Thayatalbahn wird stillgelegt

In Niederösterreich fällt die nächste Nebenbahnstrecke dem Sparstift zum Opfer. Neben der Ybbstalbahn wird nun auch das letzte verbliebene Teilstück der Thayatalbahn zwischen Schwarzenau und Waidhofen a. d. Thaya nicht mehr von der ÖBB befahren. Stattdessen soll das Gebiet bis Ende des Jahres in das Waldviertler Buskonzept eingebunden werden.

Vorausgesetzt der Testbetrieb mit dem Bus verläuft positiv. Denn fertige Pläne gibt es trotz der angekündigten Stilllegung noch keine. Auch über die touristische Nachnutzung hat man sich bisher wenig Gedanken gemacht. Laut der Niederösterreichischen Verkehrsorganisations GmbH, in deren Zuständigkeit die Thayatalbahn mit Jahresende fällt, sollen „Radwege und Draisinenstrecken“ entstehen.

Der Verein „Neue Thayatalbahn“ zeigt sich über die Vorgehensweise empört. „Kein Versprechen scheint zu schade, kein einstimmiger Landtagsbeschluss zu verbindlich, kein transnationales? Abkommen zur Wiederherstellung der Thayatalbahn zu wichtig, als es still und heimlich brechen zu wollen“, heißt es in einer Mitteilung an Mitglieder und Interessenten. Schließlich kämpft der Verein seit über 20 Jahren für die Reaktivierung der Bahn. Nicht als Museumsbahn oder Nebenbahn, wie Obmann Egon Schmidt betont, sondern als „Vorzeigemodell für den öffentlichen Schienenverkehr als grenzüberschreitendes, nach Südböhmen hin öffnendes und richtungsweisendes Projekt in Zeiten der steigenden Energiekosten und des Klimawandels“.

Und die Vorzeichen für eine positive Lösung waren bis zuletzt vorhanden. Landeshauptmann Erwin Pröll (ÖVP) brachte 2006 den Besuchern im Stadtsaal von Waidhofen ein besonders Geschenk mit, als er verkündete, dass die Thayatalbahn reaktiviert werde. Und der zuständige Verkehrsplaner Friedrich Zibuschka sagte 2008 bei einer Regionalkonferenz zur Verkehrsinfrastruktur im Waldviertel, dass dieses Vorhaben sicher nicht am Land Niederösterreich scheitern werde.

Doch letztendlich kam alles anders. Im Sitzungssaal des Gemeindeamts ?von Dobersberg wurde den Vertretern der Tschechischen Republik ein Buskonzept vor die Nase gesetzt. Roman Fabes, Bürgermeister von Telc, zeigte sich bestürzt über die Entscheidung der niederösterreichischen Verkehrsplaner: „Was bedeuten Wörter wie Zusammenarbeit und Nachbarschaft eigentlich, wenn wir vor vollendete Tatsachen ?gestellt werden?“

Argumentiert wurde die Stilllegung wie so oft durch mangelnde Rentabilität. Die Kostenschätzung der ÖBB betrug 24 Millionen Euro für kurz-, mittel- und langfristige Investitionen. Eine Summe, die allerdings aus dem Jahr 2004 stammt. Damit die Bahnstrecke befahrbar wird – meinen Experten – würde auch ein Betrag von 7 Millionen Euro reichen. 3,5 Millionen Euro hätte die EU zugesagt, abgerufen wurde sie jedoch nie.

Der niederösterreichsiche FP-Politiker Erich Königsberger, Verkehrssprecher im Landtag, übt gleich wie die freiheitliche Bereichssprecherin für Petitionen und Bürgerinitiativen, Dr. Susanne Winter, Kritik an der Einstellung. Die regionale Identität werde mit der Stilllegung aufgegeben. Landeshauptmann Pröll lasse überdies konkrete Aussagen vermissen, welche Nebenbahnen erhalten oder aufgegeben werden sollen.

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