Aserbaidschan – Das Schwarze Gold von Baku

BildWie kein anderer Nachfolgestaat der UdSSR wird Aserbaidschan mit Erdöl verbunden. Bereits im Mittelalter wurden die reichen Quellen ausgebeutet; Ende des 19. Jahrhunderts stieg die Förderung des Schwarzen Goldes rasant an, und Russland konnte dadurch die USA als größten Erdölproduzenten der Welt überholen.

Josef Stalin wurde im zaristischen Russland von der Sozialdemokratischen Partei Russlands – den späteren Bolschewiki – nach Baku entsandt, um die dortigen Arbeiter in der Petroindustrie für die Partei zu gewinnen. Im Zweiten Weltkrieg versuchte die deutsche Wehrmacht erfolglos, nach Baku vorzustoßen, um die kriegswichtigen Vorkommen für das Deutsche Reich in Besitz zu nehmen. Nach der Schlacht von Stalingrad musste das Vorhaben abgebrochen werden. Noch heute ist die Erdölindustrie Grundlage der Wirtschaft Aserbaidschans, aber auch Ursache für die starke Umweltverschmutzung des Staates, der schon Stalins erste Frau zum Opfer fiel.

Das Land des Feuers

BildBereits in der Antike wurden die Ölvorkommen Aserbaidschans ausgebeutet und verliehen dem Gebiet seine persischen Namen: Land des Feuers. Sowohl für Lampen als auch in der Kriegstechnik für das „Griechische Feuer“ – brennende Artilleriegeschosse – wurde Öl damals verwendet. Auch der legendäre Religionsgründer Zoroaster (Zarathustra) soll aus dem zu dieser Zeit medisch besiedelten Gebiet stammen.

Nachdem bereits Peter der Große Baku und die umliegenden Gebiete erobert hatte, wurde Aserbaidschan in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts schließlich Teil des russischen Imperiums. In den 1870er Jahren begann dann die industrielle Erschließung der Erdölvorkommen.

1918 wurde Aserbaidschan die erste Republik mit islamischer Bevölkerung, doch bereits 1920 wurde das Land von der Roten Armee besetzt und zunächst in die Transkaukasische SSR, die auch Georgien und Armenien umfasste, eingegliedert. Der Versuch, den Kommunismus auch in den benachbarten Iran zu exportieren, scheiterte allerdings. Die 1936 gegründete Aserbaidschanische Sowjetrepublik erklärte sich 1989 für souverän, was zu einer brutalen Intervention von Sowjettruppen führte. Erst 1991 erlangte das Land seine Unabhängigkeit wieder.

Berg Karabach – der Konflikt mit Armenien

BildBereits in der kurzen Phase ihrer Unabhängigkeit von 1918 – 1920 war der Konflikt um die mehrheitlich von Armeniern bewohnt Enklave Berg Karabach eskaliert. 1988 erklärte sich die Region als zur Armenischen SSR zugehörig; die Streitigkeiten brachen wieder auf, und auch eine Intervention russischer Spezialeinheiten konnte die Situation nicht beruhigen. Nach der Unabhängigkeit kam es zum offenen Krieg zwischen Aserbaidschan und der Regierung Berg Karabachs in Stepanakert, in dem von Anfang an reguläre armenische Einheiten auf der Seite Karabachs kämpften. Während Aserbaidschan von der Türkei unterstützt wurde, engagierte sich Russland auf armenischer Seite. Das Massaker von Xocali, in dem mehrere hundert Aserbaidschaner ums Leben kamen – die armenische Seite behauptet dies sei im Zuge der Kampfhandlungen passiert -, stellte einen traurigen Höhepunkt dieses Krieges dar. Das Bild zeigt einen von Armeniern zerstörten Friedhof. Berg Karabach ist heute de facto von Aserbaidschan unabhängig, nachdem die armenische Seite als Sieger aus dem Konflikt hervorging.

Besonderes Naheverhältnis zu Türkei

Zur Türkei besteht ein sehr enges Verhältnis; die beiden Staaten sind durch Sprache und Kultur stark mit einander verbunden. Aserbaidschanisch ist eine Turksprache, die sehr eng mit dem Türkischen verwandt ist und teilweise auch als türkischer Dialekt bezeichnet wird. Die Türkei ist in vielerlei Hinsicht ein wichtiger Partner Aserbaidschans: Mit Waffen und Militärberatern wurde das Land während des Krieges mit Armenien unterstützt, noch heute sollen türkische Soldaten in Aserbaidschan tätig sein. Aserbaidschan ist dazu Teilnehmer am zentralasiatisch-türkischen Gipfel, mit dem die Türkei versucht, Einfluss auf die Turkstaaten Asiens, zu denen auch Kasachstan, Usbekistan, Turkmenistan und Kirgisistan zählen, zu nehmen. Eine verstärkte Zusammenarbeit dieser Länder wird von der Türkei teilweise als Gegenentwurf zur Europäischen Union ins Spiel gebracht.

