Buchtipp: Ein guter Ort zum Sterben

„Ein guter Ort zum Sterben“ ist das zweite in Buch des jungen russischen Literaten Arkadi Babtschenko über den Krieg in Tschetschenien. Bereits sein Erstlingswerk „Die Farbe des Krieges“ brachte dem 1977 in Moskau geborenen Schriftsteller internationale Anerkennung ein. Sein unverwechselbarer Stil und seine schonungslose Offenheit über die Zustände in der heutigen russischen Armee und deren Kriegseinsätze erschüttern auch den hartgesottenen Leser militärischer Literatur.

Ein guter Ort zum Sterben - Arkadi BabtschenkoIn seinem neuen Buch nimmt uns der Autor mit auf einen 124-Seiten-Horrortrip durch die Kriegshölle von Tschetschenien. Diesmal beschreibt Babtschenko die Erlebnisse des jungen Soldaten Artjom, der einerseits ohne die Droge Krieg nicht mehr leben kann und andererseits sich nichts sehnlicher wünscht, als endlich diesem Horror zu entkommen und ein Leben ohne Heckenschützen und Sprengfallen in seiner geliebten russischen Heimat zu genießen.

Sehr eindringlich schreibt Babtschenko vom alles verschmutzenden Lehm Tschetscheniens, welcher allgegenwärtig zu seien scheint. Ebenso wird die ineffiziente russische Militärführung entlarvt, welche nicht in der Lage ist, den kämpfenden Soldaten mit genügend Essen und Ausrüstungsgegenständen zu versorgen.

Als Rahmenkulisse dient ein kleines Dorf in der Nähe der tschetschenischen Hauptstadt Grosny. In der Nähe dieses Dorfes werden die Protagonisten des Buches "abgeladen" und müssen sich auf ein Gefecht mit den Rebellen einrichten. Der Autor beschreibt in einer beklemmenden Art die ständige Angst vor Tod und Verwundung wie auch die Nässe und Kälte der tschetschenischen Erde und als schlimmsten Feind den tschetschenischen Schlamm, der die Uniform und die Waffen unbrauchbar macht.

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Nur unzureichend mit Nahrungsmitteln ausgerüstet warten, die jungen Soldaten – die meisten von ihnen Wehrpflichtige im Alter von kaum 20 Jahren – auf den Beginn des Angriffes. In dieser Situation, wo ein Feuer zum Wärmen der steif gefrorenen Glieder oder auch nur eine Zigarette den Tod durch feindliche Scharfschützen bedeuten kann, wird die Verrohung der Soldaten offensichtlich. Der nur noch auf die absolut wichtigsten lebenserhaltenden Maßnahmen programmierte Körper der Soldaten reagiert wie die Seele der jungen Männer – und verroht. Eben dieser Verlust jeglichen menschlichen Mitgefühls bringt die jungen Soldaten ihrem Ziel – wissentlich oder nicht – näher. Kein Erbarmen, kein Mitgefühl, keine zivilisierte Regung – sondern nur überleben und zwar um jeden Preis.

Das Werk des Arkadi Babtschenko soll jedoch keine Anklage gegen den russischen Soldaten sein, sondern eine Anklage gegen unfähige Politiker wie den im Buch erwähnten Boris Jelzin und gegen die berühmte Unfähigkeit der russischen Verwaltung.

Der Stil des wortgewandten Babtschenko erinnert ein wenig an den amerikanischen Schriftsteller Tim O´Brien, der selbst als Soldat in Vietnam seinen Dienst versah und mit dem Buch "Was sie trugen" eine breite Öffentlichkeit für die Leiden der amerikanischen Soldaten im vietnamesischen Dschungel sensibilisierte.

Der Autor wurde 1977 in Moskau geboren, mit 18 Jahren zum Wehrdienst eingezogen und Mitte der Neunziger Jahre nach Tschetschenien abkommandiert. Nach Beendigung seiner Armeezeit studierte er in Moskau Rechtswissenschaften und arbeitete für Zeitungen. Er ist Träger verschiedener Preise und Auszeichnungen und lebt derzeit als freier Journalist und Autor in Moskau.

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