Hundeführerschein überfüllt Wiens Tierheime

Seit vier Wochen gibt es den verpflichtenden Hundeführerschein in Wien. Damit ist jeder Besitzer eines sogenannten Kampfhundes verpflichtet, eine Prüfung zur ordnungsgemäßen Führung seines Vierbeiners zu leisten. Von dem neuen Gesetz hält scheinbar kaum jemand etwas. Gerade einmal 540 der rund 2500 betroffenen Hundebesitzer haben bisher die geforderte Prüfung abgelegt. Täglich werden dafür umso mehr Listenhunde ausgesetzt oder im Tierschutzhaus abgegeben.

KampfhundNoch vor zwei Monaten waren im Wiener Tierschutzhaus 123 Hunde stationiert, mittlerweile ist die Zahl auf 180 angestiegen. Abgegeben oder ausgesetzt werden hauptsächlich ältere Hunde, die für die Besitzer auf Grund der Neuregelung vermutlich zur Last werden. Aber auch sonst ist der Wiener Hundeführerschein ein Murks. Die Liste der zwölf betroffenen Rassen wurde wohl  nach dem Zufallsprinzip erstellt. So stehen etwa der Deutsche Schäferhund oder der Dobermann nicht auf der Liste, obwohl ersterer für die Mehrzahl der Bissattacken verantwortlich ist.

Ein anderer Kritikpunkt ist die Art der Prüfung. Diese wird von Hundebesitzern als „Kreuzerltest“ charakterisiert und kostet 25 Euro. Der praktische Teil besteht laut Aussagen Betroffener aus „Auf- und Ablaufen “ mit dem Liebling. Offiziell liest sich der Test jedoch als dreimoduliger Gehorsams-, Wesens- und Verhaltenstest. Noch ein Problem: Wer führt den Hund des Nachbarn aus, wenn dieser beispielsweise auf Urlaub ist? Dem Gesetz nach muss der Gassigeher ebenfalls einen Hundeführerschein vorweisen können, um der Verwaltungsstrafe von bis zu 250 Euro zu entgehen.

Verständlich, dass angesichts dieser schier endlos langen Mängelliste Verbesserungsbedarf herrscht. Die Wiener Oppositionsparteien sind sich darüber jedenfalls einig und fordern einen Hundeführerschein für alle Rassen. FPÖ-Gemeinderat Herbert Madejski hält nichts davon, einzelne Rassen zu diskriminieren und brachte am 2. Juli sogar eine Klage beim Verfassungsgerichtshof ein. Die Häupl-SPÖ, die dieses Ungetüm trotz Experten-Kritik im Alleingang durchgepeitscht hat, um ihre selbst aufgestellte Forderung in der manipulativen Volksabstimmung vom Frühjahr durchzubringen, will freilich von einem „Flop“ nichts wissen. Ein Bevölkerungswunsch würde „torpediert“ werden, heißt es aus dem Rathaus.

Fotos: © Regina Kaute / Pixelio.de und Bene16

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