Arbeit ohne Lohn: Urteil bestätigt moderne Zwangsarbeit in Großbritannien

21. August 2012 - 23:56
Bild: 
Érwerbslose werden zur kostenlosen Arbeit gezwungen.
Foto: Bundesarchiv, B 145 Bild-P109962 / CC-BY-SA

Bereiche 

Großbritannien

In Europa gibt es keine Zwangsarbeit. Oder etwa doch? In Großbritannien sorgt das Programm "Workfare" für Unruhen. Arbeitslose können verpflichtet werden, sechs Monate lang unentgeltlich für ein Unternehmen zu arbeiten. Namhafte Konzerne entlassen ihre Mitarbeiter und stellen Arbeitslose an. Betroffene haben gegen diese Zwangsarbeit geklagt und verloren.

Arbeitslose für Konzerne

Die Wirtschaftskrise hat Großbritannien besonders hart getroffen. Die Arbeitslosigkeit ist hoch. Workfare sollte Abhilfe schaffen. Als arbeitslos gemeldete Personen können verpflichtet werden, unentgeltlich zu arbeiten. Ansonsten wird das Erwerbsloseneinkommen gestrichen. Die einzelnen Maßnahmen werden von Privatkonzernen koordiniert. „Action for Employment“ zum Beispiel soll 114.000 Klienten einen Job verschaffen. Doch das Programm hinkt hinter den Erwartungen her. Das Unternehmen hat sich verpflichtet, mehr als jedem zwanzigsten Klienten im Rahmen von Workfare eine Arbeitsstelle zu verschaffen. Mit 3,5 Prozent wurde dieses Ziel um etwa die Hälfte verfehlt. Die Regierung gab eine Studie in Auftrag, deren Autoren zu folgendem Schluss kamen:

Workfare ist nicht effektiv und hindert Menschen teilweise sogar an der Arbeitssuche, da sie Zeit für die Maßnahmen aufwenden müssen. Workfare funktioniert am wenigsten in Zeiten, in denen der Arbeitsmarkt schwach und die Massenarbeitslosigkeit hoch ist.

Sträflinge werden angestellt

Unternehmer werden weniger Zweifel an der Effizienz anmelden. Aus ihrer Sicht bietet das Programm enorme Möglichkeiten, Profite zu steigern. Die Poundlands-Kette machte im Jahr 2010 27,4 Millionen Euro Profit damit, Angestellte zu Mindestlöhnen zu beschäftigen. Im Rahmen des Workfare-Programmes wurde eine arbeitslose Frau verpflichtet, in einer Filiale des Unternehmens den Fußboden zu wischen und Regale einzuschlichten – gratis. Der Druck auf die Mindestlohnbezieher steigt. Gegen kostenlose Arbeiter sind auch sie plötzlich zu teuer. Auch Häftlinge wurden plötzlich zu begehrten Arbeitskräften. Ein walisisches Gefängnis bietet eine Stunde Arbeitskraft eines Insassen für drei Pfund an. Das Callcenter „Becoming Green“ hat den Zuschlag erhalten. Die Angestellten der Firma wurden gekündigt, Sträflinge haben ihren Platz eingenommen.

Moderne Zwangsarbeit?

Betroffene haben gegen das umstrittene Programm geklagt. Die Maßnahmen würden der Menschenrechtskonvention widersprechen. Zwangsarbeit sei außerdem in Großbritannien verboten. Doch das Gericht wollte diese Argumentation nicht gelten lassen. Workfare sei mit kolonialer Zwangsarbeit nicht vergleichbar.

Kurztitel: 
Zwangsarbeit in Großbritannien
Spende für Unzensuriert
 

Kommentare

Warum soll ein Lehrer und Innen, wenn keine Lehrstelle frei ist, keinen anderen Job annehmen. Anderseits und natürlich soll der Arbeitnehmer nicht durch künstliche Arbeitslosigkeit zu jeder Arbeit gezwungen werden können.

