Voller Erfolg für die Finanzlobby: Eigenkapital aus dem Nichts

Nach Protesten des Finanzsektors werden im Zuge von "Basel III" die Bilanzierungsregeln entschärft. Demnach dürfen Beteiligungen an Tochtergesellschaften jetzt doch voll bilanziert werden, was kuriose Vorgänge ermöglicht.

Die Erste Bank hält am rumänische Finanzriesen Banca Comerciala Romana 51 Prozent. Die Entschärfung der Bilanzierungsregeln ermöglicht es, 100 Prozent von deren Eigenkapital in die eigene Bilanz aufzunehmen, obwohl die Erste nur knapp über die Hälfte der Anteile hält. Es handelt sich um einen Rücklagenmultiplikator.

Das Problem an der Sache ist nur: Dieses Geld ist real nicht vorhanden. Es können nämlich mehrere an einer Bank beteiligte Institute deren ganzes Eigenkapital für sich verbuchen. Es handelt sich um einen eleganten, aber gefährlichen Trick. Wie der Zauberer aus dem Hut einen Hasen holt, ist es Banken künftig möglich, Eigenkapital aus dem Nichts hervorzaubern. Dieser buchhalterische Kunstgriff öffnet Missbrauch und Intransparenz Tür und Tor.

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Die Verantwortlichen scheinen nichts aus der Finanz- und Wirtschaftskrise gelernt zu haben. Professionelle Verschleierung in Form intransparenter, komplex strukturierter Verbriefungspapiere, im Nachhinein als Toxic Papers bezeichnet, hätte beinahe zum Zusammenbruch des Weltfinanzsystems geführt. Anstatt die Finanzmarktaufsicht effizient zu gestalten und Banken zur Offenlegung der Bilanzen ihrer oft in Steueroasen ansässigen Zweckgesellschaften zu verpflichten, wird ihnen gestattet, Sicherheit und Stabilität in Form nicht existenten Eigenkapitals vorzutäuschen. Sollten Sicherheiten benötigt werden, muss eben in bewährter Manier der Steuerzahler haften, da können die Bankmanager auf Finanzminister Pröll vertrauen.
 

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