WM-Tagebuch 16: Wer braucht noch einen Libero?

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Griechenlands Nationalmannschaft und Otto Rehhagel haben sich nach neun Jahren getrennt. In erster Linie nicht deshalb, weil die Erfolge gefehlt hätten. Immerhin hat Rehhagel die Truppe 2004 sensationell zum Europameister gemacht, und auch die Auftritte bei den folgenden Turnieren lagen weit über dem, was man von Hellas bis dahin gewohnt war. Aber: Rehhagel hat sich den modernen – und nachweislich erfolgreichen – Entwicklungen im Fußball nicht angepasst, hat bis zum Ende mit einem Libero spielen lassen, den es sonst selbst im Provinzfußball kaum mehr gibt.

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Ein anderer, der nicht zu erkennen scheint, dass seine Zeit längst abgelaufen ist, findet sich bei den Grünen. Und gleichsam als Beweis für den Anachronismus seiner Rückkehr bezeichnet sich der frühere Bundessprecher Alexander van der Bellen selbst als den Libero der Wiener Grünen für die bevorstehende Landtagswahl. Selbst wohlgesonnene Medien bemerken die Skurillität dieser Aussage. Die ÖÖN schreiben: "Abgesehen davon, dass die meisten Mannschaften mittlerweile ohne Libero spielen, ist das ein wohl ungewollt passender Vergleich: Immerhin obliegt es dem Libero als letztem Mann am Feld, Fehler der Mitspieler auszuputzen." – und spielen damit auf die heftigen Grabenkämpfe bei den Wiener Grünen an, die zwei verdiente Pragmatiker ihren Job gekostet haben zu Gunsten zweier linksextremer Frauen.

Den Grünen wird s wohl gehen wie den Griechen: So viel, wie die Vorderspieler schnitzen, kann der Libero gar nicht mehr ausputzen." Was das alles mit der WM zu tun hat? An sich gar nichts. Es zeigt nur, das verzweifelte Bemühen der Parteien, ihre Botschaften auch gegen einen momentan übermächtigen Gegner Fußball durchzubringen. Und wie man dabei spektakulär scheitern kann, wenn man keine Ahnung vom Kicken hat.

Fotos: Michael Kranewitter / Stelios Tsaousidis

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