WM-Tagebuch 18: Deutschland siegt – ein Skandal!

Deutschland hat England nicht nur aus dem Turnier geworfen, sondern regelrecht gedemütigt. So hoch haben die Three Lions noch kein einziges Weltmeisterschaftsspiel verloren. Doch – so weiß der ORF zu berichten – "es war ein Sieg mit bitterem Beigeschmack", denn Frank Lampards Lattenpendler wurde nicht als Tor anerkannt, obwohl der Ball klar hinter der Linie war. "Die Proteste der Engländer verhallten ungehört – ein Skandal", stellt die ORF-Webseite fest.

Einmal ganz abgesehen davon, dass bei Fußballspielen so ziemlich alle Proteste ungehört verhallen, weil Schiedsrichter Tatsachenentscheidungen treffen und sie in aller Regel nicht revidieren: Was ist das Außergewöhnliche daran, dass einer Mannschaft ein regulärer Treffer aberkannt wird? In jedem zweiten oder dritten Match passiert das, etwa wegen Abseits, oder umgekehrt wird ein Tor gegeben, obwohl es wegen Foul oder Abseits nicht regulär zustande gekommen ist. Gleich in der nächsten WM-Partie brachte ein Abseitstor Argentinien in Front – für den ORF zwar "die nächste Fehlentscheidung", aber lange kein Skandal.

Aber wenn eine solche Fehlentscheidung den Deutschen hilft, dann ist es wirklich arg. Dass die Engländer, aufgehetzt durch ihr Kampfblatt "Sun", an diesem Fehlpfiff das Schicksal ihrer Mannschaft festmachen, ist verständlich. Dass der ORF in das Geheule einstimmt, war erwartbar, gilt es doch den Neidkomplex zu füttern, der bei vielen Österreichern erwacht, wenn Deutschland gewinnt.

Aber nicht einmal die Deutschen waren imstande, das Schiedsrichter-Geschenk artig und ohne viel Tamtam entgegen zu nehmen. Die ARD beschäftigte sich die gesamte Halbzeitpause mit kaum etwas anderem. Der Videobeweis wurde gefordert und über die FIFA gejammert, weil keine Torrichter bei der WM im Einsatz sind – ganz als wäre die Entscheidung zum eigenen Nachteil ausgefallen.

Was für ein Unterschied im Selbstbewusstsein im Vergleich zum nächsten Gegner Argentinien! Der hat in Person seines jetzigen Trainers Diego Maradona schon ein WM-Tor mit der "Hand Gottes" erzielt. Und keiner kam auf die Idee, sich dafür zu entschuldigen. Maradona selbst tat es 22 Jahre später – allerdings auch nur aus Angst vor dem Zorn Gottes und nicht dem betrogenen Gegner zuliebe. Die Betakelten waren auch damals, 1986, die Engländer.

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Hätten Sie gestern übrigens erraten, dass Miroslav Klose gleich nach seiner Sperre das erste Tor der Partie erzielt? Unter anderem danach haben wir in unserem WM-Quiz gefragt. Heute gibt s die zweite Gewinnchance. Wieder warten 3 interessanten Fragen.

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