Linksaußen-Grüne stürzen Bezirksvorsteher in der Josefstadt

In einer Kampfabstimmung bei den Grünen in Wien-Josefstadt wurde Bezirksvorsteher Heribert Rahdjian, der die Grünen im Innenstadtbezirk zur stärksten Kraft gemacht hatte, nicht mehr auf die Liste gesetzt. Rahdijan hatte bereits im Vorfeld angekündigt nicht mehr zur Verfügung zu stehen, sollte seine bisherige Stellvertreterin Doris Müller wieder an zweiter Stelle gereiht werden. Für Außenstehende überraschend würde jetzt Alexander Spritzendorfer zum Spitzenkandidaten gekürt.

Hintergrund der Streitigkeiten dürften schwerwiegende ideologische Differenzen zwischen Rahdjian und Müller sein. Rahdjian, ehemaliger Hotelier, war erst kurz vor der Wahl 2005 zu den Grünen gekommen; einstmals gehörte er zu den „Bunten Vögeln“ von Erhard Buseks ÖVP. Er stand für das bürgerliche Gesicht der Grünen und konnte so viele der eher konservativen Josefstädter ansprechen. Doris Müller hingegen war Bundessprecherin der Grün-Alternativen Studenten GRAS, die für radikalen Feminismus und Linksaußen-Positionen stehen.

„Mit Rahdjian konnte man reden, er genoss auch bei den Josefstädtern Ansehen; in seiner eigenen Partei hatten allerdings radikale Elemente mit Müller an der Spitze das Sagen“ berichtet ein Kenner der Bezirkspolitik im Achten gegenüber Unzensuriert.at. Das Erlebnis eines anderen Josefstädters rundet das Bild ab: „Als ich mir einen Josefstadt-Aufkleber im Bezirksamt holen wollte, war ich schockiert, als ich mehrere Personen mit T-Shirts mit eindeutig marxistischen Symbolen dort antraf. Ich hatte gehofft, dass derartige Zeichen einer grausamen Vergangenheit keinen Platz mehr im modernen, demokratischen Wien hätten.“

Streit "nicht gerade förderlich" – Bezirksvorsteher-Sessel wackelt

Da der neue Spitzenkandidat Spritzendorfer in der Josefstadt ein Unbekannter ist und vorher für die Grünen Niederösterreichs tätig war, drängt sich der Verdacht auf, dass Müller und ihre Clique die eigentlichen Drahtzieher hinter Rahdjians Sturz sind. Spritzendorfer selbst möchte wie Rahdjian Bezirksvorsteher werden, Müller seine Stellvertreterin. Ob dies gelingen kann scheint äußerst fraglich. Selbst die grüne Landeschefin Vassilakou musste zugegeben, dass der interne Streit „nicht gerade förderlich ist“. Durch die mediale Berichterstattung wurden außerdem Müllers radikale Positionen einer breiteren Öffentlichkeit bekannt – Positionen die in der Josefstadt bei weitem nicht mehrheitsfähig sind.

Ähnlicher Linksputsch in Mariahilf

Die Vorgänge in der Josefstadt erinnern frappant an Mariahilf. Die dortige Spitzenkandidatin Susanne Jerusalem gilt als eine der bekanntesten Linksaußen der Wiener Grünen. So scheute sie in der Vergangenheit nicht den Kontakt zu extremistischen Splittergruppen wie der „Linkswende“. „Um die künftige Ex- Gemeinderätin Susanne Jerusalem gegen die Mehrheit der Bezirksgruppe durchzuboxen, wurden sämtliche Register formaldemokratischer Manipulation gezogen.“ ätzte Richard Weihs, Grüner Mandatar in Mariahilf.

Zerplatzt der Traum vom Kipferl an radikalen Spitzenkandidaten?

Ziel der Wiener Grünen für die Wiener Wahl ist es, die Bezirke 4 bis 9 für sich zu erobern und so ein „grünes Kipferl“ um die Innere Stadt zu bilden. Die jüngsten Personalentscheidungen werden diesen Plan sicherlich nicht einfacher machen, gelten die Vertreter eines radikaleren Linkskurses der Grünen doch nicht unbedingt als Wählermagneten. Auch wird es für die Grünen um vieles schwieriger, der ÖVP mit dieser Politik den dritten Platz im Gemeinderat streitig zu machen.
 

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