Da wäre es an der Zeit, daß der Staat, aber vernünftig und nicht wie bisher eingreift und Regulierungen schafft. Da heute das Meiste von Maschinen und Computern erledigt wird, wäre es sinnvoll, die Leute in die Bildung zu schicken. (Aber nicht den Chirurgen zum Stapelfahrer ausbilden). Die Kapazitäten in Forschung und Entwicklung zu entlassen. Alle wären beschäftigt und damit auch glücklich. Das Brot und der Wein produziert sich ja auch schon fast von alleine (und doch nicht ganz).

Schuld ist an dem Dillema aber auch die Geiz ist Geil Mentalität und die Gier des Einzelnen.

1
1

Ident läuft die Sache in Österreich ab. Würden die Herren von unzensuriert hin und wieder in die AULA blicken, wäre es ihnen nicht entgangen. Der exclusiv Artikel war exzellent recherchiert.
Also: auch zuhause gibt es katastrophale Zustände! Es wäre an sich an der FPÖ, hier was zu tun.  Warum das nicht passiert, mag jeder für sich entscheiden.
 

1
1

Auch wenn die Gerichte auf Seiten der Arbeitgeber (bzw. Arbeitskraft-Nehmer) stehen, sind die ausgebeuteten Arbeiter keineswegs wehrlos. Sie können ihre Arbeitsleistung mengenmäßig reduzieren (in der DDR sagte man hinter vorgehaltener hand: "Arbeite langsam, Genosse, und warte den Untergang des Systems ab." - Es gibt auch die Möglichkeit, die Qualität der Arbeit zu sabotieren. Ganz besonders einfach ist das in der Lebensmittelindustrie. Schon mit einfachen Mitteln können Lebensmittel für den Verzehr ungeeignet gemacht werden, oder es kann Ekel erzeugt werden. Der Phantasie sind da keine Grenzen gesetzt!

1
1

Natürlich ist das moderne Sklaverei und dient ausschließlich dem Lohndumping.
Vorstellungsgespräch "Was war ihr letzter Stundenlohn?" - 15€. "Und was stellen sie sich für diesen Job vor?" -Ja, also 12,50€-13€ müssten es schon sein, sonst rutsche ich unter das Existenzminimum. Am nächsten Tag flattert dann eine Sperre von Amt ins Haus. "Überzogene Lohnforderung - nicht Arbeitswillig". Alles schon erlebt.
Dazu kommen berufsuntypische Fremdeinsätze, Vermittlungsvorschläge die grundsätzlich nicht aus der eigenen Region stammen und diese fürchterlichen Zeitarbeitsfirmen und Personaldienste. Die Krönung schlecht hin sind 1€ Jobs und so betitelte Bildungsmaßnamen auf Vorschulniveau.

1
1

Erwerbslos ist das ja nicht. Sie erhalten doch, gemäss Artikel, weiter ihres "erwerbsloses Einkommen". Hier werden zwei verschiedene Sachen vermischt: Zwangsarbeit und Entgelt für die Arbeit. Es bestätigt sich wieder einmal, dass ich als Leser manipuliert werden soll.

1
1

Was heisst denn Zwangsarbeit ? Die Unternehmer lassen sich die Löhne von den noch in Lohn und Brot stehenden finanzieren. Auch die Aufstocker werden teilweise von ihren Kollegen durch zu geringe Gehälter indirekt über die Arbeitslosen-versicherung bezahlt. Sowas nennt man von Politikern geförderte Gewinn-maximierung.  Also, an alle die noch arbeiten: Macht mal ein paar Überstunden mehr, damit die Bilanzen der Betriebe besser ausfallen.
 

