Häupls Dilemma mit Pickerl und Lobautunnel

6. September 2012 - 9:30
Bild: 
Häupl gerät nach dem Parkpickerl-Desaster in die Defensive.
Foto: GuentherZ / WIkimedia (CC BY 3.0)

Bereiche 

Wien

Mut zeichnet die rot-grüne Stadtregierung in Wien nicht gerade aus. Weder Bürgermeister Michael Häupl (SPÖ) noch seine zuständige Verkehrsstadträtin Maria Vassilakou (Grüne) fanden es der Mühe wert, die Öffentlichkeit über das „Nein“ zur Parkpickerl-Volksbefragung zu informieren. Statt dessen bekam der ÖVP-Chef Manfred Juraczka einen Brief von der MA 62 (Rechtsangelegenheiten). Inhalt: Ein offizieller Bescheid, dass der Antrag auf Durchführung einer Volksbefragung zur Einführung weiterer Kurzparkzonen nicht Folge geleistet werden könne.

Die Wiener Freiheitlichen und die Volkspartei können sich somit 106.000 Unterschriften von Bürgern, die für eine Volksabstimmung zu diesem Thema votierten, in die Haare schmieren. Die Ausweitung der Parkraumbewirtschaftung auf fünf Bezirke jenseits des Gürtels kann damit nicht gestoppt werden. Der Magistrat ist der Meinung, dass sich die Fragestellung auf Gebühren bzw. behördliche Angelegenheiten beziehe. Und das dürfe laut Stadtverfassung nicht abgefragt werden. Juraczka kündigte bereits an, den Bescheid anzufechten. Danach muss der Berufungssenat der Stadt Wien darüber entscheiden. Allerdings ist dieser Senat an keine Fristen gebunden.

Häupls Zick-Zack-Kurs gegenüber den Bürgern

Die Enttäuschung der Bürger über diese Entscheidung dürfte groß sein. Denn Bürgermeister Häupl selbst hatte bei zahlreichen Auftritten immer davon gesprochen, dass er in dieser Sache nicht auf Paragraphen herumreiten wolle. Jetzt tun Häupl und Vassilakou aber genau das. Mit schlechtem Gewissen offenbar, denn parallel dazu bastelt eine Kommission an der „Zukunft des Parkpickerls“. Über das Ergebnis sollen, so die Ankündigung des Bürgermeisters, die Bürger im März des nächsten Jahres abstimmen können. Die für die rot-grüne Stadtregierung unangenehme Parkpickerl-Diskussion soll so wohl in Vergessenheit geraten. Bei dieser Gelegenheit will Häupl die Wienerinnen und Wiener um Entscheidungen bitten, die er einerseits aus Angst vor den Wählen und andererseits aus Gründen der Koalitionsharmonie mit den Grünen nicht treffen möchte. Das Volk soll nämlich über Kennzeichen für Fahrräder und den Bau des Lobautunnels befragt werden. Das heikle Tunnel-Thema wurde in der Koalitionsvereinbarung mit den Grünen seinerzeit ausgeklammert.

Wiens Bürgermeister setzt also bei Themen, die heikel sind und über die er selbst nicht entscheiden möchte, auf jene Bürger, die er mit dem Nein zur Parkpickerl-Befragung nicht ernst nimmt. Wetten, dass die Wähler diesen Zick-Zack-Kurs von Häupl durchschauen?
 

Kurztitel: 
Volk soll Häupl aus Dilemma retten
Spende für Unzensuriert
 

Kommentare

Diese 106.000 Bürger sollen ins Rathaus gehen und ihr Recht einvordern
am besten gleich mit Gewalt den nur das scheinen diese Herrschaften
zu verstehen;sont wird sich da nie was ändern.

0
0

keine Geldbeschaffung sein soll - so hätte z.B. ein Pickerl für ganz Wien auch genügt. Die wissen ganz genau das sich der jetzige Wiener sehr leicht verarschen lässt - und noch "DANKE" sagt. Der/die Autofahrer sind nun mal die Deppen der Nation und werden es auch bleiben. Wie für die Inder die Kuh heilig ist - ist in Österreich das Auto die heilige Kuh der Nation, obwohl das Fahren längst kein vergnügen mehr macht und das Auto nur ein Gebrauchsgegenstand ist und sonst nichts.

4
0
Bild des Benutzers der faule Willi

... sollte den roten Häuptl samt grünem Koprozessor (Vassilaku) davonjagen!

3
0

dfW

was nutzt es wenn die wähler dies durchschauen - wenn es keine alternative gibt ? den teufel mit dem beelzebub austreiben bringt's auch nicht. wir "durchschauenden bürger" müssten schon selbst aktiv werden.

0
0

Neuen Kommentar schreiben

Beim Verfassen von Kommentaren sind folgende Regeln zu beachten:
  1. Die Meinungsfreiheit bewegt sich im Rahmen der geltenden Gesetze. Wer zu Gewalt aufruft oder gegen Teile der Bevölkerung hetzt, kann die Meinungsfreiheit für sich nicht in Anspruch nehmen. Ebenso gilt dies bei Beleidigungen oder Anschuldigungen gegenüber konkreten Personen. Wer die Gesetze missachtet, muss damit rechnen, straf- oder zivilrechtlich verfolgt zu werden. Als Betreiber sind wir bei entsprechenden Ermittlungen zur Kooperation mit den Behörden verpflichtet.
  2. In der Diskussion mit anderen Kommentatoren erwarten wir einen respektvollen und höflichen Umgang, auch wenn verschiedene Meinungen aufeinander prallen.
  3. Beziehen Sie sich in ihren Kommentaren bitte auf das Thema des Artikels.
  4. Sollten Sie sich durch den Inhalt eines Kommentars in Ihren Rechten verletzt fühlen, kontaktieren Sie uns bitte unter kontakt@unzensuriert.at.
Unzensuriert.at behält sich vor, Kommentare wegen Verstößen gegen diese Regeln zu löschen und in besonders krassen Fällen oder bei Wiederholung einzelne Benutzer zu sperren.
Die Länge der Kommentare ist auf 1.000 Zeichen begrenzt.

Plain text

  • Keine HTML-Tags erlaubt.
  • Internet- und E-Mail-Adressen werden automatisch umgewandelt.
  • Zeilen und Absätze werden automatisch erzeugt.
CAPTCHA
Diese Frage hat den Zweck zu testen, ob Sie ein menschlicher Benutzer sind, um automatisiertem Spam vorzubeugen.
Füllen sie das Feld aus.