Der stolze Deutsche fehlt, die Söldner singen nicht

Michael Ballack"Ich bin ein stolzer Deutscher", sprach Michael Ballack (rechts) nach seinem Rauswurf beim FC Chelsea. Mehr als nötig gewesen wäre, um seine Rückkehr in die deutsche Bundesliga anzukündigen. Ein Satz wie dieser geht in Deutschland ohnehin nur zu WM-Zeiten eingermaßen diskussionslos durch. Schnell ist sonst von Nationalismus, Chauvinismus oder Provokation die Rede.

Mesut Özil spricht in Gedanken Koran-Verse, während die Hymne gesungen wirdDoch Deutschland muss bei dieser WM auf seinen stolzen Kapitän verzichten. Ballack ist verletzt und daher nicht im Kader. Deutschland läuft heute unter der Führung von Philipp Lahm zum ersten Gruppenspiel gegen Australien aufs Feld. Mindestens vier aus der vermeintlichen Startelf werden zu den Klängen der Hymne schweigen. Ihr Migrationshintergund erlaubt es Lukas Podolski, Piotr Trochowski, Mesut Özil und Sami Khedira offenbar nicht, sich in Worten zu ihrem Staatsbürgerschafts-Geber zu bekennen. Özil (Bild links) gibt sich in Gedanken sogar dem Memorieren von Koranversen hin, während die Fans und eine Handvoll seiner Mannschaftskollegen von Einigkeit und Recht und Freiheit singen.

Ein Problem, das den Gegnern aus Australien – den "Socceroos" (im Bild Jason Culina) – jedenfalls fremd ist. Obwohl klassisches Einwanderungsland und Mannschaft mit hohem Migrantenanteil, ist es Down Under selbstverständlich, sich zur (neuen) Heimat zu bekennen. Jason Culina - Australien - SocceroosDies mag auch daran liegen, dass sich Australien seine Zuwanderer genau aussucht, während sich hierzulande die Einwanderer Deutschland – oder Österreich – aussuchen.

Die Australier – geboren oder zugewandert – haben ihren Patriotismus so sehr verinnerlicht, dass sie ihn auf dem Spielfeld bisweilen ein wenig übertreiben. Im Prestigeduell gegen die Nachbarinsel Neuseeland sorgten Tim Cahill und Vince Graela zuletzt für derartige Härteeinlagen, dass ihr Trainer sie zur Pause auswechselte, um sie vor sich selbst und potentiellen Racheakten des Gegners zu schützen. Die brutale Spielweise der Australier mag aber auch daran liegen, dass Fußball in Australien gerne als Mädchensport belächelt wird und die harten Jungs eher Rugby oder Australien Football spielen.

Fotos: soccer.ru (2) / Kevin Airs

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