1
1

Nicht nur in GB. Man denke an die Firma BRD GmbH mit ihrem Hartz-IV-System. Auch in Österreich ist es schon Praxis, Menschen für Ämter arbeiten zu lassen die dafür kein Gehalt, sondern Arbeitslosengeld erhalten. Außerdem wird von einigen Politikern schon gefordert, das HartzIV-System in ganz Europa einzusetzen. Hier eine fundierte Darstellung, was Hartz-IV überhaupt Bedeutet. Nämlich morderne Sklaverei: 2 Stunden die sich lohnen:
http://www.youtube.com/watch?v=hc-banXWUs4&feature=player_embedded

5
1
Bild des Benutzers der faule Willi

... wenn Langzeit-Arbeitslose für öffentliche Dienste herangezogen werden.
Wenn dagegen gierige Konzerne und besonders deren Anleger und Aktionäre sich noch mehr bereichern, indem sie Angestellte in die Arbeitslosigkeit entlassen, also dem Steuerzahler auf die Tasche legen und dieselben Leute dann wieder in die Firma nehmen und auf Kosten der Allgemeinheit dieselbe Arbeit machen lassen.

3
1

dfW

Bild des Benutzers der faule Willi

Nein, es ist keine Zwangsarbeit.
Es ist noch schlimmer!
Konzerne lassen sich ihre "Sklaven" vom Staat bezahlen und haben so weder Lohnkosten noch Lohnnebenkosten.
Ideal!
Der Staat bezahlt den Gewinn der Konzerne, bzw. die Dividenden der Anleger!
Bravo!

5
2

dfW

Da wird zwar irreführenderweise das Wort "kostenlos" verwendet, aber insgesamt geht daraus hervor, dass die Firmen für die Leiharbeiter vom britischen "Arbeitsmarktservice" ja doch Mindestlöhne zahlen müssen. Sogar für die Stellung von Häftlingen wird etwas verlangt!

Außerdem wird ein Unternehmen allermeistens nicht Mitarbeiter entlassen, NUR um sie mit Leuten zu ersetzen, die maximal 6 Monate im Betrieb verbleiben. Für die Einweisung von Mitarbeitern fällt nämlich auch ein zeitlicher Aufwand an, der Arbeitskapazitäten bindet.

Wenn Sie es besser finden, dass Leute ein Jahrzehnt Notstandshilfe beziehen, ohne irgendetwas zu tun, dann sagen Sie es rundheraus! Oder haben Sie eine bessere Idee ...?

0
1

Seiten

Neuen Kommentar schreiben

Beim Verfassen von Kommentaren sind folgende Regeln zu beachten:
  1. Die Meinungsfreiheit bewegt sich im Rahmen der geltenden Gesetze. Wer zu Gewalt aufruft oder gegen Teile der Bevölkerung hetzt, kann die Meinungsfreiheit für sich nicht in Anspruch nehmen. Ebenso gilt dies bei Beleidigungen oder Anschuldigungen gegenüber konkreten Personen. Wer die Gesetze missachtet, muss damit rechnen, straf- oder zivilrechtlich verfolgt zu werden. Als Betreiber sind wir bei entsprechenden Ermittlungen zur Kooperation mit den Behörden verpflichtet.
  2. In der Diskussion mit anderen Kommentatoren erwarten wir einen respektvollen und höflichen Umgang, auch wenn verschiedene Meinungen aufeinander prallen.
  3. Beziehen Sie sich in ihren Kommentaren bitte auf das Thema des Artikels.
  4. Sollten Sie sich durch den Inhalt eines Kommentars in Ihren Rechten verletzt fühlen, kontaktieren Sie uns bitte unter kontakt@unzensuriert.at.
Unzensuriert.at behält sich vor, Kommentare wegen Verstößen gegen diese Regeln zu löschen und in besonders krassen Fällen oder bei Wiederholung einzelne Benutzer zu sperren.
Die Länge der Kommentare ist auf 1.000 Zeichen begrenzt.

Plain text

  • Keine HTML-Tags erlaubt.
  • Internet- und E-Mail-Adressen werden automatisch umgewandelt.
  • Zeilen und Absätze werden automatisch erzeugt.
CAPTCHA
Diese Frage hat den Zweck zu testen, ob Sie ein menschlicher Benutzer sind, um automatisiertem Spam vorzubeugen.
Füllen sie das Feld aus.