WM-Tagebuch 4: Reichsparteitag beim ZDF

Die Deutschen haben ihren Triumph über Australien mit einem kleinen Skandal gewürzt. ZDF-Moderatorin Katrin Müller Hohenstein mutmaßte, der Treffer zum 2:0 sei für Miroslav Klose "ein innerer Reichsparteitag" gewesen. 

Olli Kahn verzieht zwar keine Miene, doch dem erfahrenen Medienkonsumenten ist sofort klar: Eine derartige Entgleisung bleibt nicht folgenlos. Da stellt sich ja die Frage: Ist das überhaupt noch eine Redewendung – oder ist das schon reine Nazi-Propaganda?

Nun, allzu einzigartig dürfte die Formulierung nicht sein, bietet doch die Webseite Redensarten-Index eine umfassende Erklärung samt zahlreichen Belegen der Verwendung. Als Erläuterungen werden angeboten: 1. Gefühl tiefster Befriedigung / Genugtuung; 2. private Zelebration rechtsradikalen Gedankengutes.

Als erste in die Tasten hauten – neben Scharen von Twitterern und Facebookern – die Online-Journalisten der "Welt", sonst manchmal eine Qualitätszeitung. Um die Betroffenheit noch etwas zu heben, erklärt man dem staunenden Leser noch, was Reichsparteitage waren, und zieht den Vergleich, der kommen musste, nämlich jenen mit Eva Herman. Soll heißen: Werft sie raus, die Nazi-Göre!

Zum Glück bleiben heutzutage auch Betroffenheits-Journalisten bei ihrer Arbeit nicht unbeobachtet: Medienjournalist Stefan Niggemeier zerpflückt den Welt-Artikel in seinem Blog gekonnt und weist mit drei Zitaten gleich nach, dass der "innere Reichsparteitag" auch in der Welt öfters zu Ehren kommt.

Die spannende Frage ist nun: Überlebt Frau Müller-Hohenstein das? Oder moderiert sie bald Seite an Seite mit Eva Herman die Nachrichten für den Kopp-Verlag? Hoffentlich nicht, denn das wäre den Linken womöglich ein Gefühl tiefster Befriedigung / Genugtuung, anders ausgedrückt… na, Sie wissen schon!

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