Austrofaschismus: Weinerliche ÖVP nach Absage der Dollfuß-Messe

Seit den 60er Jahren findet am 26. Juli eine Gedenkfeier für den ehemals autoritär regierenden christlichsozialen Bundeskanzler des Ständestaats, Engelbert Dollfuß, in der Kapelle des Bundeskanzleramts statt. So hätte es auch dieses Mal sein sollen. Doch nach heftigen Interventionen von Medienstaatssekretär Josef Ostermayer (SPÖ), dessen Großonkel 1927 in Schattendorf von Mitgliedern der rechtsstehenden Frontkämpfervereinigung erschossen wurde, sagte Bundeskanzler Werner Faymann die Messe kurzerhand ab. Künftig soll am 2. Dezember zu Allerheiligen allen verstorbenen Kanzlern gedacht werden.

DollfußKein Verständnis für die Absage hat der Zweite Nationalratspräsident Fritz Neugebauer von der Österreichischen Volkspartei. Und das nicht nur weil die Einladungen schon gedruckt waren. Bis heute soll ein Portrait Dollfuß’ in den Klubräumlichkeiten der ÖVP hängen. Laut Neugebauer sei Dollfuß „eine Trägerfigur des Widerstandes gegen den Nationalsozialismus“ gewesen. Ein katholischer Gottesdienst sei darüber hinaus „immer ein Zeichen der Versöhnung und keine politische Manifestation.“ Prominentere Sozialdemokraten, wie etwa Bruno Kreisky, hätten in der Vergangenheit mehr Pietät und Toleranz gezeigt.

Unterdessen bewegt sich die ÖVP bei der Opfer-Rehabilitierung des Austrofaschismus allerdings in Richtung SPÖ. Schon im Winter hatten sich die Regierungsparteien auf entsprechende Gespräche geeinigt. Eine Expertenkommission soll laut Medienberichten seit dem Frühling mit einer Neubewertung des Dollfuß-Regimes beschäftigt sein. Für Nationalratspräsident Fritz Neugebauer „eine seriöse wissenschaftliche Aufarbeitung“.

Foto: Rowanwindwhistler

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