Ethnische Konflikte auf dem Gebiet der ehemaligen UdSSR

Neben den ökologischen Verheerungen, die die UdSSR hinterlassen hat zählt die kommunistische Nationalitätenpolitik wohl zu problematischsten Erblasten der Sowjetunion. Lenin und Stalin versuchten das schwere ethnische Erbe, das ihnen das koloniale Imperium der Zaren hinterlassen hatte, auf ihre ganz eigene Weise zu lösen: Völkermord und Umsiedelungen ganzer Volksgruppen waren ihre Methoden. Alle Nachfolgestaaten der UdSSR haben mit diesem schwierigen Erbe zu kämpfen. Zuletzt hat in Kirgisistan ein schwerer Konflikt zwischen Kirgisen und Usbeken zumindest 2000 Menschenleben gefordert. Unzensuriert.at mit einer Zusammenfassung der Brandherde.

Osteuropa: Königsberg als russische Enklave mitten in der EU

Königsberg/Kaliningrad: Ostpreußen ist inzwischen zu einer russischen Enklave umgeben von EU-Staaten geworden. Angeblich gab es Angebote an die BRD, das Territorium „zurückzuverkaufen“. Die dort lebenden Russen sind vom Mutterland abgeschlossen; es gibt eine kleine deutsche Restbevölkerung.

Baltische Staaten: Besonders in Lettland kommt es immer wieder zu Unstimmigkeiten zwischen der Mehrheitsbevölkerung und der russischen Minderheit. Brennpunkt ist dabei die Geschichte nach der sowjetischen Annexion 1940. Letten, die auf Seiten der deutschen Armee und der Waffen-SS kämpften, werden von vielen ihrer Landsleute als Freiheitskämpfer, von hingegen Russen als Verräter und Kollaborateure angesehen.

Moldawien: 1940 musste Rumänien Bessarabien an die Sowjetunion abtreten. Die Provinz Transnistrien ist hauptsächlich von Russen und Ukrainern bewohnt; die Moldauer, die den Rumänen zuzurechnen sind, bilden dort ein Drittel der Bevölkerung. Transnistrien sieht sich selbst als eigenständiger Staat, ist aber sonst international nicht anerkannt. Die 14. russische Armee ist dort stationiert.

Ukraine: Eine russische Minderheit von ca acht Millionen Menschen lebt in der Ukraine. Die Frage, ob Russisch zweite Staatssprache werden soll, wird seit Jahren kontrovers diskutiert. Auch über den Heimathafen der russischen Schwarzmeerflotte auf der Krim gibt es Unstimmigkeiten.

Kaukasus: Zwei Tschetschenien-Kriege brachten keinen Frieden

Armenien/Aserbeidschan: 1988 begann der Konflikt um die armenische Enklave Bergkarabach, die zum Territorium Aserbeidschans gehörte. 1992 bis 1994 führten Armenien und Aserbeidschan Krieg um das Gebiet. Bergkarabach gehört nun de facto zu Armenien; der Konflikt schwelt jedoch weiter.

Tschetschenien: Unter Stalin wurden ca 400.000 Inguschen und ca 100.000 Tschetschenen deportiert. Erst unter Chruschtschow durften sie in ihre Heimat zurückkehren. 1991 erklärte Dschochar Dudajew Tschetschenien für unabhängig, dies wurde von Russland nicht anerkannt. Nach zwei Kriegen gilt Tschetschenien von russischer Seite als befriedet; die Tschetschenen führen weiter einen Partisanenkrieg gegen die Russen.

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Georgien/Abchasien: 1992 erklärte sich Abchasien als von Georgien unabhängig. Als Georgien 2008 versuchte, die abtrünnige Provinz zurückzuerobern, erlitten die Georgier eine schwere Niederlage gegen russische Truppen, die Abchasien unterstützten. Abchasien ist seit 2007 von Russland als unabhängiger Staat anerkannt.

Zentralasien: Russen müssen vor Gewalt flüchten

Tadschikistan: Im Bürgerkrieg von 1991 bis 1997 kam es zu Ausschreitungen zwischen Tadschiken und Usbeken, vor allem aber Russen wurden das Ziel von Pogromen, sodass knapp 400.000 Russen sehr kurzfristig das Land verließen. In fast allen zentralasiatischen Staaten werden Angehörige der russischen Minderheit bedrängt, sie wandern daher nach Russland aus.

Kirigisistan: Seit den jüngsten Ausschreitungen sind mehrere hunderttausend Usbeken auf der Flucht; die Zahl der Opfer ist noch unbekannt, dürfte aber in die Tausende gehen.

Russland: Autonomiebestrebungen in Tatarstan

In Russland selbst leben etwa 100 Völker´. Vor allem in Tatarstan machen sich immer Autonomiebestrebungen bemerkbar. Bisher kam es nur in seltenen Fällen zu Gewalt. Tatarstan war bis 2004 das einzige Gebiet in Russland, in dem die lateinische Schrift statt der kyrilischen als Amtsschrift vorgesehen war.

(Foto auf der Startseite: © Deutsche Fotothek)

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