BP-Chef packt die Koffer, das Öl bleibt

Er ist laut der „New York Daily News“ der meistgehasste Mann Amerikas: Tony Hayward (53), bis vor kurzem Chef des international tätigen Energiekonzerns „British Petroleum“ (BP) mit Sitz in London, Großbritannien. Hayward, der wegen seines desaströsen Krisenmanagements der Ölkatastrophe im Golf von Mexiko in Ungnade gefallen war, musste vergangenen Dienstag die Koffer packen.

Tony HaywardAllerdings braucht sich Hayward (Bild) nur in den nächsten Flieger nach Russland setzten. Dort wird er die Arbeit beim russisch-britischen Tochterunternehmen TNK-BP weiterführen, wobei diesmal die Ölförderung in Sibirien sein Aufgabenfeld sein wird. Robert Dudley nimmt im Gegenzug den Posten seines glücklosen Vorgängers ein.

Rekordverdächtig ist nicht nur die Ölmenge, die seit der Explosion der Ölplattform „Deepwater Horizon“ am 20. April 2010 täglich ins Meer strömt, sondern auch der „Golden Handshake“, mit dem Tony Hayward abgelöst wurde. Zunächst bekommt er noch einmal ein Jahresgehalt in der Höhe von 1,045 Millionen Pfund (1,253 Millionen Euro), anschließend eine jährliche Rente in Höhe von 600.000 Pfund (715.000 Euro). Außerdem hält er noch Aktienoptionen, deren Wert von der künftigen Entwicklung des Konzerns abhängt.

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Diese Entwicklung sieht jedoch nicht rosig aus. Im zweiten Quartal 2010 musste BP einen Nettoverlust von 17,2 Milliarden Dollar hinnehmen. Es ist der erste Quartalsverlust seit dem Jahr 1992. Seit Beginn der Katastrophe hat sich der Wert der BP-Aktie annähernd halbiert. Dennoch wird BP die Ölkrise finanziell überstehen. Ohne Abschreibungen hätte das Unternehmen nämlich allein zwischen April und Juni fünf Milliarden Dollar verdient, also rund ein Sechstel der prognostizierten Schadenssumme. Zudem will BP in den nächsten 18 Monaten rund zehn Prozent seiner Ölfelder im Wert von 30 Milliarden Dollar verkaufen. Vermögenswerte in Höhe von 1,7 Milliarden Dollar werden in Vietnam und Pakistan zum Verkauf angeboten.

ÖlpestZurück bleibt das Öl – 15,1 Millionen Liter täglich und damit verbunden eine Umweltkatastrophe, die täglich neue Opfer im Tierreich fordert. Auch wenn sich BP für die Krise verantwortlich zeigt und auf seiner Internetseite vorbildliche Reinigungsarbeiten an ölverschmierten Meerestieren und an Stränden präsentiert, in der Realität ist nicht alles Gold was glänzt. Der Internetblog gawker.com präsentierte kürzlich ein Foto, bei dem in drei schwarze Monitore Bilder von der Bohrstelle in 1500 Meter Tiefe hineinretuschiert wurden. Auch andere Fotos wurden laienhaft manipuliert, um nach außen hin Bemühen zu zeigen.

Zahlreiche Wissenschaftler bestätigen zudem, dass der britische BP-Konzern versucht haben soll, das Schweigen der Experten zu erkaufen. Diese hätten ihre Forschungsergebnisse so lange nicht veröffentlichen dürfen, bis die US-Regierung die Schadensersatzzahlungen festlegt. Über die erhaltenen Daten wäre drei Jahre lang ein Sprechverbot gehängt. Diese Manipulations- und Zensurmaßnahmen ergänzen sich mit der Anfang Juli von der US-Regierung in Kraft gesetzten Regelung, wonach Recherchen und Bilder über die Ölkatastrophe mit empfindlichen Geldstrafen pönalisiert werden.

Fotos: Patrick Kelley / World Economic Forum

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