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Petrodollars und Korruption

In wirtschaftlicher Hinsicht ist die Baku-Tiflis-Ceyhan-Pipeline für beide Staaten von großer Bedeutung. Auf diesem Weg wird Erdöl vom Kaspischen Meer und aus Zentralasien unter Umgehung Russlands und des Iran zum Türkischen Mittelmeerhafen Ceyhan gepumpt. Mit einem Anteil von zwei Dritteln der gesamten Wirtschaftsleistung ist die Erdölförderung der mit Abstand wichtigste Wirtschaftszweig Aserbaidschans. Die Erdölvorkommen des Landes sind besonders hochwertig und eignen sich deswegen sehr gut für Flugzeugbenzin.

Trotz der wertvollen Rohstoffvorkommen lebt fast die Hälfte der Bevölkerung unter der Armutsgrenze. Ein Hauptgrund dafür ist die grassierende Korruption: Im Jahresbericht der Antikorruptionseinrichtung Transparency International von 2008 liegt Aserbaidschan im letzten Drittel (Platz 158, vergleichbar mit Angola und Sierra Leone) und zählt damit zu den korruptesten Staaten der Welt.

Westlicher Autokrat

BildDer derzeitige Präsident des Landes ist Ilham Aliyev (Bild), der dieses Amt quasi von seinem Vater geerbt hat. Das ehemalige Mitglied des Politbüros der KPdSU, Heydar Aliyev, war von 1993 bis 2003 Präsident Aserbaidschans, kurz vor seinem Tod „empfahl“ er seinen Sohn Ilham als „würdigen Nachfolger“. Die Wahlen werden von internationalen Beobachtern als manipuliert bezeichnet.

Aliyev verfolgt wie sein Vater eine gemäßigt nationalistische Politik, indem er besonders die türkische Sprache und Kultur fördert. Der Islam, zu dessen schiitischer Richtung sich mehr als 80 Prozent der Bevölkerung bekennen, spielt dagegen im politischen Leben kaum eine Rolle.

Neben der Türkei orientiert sich die politische Führung am Westen, während das Verhältnis zu Russland gespannt ist. Die Beziehungen zu den USA sind dagegen sehr gut; neben Georgien gilt Aserbaidschan als wichtigster Verbündeter im Kaukasus. Durch die Erdölvorkommen und die erwähnte Pipeline soll die westliche Abhängigkeit von den Ölvorkommen am Persischen Golf verringert werden. Daneben ist die Lage Aserbaidschans am Kaspischen Meer und im Norden des Iran bedeutsam.

Als eines der wenigen islamischen Länder unterhält Aserbaidschan auch gute Beziehungen zu Israel; Israel unterstützt das Land in Bereichen der Sicherheitspolitik und ist wirtschaftlich sehr engagiert in Aserbaidschan. Doch auch zum Iran bestehen gute Kontakte, im Norden des Iran lebt eine große aserbaidschanische Minderheit.

Gute Aussichten?

Der immense Reichtum durch Erdöl könnte Aserbaidschan eine blühende Zukunft verheißen. Dazu müssen aber zwei Probleme vorrangig gelöst werden: Um die Wirtschaft weiterzuentwickeln, muss das Problem der Korruption endlich energisch bekämpft werden. Außerdem ist der Konflikt mit Armenien noch immer ungelöst und kann jederzeit wieder aufflammen und das Land destabilisieren. 

20 Jahre nach dem Kommunismus

Unzensuriert.at beleuchtet jedes Wochenende ein Land, das bis vor 20 Jahren unter kommunistischer Herrschaft stand. Bisher veröffentlicht:

Georgien – Stalins unbotmäßige Söhne

Tadschikistan – Das Armenhaus Zentralasiens

Kirgisistan – Jurten im Himmelgebirge

Weißrussland – Europas Stiefkind

Usbekistan – Das stolze Erbe Tamerlans

Turkmenistan – Das Reich des "Turkmenbashi"

Die Ukraine – zerrissenes Land zwischen Ost und West

Kasachstan: Von Stalins Völkerkerker zum begehrten Handelspartner

20 Jahre danach: Russland am Scheideweg

Fotos: Sefer Ibrahim / Polish Senate

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