Interview: „Rauchergesetz ist Wischiwaschi-Aktion“

Seit 1. Juli ist die Schonfrist für Raucher und Wirte zu Ende. Gastronomen dürfen Tabakkonsum nur mehr dann erlauben, wenn sie über eigene Raucherzimmer verfügen, oder das gesamte Lokal kleiner als 50 Quadratmeter ist. Im Interview mit Unzensuriert.at lässt eine Cafébetreiberin aus dem oberösterreichischen Grenzgebiet ihren Unmut über die aktuelle Gesetzeslage durchblicken.

Anita Biereder (48) ist seit vier Jahren selbständig und betreibt gemeinsam mit ihrem Lebensgefährten ein Kaffeelokal im Einkaufszentrum in Braunau am Inn. Das Lokal verfügt über eInnenansicht Lokaline Nutzfläche von 66 Quadratmetern und liegt daher über der gesetzlichen Marke von 50 Quadratmetern, unterhalb der jeder Betreiber selbständig entscheiden darf, ob geraucht wird oder nicht. Mit dem endgültigen Inkrafttreten der Nichtraucherschutzbestimmungen hat Frau Biereder so ihre Probleme. „In Österreich gehört traditionell für viele die Zigarette einfach zum Kaffee dazu“, ist die leidenschaftliche Cafébesitzerin überzeugt. Sie müsste nun ihre Räumlichkeit entweder verkleinern, was rund ein Drittel des Umsatzes kosten würde, oder umbauen. Der Einbau einer Glaswand als Abtrennung würde 24.000 Euro verschlingen und gleichzeitig das Lokal in eine Art Bahnhofswartehalle verwandeln. Durch das Rauchverbot entsteht für sie jedenfalls eine existenzbedrohliche Situation entstehen, meint Biereder.

Das neue Tabakgesetz in Österreich gilt jetzt seit drei Wochen. Welche Erfahrungen haben Sie seitdem gemacht?

Bislang ist dank des Sommerwetters und der Ferienzeit noch kein Umsatzeinbruch erfolgt. Unsere Gäste sitzen momentan fast zur Gänze im Freien, ins Lokal hinein geht wegen den Temperaturen ohnehin kaum einer. Die Frage wird sich dann eher im Herbst stellen.

Fürchten Sie dann Umsatzeinbußen?

Nicht nur das. Für uns wird es existenzbedrohend sein. Den Kollegen auf der deutschen Seite des Inns ist es ähnlich ergangen. Sie mussten Umsatzeinbußen in der Höhe von 70 Prozent erdulden. Viele haben schließlich ihre Lokale geschlossen. Wir werden die Situation im Herbst und Winter genau betrachten und uns entscheiden, wie es weitergehen soll.

In Bayern hat ein Volksentscheid zum absoluten Rauchverbot in Restaurants, Kneipen und anderen Lokalen geführt. Besteht nicht die Chance eines Ansturms deutscher Lokalflüchtlinge in Ihr Café?

Bei uns halten sich die österreichischen und deutschen Gäste in etwa die Waage. Im Vorjahr, als in Bayern das generelle Rauchverbot ansatzweise getestet wurde, war es natürlich schon so, dass manche extra zu uns gekommen sind, um ihrem Zigarettengenuss zu frönen. Nachdem wir nun ein reines Nichtrauchercafé geworden sind, werden Stammraucher wahrscheinlich ausweichen.

Die oberösterreichische Wirtesprecherin Eva Maier hatte ihre Kollegen aufgefordert, sich zu besinnen und rasch umzubauen.

Ich halte die Aufforderung für einen schlechten Scherz. Die Gesetzeslage ist ohnehin nur eine Wischiwaschi-Aktion. Niemand weiß, wie es in einem halben oder dreiviertel Jahr in der Gastronomie aussehen wird. Wenn die geplante Volksbefragung zum Rauchverbot kommt und erwartungsgemäß positiv ausgehen wird, wären alle Umbauten ohnehin hinfällig. Das Geld wäre einfach beim Fenster rausgeschmissen.

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Das Rauchverbot wurde auch deshalb beschlossen, um Angestellte und Kinder vor dem schädlichen Qualm zu schützen. Ist Ihnen das egal?

Unser Staat will am Rauchen verdienen und es gleichzeitig verbieten. Mit der aktuellen Regelung kommen die Wirte in eine existenzbedrohende Situation. Um Jugendliche vom Glimmstängel wegzubringen, müssten die Preise für Tabak empfindlich erhöht werden. Von unseren Angestellten rauchen übrigens alle. Aber wer schützt mich als Unternehmer?

Soll es Ihrer Meinung nach Wahlfreiheit oder ein generelles Rauchverbot geben?

Natürlich sollen die Bürgerinnen und Bürger nicht entmündigt werden. Aber statt eines halbseidenen Pfuschs muss es eine einheitliche Regelung für alle geben, die auch von wirtschaftlicher Seite vertretbar ist. Da werden wir in Österreich an einem generellen Rauchverbot über kurz oder lang nicht vorbei kommen.

Foto auf der Startseite: © Plambeck / Pixelio.de

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