Politisch unkorrekt, anti-islamisch und was noch?

Der Angriff der israelischen Armee auf ein Schiff der sogenannten Gaza-Hilfsflotte hat das Interesse am Dauer-Konflikt zwischen Israel und den Palästinensern auch hierzulande wieder erweckt und für eine enorme Polarisierung gesorgt. Während insbesondere weit links stehende Gruppen sich mit den Hilfsorganisationen (und damit natürlich bis zu einem gewissen Grad auch mir der Hamas) solidarisieren, stößt im konservativen Lager die Position Israels auf nahezu ungeteiltes Verständnis.

Kommentar von Alexander Höferl

Auf der einen Seite stehen Linksverblendete, denen nicht auffällt, dass sie sich – etwa auf Demonstrationen in Wien – mit radikalen Judenhassern aus islamischen Staaten ins Bett legen. Auf der anderen Seite ist die Verklärung des „Selbstverteidigungsrechtes“ Israels kaum weniger dumpf.

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Die bedingungslosesten Israel-Gefolgsleute im rechts-konservativen Lager finden sich unter den Machern der Webseite „Politically Incorrect“ – der wohl meistgelesenen islamkritischen Seite im deutschen Sprachraum. Die Bewunderung für Israel und seine drakonischen Maßnahmen gegen die im Gazastreifen eingekesselten Palästinenser fußt hier auf einer kategorischen Ablehnung des Islam und all seiner Sitten und Gebräuche.

Henryk M. BroderNun ist eine kritische Haltung gegenüber dem Islam und vor allem seinen radikalen Strömungen angesichts der Masseneinwanderung aus muslimischen Ländern zweifelsohne geboten. Wer unser Justizsystem durch die Sharia ersetzen will und die Demokratie ablehnt, soll sich nicht auch noch von unserer demokratischen Gesellschaft durchfüttern lassen. Dieser Missbrauch gehört schonungslos aufgedeckt – ebenso wie die systematische Unterdrückung von Frauen und alle anderen Tendenzen, die unserer von Humanismus und Aufklärung geprägten Gesellschaft zuwider laufen. In diesem Bereich leisten Leute wie die Redakteure der PI-News oder deren Liebkind, der jüdische Schriftsteller Henryk M. Broder (Bild links), Wesentliches, weil sie aufzeigen, wie schwach und nachgiebig sich unsere politische Klasse gegenüber aggressiven „Kulturbereicherern“ verhält. Ihrer Aufklärungsarbeit ist es wohl auch zu verdanken, dass Leute wie der Präsident der Israelitischen Kultusgemeinde, Ariel Muzicant, beginnen zu erkennen, aus welchem Bereich der Gesellschaft antisemitische Töne und vermehrt auch Taten kommen.

Vorsicht ist jedoch geboten, wenn sich aus der Kritik islamistischer Strömungen in den Ländern Europas ein allgemeines Ressentiment gegenüber dem Islam entwickelt, und dies scheint gerade zu geschehen. Dann nämlich wird dieses Denkmuster über die ganze Welt gelegt und grundsätzlich davon ausgegangen, dass Muslime im Unrecht seien, mit wem auch immer sie gerade irgendwo Schwierigkeiten haben. Siehe Israel und die Palästinenser.

Peter Scholl-LatourDie Website „Forum für Deutschland“, die sich als überparteilich, demokratisch und patriotisch beschreibt, zeigt die Entwicklung anhand eines konkreten Artikels auf Politically Incorrect auf. Nach einer Diskussion in der NDR-Talkshow „3 nach 9“ wird der weit über die Grenzen Deutschlands anerkannte Außenpolitik-Journalist, Kriegsberichterstatter und Buchautor Peter Scholl-Latour (Bild rechts) als „alter Narr“ und „seniler Schwätzer“ verunglimpft, weil er es gewagt hatte, einem der Lieblinge der PI-News zu widersprechen – der jungen hübschen Jüdin Melody Sucharewicz, die aus Deutschland nach Israel ausgewandert ist und die harte Haltung gegenüber den Palästinensern bedingungslos verteidigt. Forum für Deutschland stellt dazu fest, „dass die Schreiberlinge von "PI" nicht nur jeden Respekt vor dem Alter und der Erfahrung gegenüber dem Journalisten Peter Scholl-Latour vermissen lassen, sondern auch jede Kritikfähigkeit in der Sache verloren haben.“

Dieser Befund trifft zu und beschreibt den Fehlschluss, ein für die Heimat passendes Schema ohne Berücksichtigung der regionalen Umstände für die ganze Welt passend machen zu wollen. Das ist eine Einstellung, die wir kennen vom Weltpolizisten USA, der spätestens seit 9-11 hinter jedem Baum einen islamistischen Bombenleger vermutet und damit all seine Kriege rechtfertigt. Und wir kennen diese Unart auch von den internationalen Sozialisten, die ihre Heilslehre missionarisch in die ganze Welt tragen, auch nachdem sie damit andernorts schon spektakulär gescheitert sind.

Wer sich jedoch als politisches Ziel die Bewahrung der Heimat und ihrer Werte gesetzt hat und dadurch in Kategorien wie konservativ, patriotisch oder national denkt, sollte von Schwarz-Weiß-Lösungen für die Probleme anderer Länder die Finger lassen. Sonst hätten irgendwie auch die Muslime recht, wenn sie uns ihren Lebensstil aufzwingen wollen.

Und abgesehen davon: Eine Anti-Ideologie – in diesem Fall gegen den Islam – erfüllt in keiner Weise den Anspruch, politisch gestaltend zu wirken. Der Anti-Islamismus ist für sich genommen nicht mehr wert als der Antifaschismus, der zur Konzeptlosigkeit seit geraumer Zeit auch seine zerstörerische Kraft immer mehr entfaltet. Wer die Gesellschaft verändern will, braucht dazu auch Lösungsvorschläge – etwa in der Sozial- und Sicherheitspolitik, vor allem aber in der Familienpolitik angesichts der demographischen Katastrophe, in die wir mit oder ohne muslimische Zuwanderer taumeln.

Fotos: Dontworry / Bernd Andres

Foto auf der Startseite: © Angela Parszyk / Pixelio.de

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