Unzensuriert-Magazin: Fast jeder Krieg ist ein Krieg um Öl

22. Juli 2012 - 9:36
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Im Lichte der wirtschaftlichen Abhängigkeit von Erdöl kann man die
bewaffneten Konflikte in vollkommen anderen Facetten betrachten.
Foto: dingatx / flickr

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Energie

In der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts zeichnete sich ab, dass der weltweite Handel mit Erdöl eng an die globale Politik gekettet sein würde. Es begannen sich Fronten zwischen „dem Westen“ und den arabischen Ländern zu bilden. Nach dem Einsturz des World Trade Centers 2001, der den Beginn des „Kampfes gegen den Terrorismus“ markierte, war eines der nächsten Angriffsziele Amerikas der Irak. Offizieller Grund: Der Irak hätte unter der Regierung Saddam Husseins Massenvernichtungswaffen hergestellt. Innerhalb weniger Wochen lag das Land in Schutt und Asche, ebenso die dortige Erdölförderung. Der Ölpreis begann zügellos zu steigen.

Ölpreis vervielfacht sich in wenigen Jahren

War der schockierende Spitzenpreis in der ersten Ölkrise noch 11,65 Dollar pro Barrel und hatte er sich in der zweiten auf den Rekordpreis von 42 Dollar aufgeschwungen, so durchbrach der Ölpreis 2004 die 50-Dollar-Marke und – ohne Aussicht auf Besserung – bereits vier Jahre später den doppelten Wert. Mitte 2008 war kurzzeitig ein Spitzenpreis von 140 Dollar erreicht. Im Lichte der wirtschaftlichen Abhängigkeit von Erdöl kann man die bewaffneten Konflikte des letzten Jahrzehnts in vollkommen anderen als den öffentlich plakatierten Facetten betrachten. Die Tatsache, dass die als Bedrohung bewerteten Staaten, auf die im letzten Jahrzehnt Attacken geflogen und deren politische Systeme völlig auf den Kopf gestellt wurden, „rein zufällig“ allesamt reiche Erdölvorkommen besitzen, ist der Zivilbevölkerung nicht verborgen geblieben. Offiziell wird dieses Thema jedoch totgeschwiegen, steht doch die Glaubwürdigkeit der aktuellen globalen Machtverhältnisse auf dem Spiel. Dennoch erblicken immer wieder ausführliche Reportagen, Analysen und Berichte abseits des Medien-Mainstream das Tageslicht.

Abhängigkeit von Saudi-Arabien

So auch der Essay „Für Öl und Weltreich? Überdenken des Irakkriegs“ von Michael T. Klare, der erstmals 2003 im Projekt „Foreign Policy in Focus“ veröffentlicht wurde. Darin beschreibt Klare in deutlichen Worten, wie von den Rohölvorräten der Golfstaaten die wirtschaftliche Macht und somit die Position als dominanter Faktor der Weltpolitik abhängt: Die größten verbliebenen Vorräte weltweit finden sich in Saudi-Arabien, wodurch die amerikanische Politik mehr oder weniger direkt von den wirtschaftlichen Beziehungen dorthin abhängt. Diese Abhängigkeit zu reduzieren ist ein Ziel der US-Strategen, das durch die Besetzung des Irak und den Einsatz einer amerikafreundlichen Regierung zumindest für ein Jahrzehnt erreicht werden konnte. Der ehemalige Vizepräsident Dick Cheney sprach den Krieg ums Öl – neben den offiziellen Gründen natürlich – in seiner Rede vor den „Veterans of Foreign Wars“ 2002 sogar direkt an: „Mit einem Arsenal [massenvernichtender] Waffen des Terrors und auf 10 Prozent der globalen Ölreserven sitzend, wird Saddam Hussein nach der Macht im gesamten Nahen Osten streben, Kontrolle über einen Großteil der weltweiten Energieversorgung übernehmen, Amerikas Freunde in der Region direkt bedrohen und die Vereinigten Staaten sowie jede andere Nation nuklear erpressen.“ Eine Argumentation, die dem aufmerksamen Beobachter der Weltpolitik, aktuell in Bezug auf den Iran, möglicherweise bekannt vorkommt. Saddams Regierung im Irak war eine implizite Bedrohung des amerikanischen Zugriffs auf das Öl im Persischen Golf – also musste das Regime beseitigt werden.

