WM-Tagebuch 13: Aufbahrung für Frankreich – Rudelgucken für Deutschland

Unter den gestrigen Tagebuch-Eintrag hat der "User" – besser: Leser – Wittichis vermerkt, dass um den Begriff Public Viewing herum die Anführungszeichen fehlten, um es als "Neusprech" zu identifizieren. Dies umso mehr, als Public Viewing bzw. "Public Viewing" ein besonderer Fehlgriff ist im Bestreben, alles Mögliche und Unmögliche zu anglizieren. In England oder Amerika bezeichnet man so nämlich die öffentliche Aufbahrung eines Verstorbenen.

Lieber Wittichis, Sie haben Recht. Wir sind der Versuchung unterlegen, diesen Begriff einfach zu verwenden, wie das die meisten tun, sobald er ihnen hunderte Male im Radio oder Fernsehen vorgesagt wurde. Wir haben grundsätzlich auch kein Problem damit, das eine oder andere englische Wort in unseren deutschen Sprachschatz einzubauen, "Public Viewing" ist jedoch entbehrlich.

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Deshalb haben wir uns auch augenblicklich schlau gemacht und dem weltweiten Netz entnommen, dass dieses Un-Wort schon einige vor uns zu vermeiden versucht haben. Unter den angebotenen Übersetzungen haben wir uns für "Rudelgucken" entschieden – auch wenn wie erwähnt "öffentliche Aufbahrung" korrekt wäre.

Um das gestern Geschriebene doch noch ein wenig zu retten, ziehen wir den Vergleich zur französischen Nationalmannschaft. Ihr Auftritt bei diesem WM war ein Begräbnis erster Klasse. Und die abschließende Niederlage gegen Südafrika war dazu das Public Viewing, diesmal zurecht ohne Anführungszeichen.

Heute jedoch gehen wir mit voller Begeisterung zum Rudelgucken, denn heute spielt Deutschland.

(Foto auf der Startseite: © Times)

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