Von Kindern profitiert finanziell, wer keine hat

Indem sich die Regierungsparteien und hier vor allem die ÖVP derzeit an Zuwanderungsdebatten ergötzen, versuchen sie bestenfalls, Symptombekämpfung zu betreiben. Die Wurzel der demographischen Probleme unseres Landes aber liegt in der Geburtenarmut, auf Grund derer die heimische Bevölkerung nicht in der Lage ist, ihren konstanten Fortbestand zu sichern. Der Schlüssel zum Erfolg ist folglich die Familienpolitik.

Ein Hauptgrund für die sinkende Geburtenrate liegt mit Sicherheit in der Tatsache, dass Kinder einen finanziellen Abstieg bedeuten. Ist ein Kind durch Kindergeld und nachherigen Wiedereintritt des erziehenden Elternteils in den Arbeitsmarkt noch finanzierbar, so wird es mit zwei oder mehr Kindern immer enger, zumal dann eine volle Berufstätigkeit beider Eltern kaum noch erstrebenswert, wenn überhaupt möglich erscheint.

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Wie ist der finanzielle Abstieg möglich im Lichte der angeblich in Österreich so vorbildlichen Familienpolitik, die zu loben die Familie nicht müde wird? Der Freiheitliche Familienband hat in einer Studie von Professor Herbert Vonach dargelegt, wie viel Geld von den – insbesondere kinderreichen – Familien in die Taschen der Kinderlosen wandert.

Jeder fünfte verdiente Euro wandert von der Kinderreichen zu den Kinderlosen

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Familien profitieren von den auch von Kinderlosen mitfinanzierten Familien-, Bildungs- und Gesundheitsleistungen. Wesentlich mehr Geld wandert aber zu den Kinderlosen, wenn die Kinder der Familien später ihre Pensionen bezahlen.

Unter dem Titel "Fairer Leistungsausgleich zwischen Familien und Kinderlosen – Grundlage einer geburtenorientierten Familienpolitik“ beschreibt berechnet Vonach den Umverteilungseffekt und beziffert ihn auf rund drei Milliarden Euro jährlich. Diese Summe wird von der Gruppe der Familien mit drei oder mehr Kindern zur Gruppe der Kinderlosen umverteilt. Dies entspricht rund einem Prozent des Bruttoinlandsprodukts sowie 18 bzw. 12 Prozent der Lohnsummen der betroffenen Gruppen. Kinderreiche Familien sind also gezwungen, fast jeden fünften verdienten Euro zur Finanzierung der Kinderlosen aufzuwenden. Auch wer zwei Kinder hat, gehört zu den Nettozahlern. Familien mit nur einem Kind profitieren noch leicht von der Umverteilung.

Vonach geht davon aus, dass die heute niedrige Fertilität zu einem großen teil die Folge der Umverteilung zu Lasten kinderreicher Familien ist. Dieser Umstand ist nicht nur aus dem Blickwinkel der Gerechtigkeit zu hinterfragen, sondern bedroht langfristig auch die weitere Finanzierbarkeit unserer Sozialsysteme.

Entscheidung für Familie bedeutet 30 Prozent weniger Einkommen

Wenn kinderreichen Familien 18 Prozent ihres Einkommens weggenommen und den Kinderlosen gegeben werden, so stellt sich für den Studienautor die Frage, ob dies mit dem Gleichheitsgrundsatz vereinbar ist Das Steuersystem benachteiligt Familien krass. Wenn ein Elternteil sich wegen der Erziehung der Kinder aus dem Erwerbsleben (vorübergehend) zurückzieht, schlägt der Fiskus beim zweiten Elternteil trotzdem weiter erbarmungslos zu. Absetzbeträge sowie Kindergeld und Familienbeihilfe gleichen das nur unzureichend aus. Familien haben im Vergleich zu Kinderlosen über das ganze Berufsleben gesehen mit einem Einkommensverlust von 30 Prozent zu rechnen, in der intensiven Zeit der Kinderbetreuung sind es sogar bis zu 55 Prozent. Ein Lehrereinkommen schrumpft so auf den Lohn eines Hilfsarbeiters zusammen.

Höchste Priorität bei der Beseitigung der Ungerechtigkeiten kommt für Vonach der Einführung eines Familiensteuer-Splittingmodells zu, bei dem das gesamte Einkommen der Familie durch die Zahl der Familienmitglieder geteilt und erst von diesem Betrag die Steuer berechnet wird. Ein derartiges System ist in Frankreich seit langem verwirklicht und wohl der Hauptgrund dafür, dass die Geburtenrate dort nicht so schwächelt wie fast im gesamten übrigen Europa.
 

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