WM-Tagebuch 1: Public oder Private Viewing?

Die WM ist für viele ein wesentlicher Faktor der Freizeitplanung für die nächsten 31 Tage – und bei denen, die sich’s ein wenig richten können, wohl auch der Arbeitszeitplanung. Ist die wichtige Matchzeit freigeschaufelt, stellt sich unweigerlich die Frage: Wo schauen?

In Wien wird es nicht allzu viele Public-Viewing-Zonen geben, die meisten am Donaukanal. Bleibt als Alternative das Stammwirtshaus oder überhaupt das eigene Heim. Heute hat ohnehin schon jeder einen riesigen Flatcsreen, und wer keinen hat, ist ein Krisenverlierer oder einfach nur ein Blödmann. Der Trend geht ohnehin zum Private Viewing – schön biedermeierlich. Ist auch besser so, denkt man etwa an die mannigfaltigen Verhetzungs-Fallen, die bei so einem Match lauern. Die gegnerische Mannschaft ist bald einmal mit einem Kompliment bedacht, das geeignet ist, eine nach dem Kriterium der Staatsangehörigkeit definierte Gruppe verächtlich zu machen. Wer will schon zwei Jahre in den Knast, nur weil er im Wirtshaus einmal laut „Sch… Piefke“ gerufen hat? Denn das ist wohlgemerkt schon vor der geplanten Verschärfung des Anti-Terrorgesetzes strafbar.

Wer sich trotz der Metternich’schen Gefahren in die Öffentlichkeit vorwagt, kann sich hier informieren, wo überall ein Fernseher steht. 91 Lokale werben auf dieser Plattform mit Übertragungen der Fußball-WM. Ihnen stehen nur neun gegenüber, die sich als WM-freie Zone anpreisen. Beim schnellen Drüberschauen ist uns ein Lokal aufgefallen, das in beiden Kategorien steht. Das funktioniert in der Praxis vermutlich ähnlich wie das Nichtraucherschutzgesetz, das für die Gastronomie am 1. Juli – also mitten in der WM – scharf geschaltet wird. Für die spezielle Herausforderung, Fußball-Freunde und Fußball-Gegner im Lokal zu vereinen, müssen die Trennwände nicht nur geruchsdicht sein, sondern auch schalldicht und – im Falle allzu auffälliger Fan-Kostümierung – blickdicht.

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