Politik ehrt Demographen und ignoriert ihre Studien

Dem Bevölkerungs- und Sozialforscher Wolfgang Lutz wurde vergangenen Montag der Wittgenstein-Preis überreicht. Wissenschaftsministerin Beatrix Karl (ÖVP) sagte anlässlich der Übergabe des mit 1,5 Millionen Euro dotierten Preises im Audienzsaal ihres Ministeriums, dass Lutz mit seiner Forschung zu bahnbrechenden Erkenntnissen bei der Analyse von Bevölkerungsentwicklungen wesentlich beigetragen habe.

Lutz Forschungsgegenstand ist die interdisziplinäre Bevölkerungswissenschaft. Seine Erkenntnis: Bildung ist der Motor für Wohlstand. Im empirischen Vergleich von 120 Ländern stellte der Träger des höchstdotierten und prestigeträchtigsten Wissenschaftspreises fest, dass eine Wohlstandsgesellschaft nur durch Bildung haltbar ist. Eine weitere Prognose: Der Iran wird demokratisch. Nachdem das Land eines der besten Bildungssysteme Asiens hat, wird es in 20 Jahren eine moderne Demokratie sein, so der Sozialwissenschafter.

Für Österreich prophezeit er trotz Überalterung, dass der Österreicher mittelfristig nicht aussterben werde. Problematisch sei allerdings die geringe Zahl an Maturanten und die in der Bevölkerung geringe Wertschätzung für Spitzenforschung.

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Der 53-Jährige Direktor des Wiener Demographieinstituts will das Preisgeld wieder in die Forschung stecken und plant ein „Forschungszentrums für internationales Humankapital“, das von der Akademie der Wissenschaft, der Wirtschaftsuniversität und dem „International Institute for Applied Systems Analysis“ (IIASA) in Laxenburg getragen werden soll.

Der prominente deutsche Bevölkerungswissenschafter Herwig Birg vertrat vor kurzem im Unzensuriert-Interview ebenfalls der Meinung, dass die Bildung eine wesentlicher Faktor für den Erhalt des Sozialstaates sei. Allerdings gefährde die niedrige Bildungs- und Beschäftigungsquote der Zuwanderer die Wohlfahrt eines Landes. Problematisch ist für Birg das „Schweigekomplott der Politik“. Die zu erwartenden Entwicklungen in der Bevölkerung werden den Wählern vorenthalten.

Es ist also ein Paradoxon, dass gerade Politiker in westlichen Demokratien Preise an Demographen vergeben und im selben Atemzug deren Studien negieren. Wohl aus Scham, weil sie es verabsäumt haben, den selbst verursachten Problemen entgegenzusteuern. Und aus Angst vom Wähler bestraft zu werden.

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