WM-Tagebuch 6: Die Faszination des Kopfstoßes

Es war DIE Szene der vergangenen Fußball-WM, als Frankreichs Superstar Zinedine Zidane den Italiener Marco Matarazzi im Endspiel mit einem Kopfstoß niederstreckte. Der Internet-Wettanbieter Bet-at-Home hat das als Vorlage für einen Werbespot genommen, in dem ein Parksünder mit einem Polizisten, der ihm einen Strafzettel verpasst hat, genauso verfährt.

Angesichts dieser Brutalität trat in Österreich der Werberat auf den Plan und verurteilte den Spot wegen einer "unzulässigen Ästhetisierung von Gewalt" und der unterschwelligen Botschaft, dass Gewalt als Konfliktlöser verwendet werden könne. Der ORF nahm ihn daraufhin aus dem Programm.

Für den Wettanbieter hat sich der Erfolg damit erst richtig eingestellt, schildert Vorstand Jochen Dickinger im Interview mit dem Börse-Express, denn nun suchen die Kunden sogar gezielt auf Youtube nach dem inkriminierten Spot. Völlig zurecht führt er zum Gewaltvorwurf aus: "Jeder Tatort-Film oder auch Bud Spencer-Filme, ja selbst die Cartoons von Tom&Jerry müssten dann verboten werden." Und auch die Kritik am Werberat sitzt punktgenau: "Wäre es eine Behörde, könnte man gegen diesen Bescheid rechtlich vorgehen. Beim Werberat handelt es sich um so etwas wie einen Verein, dessen Entscheidungsträger keiner kennt und dessen Arbeit und Entscheidungen keiner überwachen kann." Was Dickinger zu dem messerscharfen Schluss führt, "dass es diese künstliche Aufregung nur bei uns Österreich gibt. In keinem anderen Land gab es auch nur ansatzweise eine Diskussion."

Kopfstoß hilft auch gegen Nazis

In Hamburg hat die Antifa Zidane als Werbeträger auserkoren und lässt ihn per Kopfstoß einen lokalen NPD-Funktionär niederstrecken. "Nazis stoppen. Mit Köpfchen." ist die Botschaft. Der Blog "Journalist und Optimist" bemerkt dazu, dass Zidanes Aktion vor vier Jahren eben nicht von besonderem "Köpfchen" gezeugt habe. Ganz wie die Aktionen der Antifa, möchte man meinen, bei denen regelmäßig ausufernde Gewalt den intellektuellen Anspruch ersetzt. Dennoch: Der Werberat – wenn die Deutschen einen solchen hätten – wäre gegen dieses Sujet wohl kaum eingeschritten. 

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