WM-Tagebuch 22: Die Journalisten sind Schuld

Kriminelle Exzesse sind, soweit man liest, bei der Fußball-WM bisher ausgeblieben. Die Polizei hat die Lage im Griff. Weder randalierende Fans noch verbrecherische Einheimische konnten die Sicherheit gefährden. Die WM-Organisatoren klopfen einander daher mit gutem Grund auf die Schultern, üben gleichzeitig jedoch massive Kritik an den Medien, vor allem an jenen aus Deutschland und England.

BildWM-Koordinatorin Laurine Platzky (Bild) verstieg sich gar zu der Behauptung, die Medien seien im Vorfeld "unser schlimmster Feind" gewesen. Jetzt einmal ganz ehrlich: Ist Ihnen im Vorfeld systematisches Hinhacken auf Südafrika in der Presse aufgefallen, wie man es an sich auf Grund der dort ja tasächlich ausufernden Kriminalität erwarten hätte können? Gut, auf Unzensuriert.at haben wir uns ein wenig kritisch geäußert, aber das hat die WM wohl auch nicht allzu viele Besucher gekostet.

Ganz im Gegenteil: Als parallel zur WM-Auslosung vor drei Jahren der ehemalige österreichische Fußballtormann Peter Burgstaller auf einem "gesicherten" Golfplatz erschossen wurde, verschwand das Thema blitzschnell wieder aus dem Medien. Es war geradezu so, als seien die Massenmedien eingeschworen worden, die erste WM in Afrika ja nicht schlecht aussehen zu lassen.

Das ist nun also der Dank. Dabei könnte man Aussagen wie die des oberstes Polizisten von Pretoria,  Bheki Cele, wonach man "die Grenzen des Bösen weiter zurückgeschoben" habe, durchaus auch anders interpretieren. Überdies ist die Polizei offenbar wild entschlossen, sich für die "Negativ-Berichterstattung" zu rächen. Ein englischer Reporter wurde festgenommen, weil er sich mit jenem Zuschauer verabredet haben soll, der plötzlich in der englischen Kabine nach einer Toilette suchte. Die ganze Aktion sei eine "Verschwörung", erklärte Cele.

Schön, dass die Fans in Südafrika jetzt doch einigermaßen sicher sind – die Journalisten sind es offenbar nicht mehr.

Foto: World Economic Forum

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