Der steinige Weg zur Wissensgesellschaft

Der Hochschuldialog ist mit 92 Allerwelts-Forderungen zu Ende gegangen. Alte Hüte wurden im Rahmen der Abschlussdiskussion von Wissenschaftsministerin Beatrix Karl als neu verkauft. Eines der No-Na-Ziele: Die "soziale Durchmischung" unter den Studierenden soll verbessert werden.

Kommentar von Unzensurix

Man liest oft von der beklagenswerten Übermacht der Akademikerkinder in den höheren Schulen und Universitäten. Nehmen also die „Privilegierten“ den Armen die Bildungs-Plätze weg?  Dazu muss man überlegen: Haben wir zu viele oder zu wenige höher Gebildete? Alle Statistiken vergleichbarer Industriestaaten zeigen uns einen großen Nachholbedarf an Akademikern und höher Gebildeten. Nicht zu viele (Akademikersöhnchen und andere) studieren, sondern weit zu wenige. Niemand nimmt einem armen Begabten den heiß ersehnten Studienplatz weg. Wer die Begabung – und den Willen – hat, kann studieren. Dazu gibt es unter anderem die von der Allgemeinheit (also auch den „bildungsfernen Schichten“ mit-)finanzierten Stipendien.

Das Problem ist nicht, dass begabten „Unterschichten“ der Zugang zur höheren Bildung verwehrt wird, sondern dass zu wenige diesen Zugang suchen. Rühmliche Ausnahmen sind die Eltern der ehemaligen Kanzler Vranitzky und Gusenbauer, die ihren Sprösslingen trotz sehr beschränktem Einkommen ein hohes Bildungsideal vermittelt haben.

Wenn wir als Gesellschaft also weit mehr (und bessere) Bildung brauchen, was können wir tun?
Klare Antwort: Alle nehmen, die wir kriegen können, und deren Bildung als wesentliche Investition in die Zukunft des Sozialstaates fördern und sicherstellen. Wer dazu fähig ist, aber ein Stipendium braucht, soll es selbstverständlich mit Rechtsanspruch bekommen.

Wenn aber Eltern diese finanzielle Belastung freiwillig und uneigennützig übernehmen, weil sie – neben dem positiven Effekt für die Gemeinschaft – ihrem eigenen Nachwuchs Chancen eröffnen wollen, so ist das ein Geschenk, das der Staat honorieren und wertschätzen sollte. Er erspart sich immense Kosten, die sonst unweigerlich auf ihn zukommen würden.

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Die Debatte sollte sich also nicht darum drehen, ob Kinder der besser Gebildeten bessere Chancen auf ihre eigene Bildung haben, sondern wie die sogenannten „bildungsfernen Schichten“ zur Bildung, zur Wertschätzung der Bildung, zur Ermöglichung von Bildung für ihre Sprösslinge gebracht werden können.

Wenn dann einmal das Stipendienwesen so gut ausgebaut ist, dass niemand aus finanzieller Not von höherer Bildung abgehalten wird, dann muss aber auch der zweite Schritt folgen: Wiedereinführung der Studiengebühren. Denn so können endlich alle Zugangsbeschränkungen – selbstverständlich auch für Ausländer – aufgehoben werden. Wenn denjenigen, die begabt genug sind, die finanziellen Hürden aus dem Weg geräumt werden, dann soll auch ein leistungsgerechter Beitrag eingefordert werden können, der den bedarfsgerechten Ausbau der Hochschulen ermöglicht.

Dann werden ausländische Studierende ebenso gern gesehen werden wie ausländische Touristen. So wie diese ihre Hotelbetten, Skilifte etc. selbst finanzieren und ihnen niemand vorwirft, sie hielten die Einheimischen von den Segnungen der schönen österreichischen Landschaft fern, so trifft das dann auch auf die Gaststudenten zu. Im Gegenteil, deren Beiträge werden den weiteren qualitativen und quantitativen Ausbau unserer Bildungseinrichtungen fördern. Dann kommen wir vielleicht wirklich zur vielbeschworenen „Wissensgesellschaft“. 
 

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