Zensur vom Tisch: Blackberry baut den Saudis eigene Server

Im Streit um die Daten-Verschlüsselung des kanadischen Blackberry-Herstellers RIM (Research In Motion) hatte das arabische Königreich Saudi-Arabien vergangenen Dienstag angekündigt, Dienste wie Messenger, E-Mail und Internet wegen Sicherheitsbedenken ab Freitag sperren zu lassen. Die Dienste des Herstellers seien nicht im Einklang mit juristischen, sozialen und nationalen Sicherheitsstandards des Staates, hieß es aus der Hauptstadt Riad. Mittlerweile ist die Sperre dort jedoch wieder vom Tisch.

BlackBerryEs klang geradezu paradox, als sich die autoritär geführten islamischen Länder wie Saudi-Arabien und die Vereinigten Arabischen Emirate vor einigen Tagen über die Sicherheitsbedenken der Blackberry-Mobiltelefone äußerten und die Nicht-Überwachung der Nutzerdaten als eine Gefahr für die nationale Sicherheit bekrittelten. Schließlich nutzen in der Golfregion nur weniger als drei Prozent der weltweit mehr als 41 Millionen Kunden ein mobiles Endgerät von RIM. Ein Großteil davon sind Privatanwender und Touristen, die neben Geschäftsleuten von der Zensurmaßnahme betroffen wären.

Für Argwohn sorgten die abhörsicheren Smartphones hauptsächlich wegen der verschlüsselten Kommunikation, die über Server in Großbritannien und Kanada läuft. Nutzerdaten werden ebenfalls nur in Rechenzentren in Übersee gespeichert und können von lokalen Behörden nicht überwacht werden. Eine ähnliche Funktionalität weist die Computersoftware Skype auf, die unter anderem Internettelefonate ermöglicht. Auch hier soll bereits beim Gesprächsaufbau eine Verschlüsselung stattfinden, sodass Sicherheitsbehörden nur durch Überwachungsmöglichkeiten direkt am System Zugriff haben. Freilich ist nicht ausgeschlossen, dass listige Spezialisten bereits ein Hintertürchen zur Kontrolle gefunden haben, das auch dem Zweck der EU-Rufdatenspeicherung dienen könnte.

Weil dem kanadischen Unternehmen RIM die Verteidigung seiner führenden Marktposition gegen Hauptkonkurrenten Apple wichtig scheint, hatte dieser am Samstag eingewilligt, eigene Server im Wüstenstaat zu installieren. Ab sofort können saudische Behörden auf Daten der Blackberry-Nutzer zugreifen, wenn dies im Zusammenhang mit Maßnahmen zur Terrorabwehr und -bekämpfung notwendig ist. Eine ähnliche Vorgangsweise könnte in den Emiraten folgen, die Medienberichten zufolge Blackberry-Dienste per 11. Oktober abschalten wollen. Mit Indien und Indonesien stellen sich unterdessen schon die nächsten Länder an, um das abhörsichere System löchrig wie Schweizer Käse zu machen.

Foto: Miguel Durán

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