WM-Tagebuch 5: Ganz Afrika jubelt?

"Ganz Afrika wird genießen, was wir geschafft haben." Dieser reichlich pathetische Satz sei Ghanas Elfertorschützen Asamoah Gyan (Bild) nach dem 1:0 über Serbien vergönnt, auch wenn es nur der Sieg im ersten Gruppenspiel war und nicht etwa, wie nach derart hochtrabenden Worten zu erwarten wäre, das Finale.

Asamoah Gyan - GhanaZum wirklichen Unfug wird s dann, wenn die Medien das auch noch eins zu eins übernehmen und selbst behaupten, Afrika sei durch den Sieg der Ghanaer in einen kollektiven Jubelzustand verfallen. "Ghana lässt Afrika jubeln" schreibt der Kicker; "Afrika tanzt" die Süddeutsche; "Ghana gewinnt und lässt ganz Afrika jubeln" die Welt.

Die Vorstellung, ganz Afrika würde gemeinsam über einen Sieg im Fußball jubeln, ist schon reichlich skurill: Gerade in Afrika, wo selbst innerhalb von Staatsgrenzen rivalisierende Volks- oder Religionsgruppen einander bekriegen – im Sudan, in Uganda, in Ruanda, im Kongo, in Nigeria, um nur einige der Schauplätze zu nennen – , gerade dort also soll der ganze Kontinent jubeln? Das wäre doch nicht einmal in Europa vorstellbar, wo wir in wirtschaftlicher Gemeinschaft und politischer Union seit Jahren und Jahrzehnten friedlich zusammenleben.

[adsense:468×60:9459532571]

Stellen Sie sich vor, Deutschland wird Weltmeister. Und ganz Europa jubelt. Vielleicht schreiben es wenigstens die afrikanischen Zeitungen, wenn es so kommen sollte.

Wenn Ihnen der Artikel gefallen hat, unterstützen Sie bitte das Projekt unzensuriert mit einer Spende. Per paypal (Kreditkarte) oder mit einer Überweisung auf AT58 1420 0200 1086 3865 (BIC: BAWAATWW), ltd. Unzensuriert

Copy link