Carter-Doktrin: Kontrolle des Persischen Golfs

Diese Argumentation baut auf der Politik der amerikanischen Regierung unter Präsident Jimmy Carter auf, die später als „Carter-Doktrin“ zusammengefasst wurde. Diese besagt, dass die USA verantwortlich für die Sicherung des Ölflusses seien. Der unbeschränkte Zugriff auf den Persischen Golf sei ein vitales Interesse der Vereinigten Staaten, so Carter in seiner Rede zur Lage der Nation 1980. „Lasst uns absolute Klarheit in unsere Position bringen. Jeder Versuch einer externen Macht, Kontrolle über die Region des Persischen Golfs zu erlangen, wird als Angriff auf die lebenswichtigen Interessen der Vereinigten Staaten betrachtet – und solch ein Angriff wird mit allen notwendigen Mitteln, auch militärischer Gewalt, zurückgeschlagen werden.“ Die richtungsweisende Rede Carters wurde – zufällig? – ein Jahr nach substanziellen Verschiebungen der Machtverhältnisse im Nahen Osten gehalten: Gegen Ende des Jahres 1979 wurde der mit Amerika verbündete Schah von Persien von militanten Islamisten unter der Führung des Ayatollahs Khomeini gestürzt. Ebenso wurde Mekka von Saudi-Arabien feindlich gesinnten Islamisten gestürmt. Und auch die Sowjetunion mischte sich in den Wettstreit um das Rohöl ein und besetzte Afghanistan. Der amerikanische Anspruch musste also deutlich abgesteckt werden.

Der Westen im Würgegriff

Der Zugriff auf das Öl des Nahen Ostens sichert Amerikas Position als Weltmacht auch gegenüber eventuellen Konkurrenten, die ebenso vom Erdöl abhängig sind. Hat die US-Regierung sich erst einmal aus dem Würgegriff der souveränen Nationen befreit, die den Zugriff zum Golf-Öl regeln, so fließt dieses Öl direkt in ihre Hände. Die anderen Industrienationen, die (aufgrund mangelnder eigener Vorräte) oft noch stärker von diesen Ölvorräten abhängen, befinden sich somit wieder im Würgegriff der Vereinigten Staaten. Auf diese Weise kann erstaunlicher Druck auf wirtschaftliche Konkurrenten ausgeübt werden. Japan, Großbritannien, Frankreich und Deutschland befinden sich bereits in dieser Zwickmühle und sprechen sich deshalb auch nie öffentlich gegen die amerikanische Kriegspolitik im Nahen Osten aus, auch wenn sie prinzipiell damit nicht einverstanden sind. Der einzige Konkurrent, der noch nicht vollständig unter der wirtschaftlichen Kontrolle der USA ist und sich in jüngster Vergangenheit anschickt, die Wirtschaftsmacht vom Thron zu stoßen, ist die Volksrepublik China. Mit zunehmender Industrialisierung ist auch sie mehr und mehr von den Ölvorräten und daher theoretisch von der eisernen Kontrolle der USA über die Region abhängig, die natürlich den gefährlichen Aufstieg des Landes zu bremsen versuchen. Daher wurde ein anderer Ansatz gewählt: China nähert sich direkt an den Iran an, der nach wie vor keine durch Amerika an die Macht geratene Regierung hat, und versucht dort neuerdings, Erdöl gegen chinesische Yuan oder Gold zu tauschen.

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Kurztitel: 
Fast jeder Krieg ist ein Krieg um Öl
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Kommentare

Jeder Krieg geht nur um's Öl. Die amerikanische Aussenpolitik orientiert sich doch nicht an Menschenrechten - abgesehen davon, dass diese sich nach Tageslage verändert - da geht's um Schürfrechte und sonst aber auch schon gar nichts.

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Haben die nicht schon 1945 die Städte Kaputtgebombt?? Um dann großzügig mit dem Marshallplan uns in die Abhängigkeit zu ziehen.

Aber die Anderen Großmächte sind leider auch nicht besser. Wie im Bericht auch gut angeführt.

Trauriges 2. und 3. Jahrtausend. Ein Zeichen, dass der Mensch noch genau so deppert ist wie seinerzeit, als er von Baum zu Baum hüpfte. Wahrscheinlich sogar noch blöder, weil der Eiterpatzen Hirn im Schädel gewachsen ist.

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