Der Fall Heisig: Zweifel am Selbstmord, Auskunftssperre und Zensur

Sie galt als mutige Frau und als Verfechterin von law and order. Die gesellschaftliche Linke unterstellte ihr zumal Ausländerfeindlichkeit, wenn sie in den Medien prägnante Fälle zur Ausländerkriminalität skizzierte, die anzusprechen sich bislang noch niemand getraut hatte. Vielleicht war die Neuköllner Jugendrichterin Kirsten Heisig (48) bis zu ihrem mysteriösen Tod aber einfach nur eine engagierte Frau, die ihren Beruf auch nach Dienstschluss ausübte, ihn sozusagen zur Berufung machte.

Kirsten HeisigMit der Konzipierung ihres „Neuköllner Modells“, benannt nach dem Berliner Problembezirk, in dem sie seit 2008 auf eigenen Wunsch arbeitete, sorgte sie für eine bundesweit beachtete Praktik, jugendliche Straftäter nicht weiter in die Kriminalität abrutschen zu lassen, sondern sie effektiv zu sanktionieren. Wo zwischen Straftat und Gerichtsverhandlung viele Monate vergehen, wollte sie Verurteilungen bereits nach einer Woche haben. Auch fürs Schulschwänzen kannte sie kein Pardon. Ihr Motto: Wem die Chance auf Bildung entzogen wird, gerät auf die schiefe Bahn. Deshalb wurden selbst die Eltern mit dem wohl mächtigsten Druckmittel belangt: einer Kürzung der Sozialhilfe, im schlimmsten Falle sogar Erzwingungshaft. Die enge, fast an die Grenze des Datenschutz gehende Symbiose der Polizei mit Justiz und Schule hatte bisweilen für Erfolg in der sonst tristen Kriminalitätsstatistik gesorgt.

Selbstmord nach Zusage für Fernsehdiskussion

Am Montag, dem 28. Juni, soll die Juristin gegen 9 Uhr in ihrem Büro im Amtsgericht Tiergarten gewesen sein. Drei Verhandlungen standen an. Laut Kollegen sei Heisig zerstreut gewesen, „ganz anders als sonst, obwohl sie auch sonst schon mal recht hitzig werden konnte“. Am Nachmittag soll sie ihren Onkel in Reinickendorf besucht haben, etwa 10 Kilometer von der angeblichen Todesstelle entfernt. Um 13.48 Uhr nahm sie per SMS die Einladung zur abendlichen „Stern TV“-Talkshow in RTL an, wo sie über ihr kurz vor der Veröffentlichung stehenden Buches Das Ende der Geduld: Konsequent gegen jugendliche Gewalttäter sprechen hätte sollen. Doch dazu kam es nicht mehr. In einer ruhigen Wohnstraße in der Nähe des Tegeler Forstes – so schreibt es der Berliner Kurier – soll sie ihr Auto geparkt haben, um sich gegen hin an einem Baum im dichten Wald zu erhängen.

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Am darauffolgenden Mittwoch, als ein guter Bekannter eine Vermisstenmeldung bei der Polizei aufgab (Heisig lebte von ihrem Mann, einem Oberstaatsanwalt, getrennt), begann die Suche der Polizei. Durch eine Handypeilung fanden die Beamten am Nachmittag das Auto, voll mit persönlichen Sachen, und durchkämmten noch am selben Abend das Waldstück im Ortsteil Heiligensee. Auch Hunde und ein Hubschrauber wurden dabei eingesetzt. Überraschend schnell, also noch vor Auffinden der Leiche, nahm sowohl die Polizei als auch die Staatsanwaltschaft allerdings Abstand von einer möglichen Entführung oder einer Straftat.

Das Motiv liegt im Dunkeln

Am Samstag dann die Hiobsbotschaft: die Berliner Jugendrichterin Kirsten Heisig, Mutter von zwei Kindern, habe sich selbst getötet. Eine Polizistin habe die an einem Baum hängende Leiche in der Nachmittagshitze entdeckt. 500 Meter entfernt von der Stelle, an dem sie am Montag ihren Wagen abgestellt haben soll. Die anschließende Obduktion habe die Selbstmordthese bekräftigt. Wieder brachten behördliche Stellen mit Hilfe der Presse übereilig eine Erklärung ans Tageslicht. Kirsten Heisig soll sich laut Staatsanwaltschaft bereits am Abend des 28. Juni umgebracht haben. Motiv: persönliche Probleme. Eine beliebte 08-15-Standardaussage um Journalistenfragen vorerst aus dem Weg zu gehen, wahrlich aber nicht ausreichend für das endgültige Tatmotiv. Von dem will die Medienöffentlichkeit allerdings auch nichts wissen. Genauere Informationen über die Todesursache, den genauen Fundort und Details über den Zustand der Leiche, will ebenfalls niemand genau preisgeben.

Der Publizist Gerhard Wisnewski, der bereits den Unfalltod Jörg Haiders genauer unter die Lupe nahm, vermutet auch bei Kirsten Heisig eine andere Version. Warum wurde die fast eine Woche in der Sommerhitze befindliche Leiche nicht von den Polizisten oder geruchssensiblen Spürhunden entdeckt, noch dazu wo der Fundort nur wenige hundert Meter neben einer Wohnsiedlung liegt? Warum fand ein Spaziergänger drei Tage nach der Bergung der Toten am Fundort eine Plastikplane mit Verwesungsgeruch sowie einen mit Klebeband verschnürten Hundekadaver? Und wieso wurden am darauffolgenden Tag genau an jener Stelle, am möglichen Grab von Kirsten Heisig, tonnenschwere Baumstämme deponiert? Diese und andere Fragen sind und bleiben ungeklärt – weil selbst die Berliner Staatsanwaltschaft durch eine eigenartige Nachrichtensperre dem Auskunftsersuchen eines Journalisten nicht nachkommen will.

Zensur bei Amazaon und Drohungen gegen Rezensenten

Merkwürdige Zusammenhänge finden sich auch beim großen Online-Portal Amazon wieder. Dort wurden Rezensionen zu ihrem Buch „Das Ende der Geduld“, die auf mögliche Ungereimtheiten beim Tod hinwiesen, schlichtweg gelöscht. Ein Leser, der seine Rezension unter echtem Namen ins Netz stellte, wurde noch am selben Tag von zahlreichen ausländischen Anrufern aufs Übelste beschimpft und sogar mit dem Tod bedroht.

Foto: Kopp Verlag

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