogar viel zu kurz, wenn man Lingens Glauben schenkt.
Korruption und Korruptionsvorwürfe beschäftigen die Republik. Karl-Heinz Grasser ist seit Jahren prominent und wenig vorteilhaft in den Medien der Republik vertreten. Der frühere Innenminister und zurückgetretene Europaparlamentarier Ernst Strasser schockierte die Öffentlichkeit. Seither wird um seine Person ebenfalls ein wahrer Sumpf aus Korruption vermutet. Investigative Journalisten werden nicht müde, darüber zu berichten. Doch eine wesentliche Fragen wird in diesem Zusammenhang nicht oder nur allzu selten gestellt: Sind Journalisten ebenso anfällig für Bestechung, wie manche Politiker dies zu sein scheinen?
Reisen statt journalistischer Ethik?
Am 11. Juni hielt der frühere Chefredakteur des Wochenmagazins profil, Peter Michael Lingens, im Audimax der Universität Wien einen Vortrag über Kommunikationsethik. Nach Erläuterungen über seriöse Berichterstattung und seine persönlichen Erfahrungen als aktiver Protagonist und Beobachter der Branche kam er auf Korruption zu sprechen. Diese sei auch unter Journalisten zu finden. Lingens selbst schien zumindest teilweise gewisses Verständnis für korrumpierende Situationen aufzubringen:
Manchmal ist es übrigens nicht ganz so einfach unbestechlich zu bleiben. Politiker übergeben relativ selten gelbe Kuverts. Eher rutscht man als Journalist, ohne es zu wollen, in korrumpierende Situationen hinein. Man fliegt auf der Dienstreise eines Politikers mit, trinkt am Abend mit ihm, sucht vielleicht zusammen mit ihm einen Nachtclub auf. Und plötzlich ist das Verhältnis für eine wirklich unvoreingenommene Berichterstattung zu eng geworden. Auch Eitelkeit spielt eine große Rolle. Man ist durch das Lob, durch Lob und Vertraulichkeit, bestechlich.
Dass er sich selbst auch jemals in einer korrumpierenden Situation befunden hätte, bringt Lingens damit freilich nicht zum Ausdruck. Nachdenklich stimmt sein Beitrag allemal.









Kommentare
Eine so stumpfsinnige
Eine so stumpfsinnige Umschreibung von Lingens' Vortrag habe ich selten gelesen.. Dass für "rechts" ein unbescholtener Journalist zum Handkuss kommt, der sich über Jahre für Pressefreiheit, Moral, Ethik und gegen Korruption in Österreich eingesetzt hat, grenzt schon an eine Frechheit.
Ach so hier schreiben ja die Saubermänner - über ihnen aber schwebt die weiße Weste: Martin Graf. Unser dritter Nationalratspräsident und Mitglied der so genannten "Sauberkeitspartei" ist: http://www.stopptdierechten.at/think/fpo-kriminalitat/
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Bin schon gespannt wie lange dieser Beitrag existiert auf "www.unzensuriert.at".
Wäre ja mal spannend mit den Verfassern dieses Artikels in Person in einem Caféhaus zu diskutieren, aber das traut sich ja dann keiner. Wir sind ja ach so böse Gutmenschen.
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journalistische Suhle
Noch ganz andere Schilderungen hätte Lingens auf Lager, würde er offen über seine Berufserfahrungen sprechen wollen. Tiefe Einblicke in jenen Sumpf, in dem sich Politik und Journalismus gemeinsam suhlen, könnten so gewonnen werden. Zu schade, dass dieser „Aufdecker“ seine wirklichen Erlebnisse verborgen hält.
Lingens sollte Schauspieler werden
In der Kömödie "The Front Page" (1974) spielt Walther Matthau den amoralischen Chefredakteur Walter Burns der für eine Schlagzeile seine Oma verkaufen würde. Der Film endet mit dem Hinweis dass Burns seine Karriere als Uni-Dozent für "Ethik des Journalismus" beendet.
Für eine Neuverfilmung würde sich P.M. Lingens wohl als Hauptdarsteller eignen, an das Matthau´sche Knautschgesicht reicht er leider nicht heran.
Man könnte Lingens´ Ausführungen auch als Anregung für andere Vorträge verstehen: Claudia Schmied über "Mehr Wettbewerb im Bildungswesen", J. Voggenhuber über das "Europa der Vaterländer" und Ernst Strasser über "Transparenz in der Politik". Der Vortrag von Hr. Bin Laden über "Formen des zivilen Ungehorsams" musste ja leider abgesagt werden.
Sich gegen den Sumpf der Korruption...
zu währen, ist ja offensichtlich wirklich nicht so einfach - zumindest wenn es um Peter Lingens geht.
Diese beispiellose journalistische Selbstgefälligkeit ist ja kaum mehr auszuhalten. Ich selbst war während dieses Vortrages anwesend und dieser kurze Ausschnitt zum Thema Korruption ist bei weitem nicht die einzige skandalöse Geschichte. Mit Vorliebe werden auch Eigentumswohnungen angeboten, um Journalisten davon abzuhalten manche Artikel nicht zu veröffentlichen usw... - jaja wie gesagt... es ist nicht einfach der Korruption zu wiederstehen...Hoffen wir, dass es Lingens immer gelungen ist, ich glaube fest daran!!
ebenso
wie die unschulds- gilt die unglaubwürdigkeits-vermutung !
skandalöses Selbstverständnis
Endlich packt ein Insider aus. Die lässige und verständnisvolle Art diese Vorgänge zu schildern, grenzt an einen Skandal. Es wäre zu klären wie viele Long Islands PM Lingens selbst mit unseren Politikern getrunken hat. Vielleicht sollte er auf dieser Basis einen Lokalführer herausgeben.Â