„Cato“ ist tot – Hans Dichand verstarb 89jährig

Mit Hans Dichand verstarb heute der wohl einflussreichste österreichische Journalist. Er führte die „Neue Kronen Zeitung“ seit 1959 und machte sie zur auflagenstärksten Zeitung des Landes mit auch international einzigartiger Reichweite.

Dichands Liebe zum Journalismus war schon in jungen Jahren ausgeprägt. Bereits mit 14 bewarb sich der 1921 geborene Steirer erstmals bei der Kronen Zeitung, wollte jedoch auf Anraten des damaligen Chefredakteurs zunächst eine Lehre als Schriftsetzer machen.

Der Zweite Weltkrieg durchkreuzte diesen Plan. Dichand meldete sich freiwillig zur Marine und stand bis 1945 in ihrem Dienst. Nach Krieg und kurzer Gefangenschaft nach Graz zurückgekehrt, übernahm er bereits 1946 den Posten des Chefredakteurs und Verlagsleiters der Murtaler Zeitung. Weitere Stationen waren das Steirerblatt, die Kleine Zeitung und der Kurier.

Hans Dichand fuhr mit der „Krone“ eine Linie der völligen inhaltlichen Eigenständigkeit, engagierte sich redaktionell zwar immer wieder stark als mächtiger Wahlkampfhelfer für einzelne Kandidaten oder Parteien, begab sich aber nie in Abhängigkeit der Politik. So schlug sich die „Krone“ 1986 auf die Seite Kurt Waldheims, als dieser einer von der SPÖ losgetretenen internationalen Kampagne wegen seiner Rolle im Zweiten Weltkrieg ausgesetzt war, und trug maßgeblich zu dessen Wahl zum Bundespräsidenten bei.

Die Linie der Freiheitlichen unterstützte die „Krone“ immer wieder wegen der EU-kritischen Positionen, die Dichand teilte, womit er sich wohltuend vom Großteil der strikt auf EU-Linie befindlichen Journalisten der Konkurrenz abhob. Zu seinen Freunden zählte auch Bundeskanzler Werner Faymann, der in einem Brief an den Krone-Herausgeber eine Änderung der europapolitischen Linie der SPÖ ankündigte und Volksabstimmungen über künftige EU-Vertragsänderungen ankündigte.

Zuletzt stand Dichand mit der Unterstützung der Präsidentschaftskandidatur von Barbara Rosenkranz im Mittelpunkt des öffentlichen Interesses. Offenbar wegen massiver Drohungen mit Entzug von Werbegeld konnte er seine Linie nicht wie geplant durchhalten. Die „Krone“ blieb in der Berichterstattung über Rosenkranz jedoch neutral, während sie die politischen Sünden der Vergangenheit des schließlich wiedergewählten Präsidenten Heinz Fischer schonungslos aufdeckte.

Dichands größter Gegenspieler war sein ehemaliger Kompagnon Kurt Falk, mit dem er 1959 die „Neue Kronen Zeitung“ gründete. 1974 kam es zum Bruch zwischen den beiden, weil Falk Dichand als Chefredakteur ablösen wollte. Obwohl nach wie vor 50-Prozent-Eigentümer, brachte Falk 1985 die Wochenzeitung „Die ganze Woche“ auf den Markt und 1992 die bunte Tageszeitung „Täglich alles“, die jedoch nach acht Jahren wieder eingestellt wurde.

Falks Anteil an der Krone übernahm in der Zwischenzeit 1987 die deutsche WAZ-Gruppe. Auch mit dem neuen Miteigentümer war Dichands Verhältnis bald getrübt. Streit gab es vor allem, weil Dichand seinen Sohn Christoph zum Nachfolger als Chefredakteur machte, was die WAZ erfolglos bekämpfte. Im letzten Jahr tauchten Gerüchte auf, Dichand wolle den 50-Prozent-Anteil wieder zurückkaufen und somit zum Alleineigentümer der „Krone“ werden. Zuletzt hieß es jedoch Ende Mai, die Zeit sei noch nicht reif für ein Angebot.

Hans Dichand verstand es wie kein Zweiter, in die Seele des Volkes zu blicken und die Anliegen der Menschen in seiner Zeitung zu transportieren. Bis zuletzt verfasste er pointierte Kommentare unter seinem Pseudonym „Cato“.
 

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