Ratingagenturen und ihre Rolle in der Weltwirtschaft sind in aller Munde. Die einen halten deren Bewertungen für objektiv, die anderen unterstellen den Analysten beinahe Verbrechertum. Nationalbankpräsident Claus Raidl fordert gar, die Polizei einzusetzen, um deren übermäßigen Einfluss zu brechen.
Immer noch AAA für fast zahlungsunfähige USA
Standard & Poor's, Moody's und Fitch. Diese drei Namen grassieren nach spektakulären und folgenschweren Abwertungen der Bonität europäischer Staaten in aller Munde. Diese drei amerikanischen Ratingagenturen vereinen auf sich einen Marktanteil von 95 Prozent. Ihr Urteil hat an den Finanzmärkten Gewicht. So großes, dass deren Bewertungen den ganzen Euroraum – ein Wirtschaftsgebiet von 320 Millionen Einwohnern – erschüttern konnten. Doch handelt es sich wirklich um den verlängerten Arm US-amerikanischer Interessen und der Wall Street? Der Verdacht liegt nahe, schließlich kommen die beinahe zahlungsunfähigen Vereinigten Staaten nach wie vor in den Genuss der höchsten Bonitätsstufe. Europas Politiker haben diese Troika jenseits des Atlantik zu ihrem erklärten Feindbild stilisiert. Doch die Wahrheit liegt, wie so oft, wohl auch in diesem Fall in der Mitte.