Das weltumspannende Netz der Wettmafia

Das Wetten auf Resultate von Fußball oder anderen Sportarten ist vermutlich so alt wie der Fußball selbst. Wettmanipulation, Schiedsrichterbestechung, Wettmafia: Solche und ähnliche Begriffe flatterten letztes Jahr durch die Gazetten, nachdem publik geworden war, dass in Europa auch manche Spiele der Champions League und der Europa-League manipuliert wurden. Die Empörung war groß, weil damit ein ungeschriebener, heiliger Kodex beschädigt wurde. Nämlich jener, dass das Match bei 0:0 beginnt und der Ausgang völlig ungewiss ist.

Aber greift hier die Empörung nicht zu kurz? Ist Spielmanipulation nicht viel weiter verbreitet, als wir uns eingestehen wollen? In Österreich ist es in den unteren Spielklassen keine Seltenheit, anderen Mannschaften für eine „zufällige“ Niederlage eine Kiste heimischen Biers als Dankeschön zu schicken. Dem Beginn der Manipulation von Ergebnissen ist somit Tür und Tor geöffnet. Was hier in einer bescheidenen Dimension geschieht, organisiert die europäische Wettmafia in großem Stil.

Speziell finanzschwache ost- und südeuropäische Mannschaften sind bekannt dafür, über sehr gute Kontakte zur Wettmafia zu verfügen. Bei niedrigen Gehältern und einem aussichtslosen Spiel gegen ein europäisches Topteam ist es natürlich verlockend, dieses Spiel auch sicher in einer bestimmten Höhe zu verlieren. Man kann es den Spielern vielleicht aus ethischen Gründen verdenken, kaum jedoch aus ökonomischen. So verwundert es nicht, dass oftmals die Wettmafia von den Mannschaften kontaktiert wird und das Bild eines mysteriösen Mannes mit Geldkoffer am Trainingsplatz auch eher ins Reich der Fantasie einzuordnen ist. Generell werden die meisten Teilbereiche der Manipulation online bzw. über Telefon abgewickelt.

Die Versuche von Interpol, dem Treiben der Wettmafia in Europa Herr zu werden, waren von vornherein zum Scheitern verurteilt, da die großen Summen über Buchmacher in Asien und somit außerhalb des Einflussbereiches von Interpol abgewickelt werden. Was letzten Herbst aufgedeckt wurde, war so etwas wie eine breit angelegte PR-Aktion der Polizei – ohne Substanz und ohne Aussicht auf (dauerhaften) Erfolg. Betroffen waren hier hauptsächlich Deutschland und die Schweiz, aber auch in Österreich soll manipuliert worden sein. In Deutschland beispielsweise wurden 32 Spiele der 2. Bundesliga und darunter „geschoben“. International standen unter anderem drei Champions-League- sowie 12 Europa-League-Spiele im Blickpunkt der Ermittler. Insgesamt wurden bei knapp 200 Spielen Unregelmäßigkeiten festgestellt. 

Was geschieht im Wettbüro wenn ein Spiel manipuliert wurde?

Hier spielt die Entwicklung der Wettquoten die bedeutendste Rolle. Kurzfristige Quotenänderungen, meist seitens der asiatischen Buchmacher, sind keine Seltenheit mehr. Wenn sich eine Quote kurz vor Anpfiff massiv verändert, dreht sich das Wettverhältnis, und eine solche Abweichung entspricht definitiv nicht der Regel. Vorwiegend aus dem asiatischen Raum werden Wetten auf relativ unbedeutende Matches abgeschlossen.

Es wird gemunkelt, dass man schon mit etwa 50.000 € ein Spiel in der zweiten Liga in Ungarn manipulieren könne, Zunehmend schwieriger wird es mit der steigenden Prominenz des Spiels. Ein Champions-League-Match sei schwerer zu manipulieren. Geschätzte „500 Millionen € und mehr" würden benötigt, um die Quote kurzfristig um 0,4 Punkte zu verändern.

Verdachtsfälle aus Österreich

Der zweithöchste Bundesliga-Sieg von Rapid, das 7:0 bei Red Bull Salzburg im Jahr 2008 warf nach Analyse der Wetteinsätze einige Fragen auf. Aber auch Vereine wie beispielsweise die Austria Wien Amateure standen im Visier von Wettbetrügern. Deren sportliche Situation in der Saison 2009/2010 machte einen Betrugsversuch attraktiv, denn es war von Anfang an klar, dass ab der Saison 2010/ 2011 keine Amateurmannschaften von Profiklubs in der 2. österreichischen Liga spielberechtigt sein würden, das heißt Zwangsabstieg. Und so kann es dann schon vorkommen, dass Spielern, Trainern oder auch dem Vorstand ein unmoralisches Angebot unterbreitet wird.

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