Wikipedia: Eine kleine Gruppe diktiert der Welt ihr Wissen

Wikipedia steht für freies Wissen. Damit wirbt die 2001 gegründete freie Online-Enzyklopädie auch öffentlich. Was so unbeschwert zugänglich ist, muss allerdings noch lange nicht qualitativ hochwertig sein. Und schon gar nicht stimmen. Ein Lied davon kann die deutsche Wählervereinigung „Bürger in Wut“ singen, die seit geraumer Zeit mit allen Mitteln versucht, falsche Passagen in ihrem Wikipedia-Artikel zu ändern. Bislang leider ohne Erfolg.

Wie die Junge Freiheit ausführlich berichtet, will die bundesweite Wählervereinigung „Bürger in Wut“die falsche Behauptung im Wikipedia-Beitrag ändern, sie sei „rechtspopulistisch“. Auch über das Gründungsdatum gibt es Unstimmigkeiten. Die Änderung gestaltet sich jedoch äußerst schwierig. Denn kaum haben die Bürger die Textänderungen durchgeführt, wird der Beitrag von angemeldeten Benutzern wenige Minuten später wieder im jeweils anderen Sinn geändert.

Wikipedia-LogoDas ist problemlos möglich, nachdem nahezu alle Wikipedia-Beiträge selbst von Besuchern quasi im Vorbeischauen modifiziert werden können. Ausnahme sind besonders umstrittene Artikel, bei denen unangemeldete Gäste sowie neu registrierte Benutzer keine Änderungen vornehmen dürfen. Ein Administrator kann sogar jegliche Bearbeitung untersagen. Der frei wirkenden Enzyklopädie wird dadurch ein hierarchisches Korsett verpasst, das über Fakten nach Belieben bzw. nach Meinung entscheidet.

Der Soziologe Christian Stegbauer untersuchte im Jahr 2006 das Wikipedia-Netzwerk und kam zu dem Schluss, dass sich die Gruppe der Administratoren durch soziale Exklusion der später kommenden Mitarbeiter immer mehr abkoppelt. Ein besonders kurioser Fall aus dem Jahr 2007 zeigt auch, dass es mühelos möglich ist, unter falscher Identität in die höchsten Verantwortungsbereiche des zugänglichen Wissenskomplexes zu kommen. Der damals 24-jährige Ryan Jordan hatte sich auf der Plattform fälschlicherweise als Theologie-Professor an einer Privatuniversität ausgegeben und wurde sogar als Recherche-Quelle vom US-Magazin „The New Yorker“ kontaktiert. Erst ein Stellengesuch als hauptamtlicher Mitarbeiter für die Wikipedia-Community entlarvte den Hochstapler. Er musste seine Funktion als Administrator schließlich aufgeben.

Vor Gericht ist niemand zuständig

Rechtlich gesehen verhält sich Wikipedia wie eine riesige Tauschbörse ohne festen Sitz. Jeder darf seinen Teil dazu beitragen, aber niemand kann im schlimmsten Fall für seine freiwillige Leistung auch wirklich belangt werden. Der Betreiber der deutschsprachigen Seite ist die amerikanische Wikimedia Foundation Inc. mit Sitz in San Francisco, die für das Internetangebot inhaltlich nicht verantwortlich zeichnet. Zwar könnte sie bei Rechtsverletzungen auch von einem deutschen Gericht geklagt werden, praktisch hat das jedoch kaum Sinn. In Amerika haften die Betreiber nicht für fremde Beiträge.

Ansprechpartner in Deutschland könnte ja auch der Verein „Wikimedia Deutschland – Gesellschaft zur Förderung Freien Wissens“ mit Sitz in Berlin sein, dachten sich die „Bürger in Not“. Betreiber ist aber auch der nicht. Selbst eine Anzeige bei der Medienanstalt Berlin-Brandenburg blieb erfolglos, weil Wikipedia „kein journalistisch-redaktionelles Angebot“ sei, sondern eine Datenbank. Als letzte – wohl ebenso aussichtslose Chance – bleibt den zu Recht empörten Mitgliedern der Wahlvereinigung eine Beschwerde bei der Kommission für Zulassung und Aufsicht der Landesmedienanstalten. Und selbst wenn es gelingen würde, einen der verantwortlichen Autoren zu finden, würde es wahrscheinlich die Pressefreiheit verbieten, gegen die Inhalte vorzugehen.

Rufschädigung und Verhetzung ohne Folgen möglich

Einen schaler Beigeschmack hat dieses Beispiel: Mit Wikipedia wurde ein juristisches Wurmloch geschaffen, das im Ernstfall, also bei ruf- und kreditschädigenden Beiträgen, aber auch bei verhetzenden Bestandteilen, kaum zur Verantwortung gezogen werden kann. Angesichts der Beliebtheit des Online-Nachschlagewerkes bei Schülern, Studenten, aber auch honorigen Wissenschaftlern, mutiert es zur gefährlichen Waffe. Was Wikipedia stark macht – die freie Zugänglichkeit von Informationen -, macht es in Kombination mit den administrativen Machtstrukturen im Hintergrund und dem juristischen Leerraum noch umso gefährlicher.

Foto: © Wikimedia Foundation

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