Tierversuche in Österreich – Gibt es keine Alternativen?

Schon seit Jahrzehnten werden weltweit Tierversuche durchgeführt, dies auch oftmals ohne tatsächlicher Notwendigkeit. Erst in den letzten Jahren hat sich in punkto Tierschutz und Alternativen zu Tierversuchen etwas getan, doch bei weitem noch nicht genug.

Im Zuge einer Anfrage der FPÖ-Nationalratsabgeordneten Dr. Martin Graf und Bernhard Vock sowie weiterer Abgeordneter an die Bundesministerin für Wissenschaft und Forschung, Dr. Beatrix Karl, soll dieses Thema nun endlich genauer betrachtet, Fakten transparenter dargelegt und auch Alternativen zu Tierversuchen hervorgehoben werden.

Derzeit gelten Tierversuche als Grundvoraussetzungen dafür, dass gewisse Produkte, seien es Kosmetika, Arzneien oder auch Lebensmittelzusätze, überhaupt genehmigt werden und auf den Markt kommen dürfen. Rund 30 Prozent aller Tierversuche sind somit gesetzlich vorgeschrieben. Alternativen zu Tierversuchen werden oftmals nicht anerkannt. Das österreichische Zentrum für Ersatz- und Ergänzungsmethoden zu Tierversuchen (ZET) setzt sich daher für die Entwicklung und Förderung von Methoden ein, die Tierversuche ersetzen oder die Zahl der Versuchstiere und deren Leiden reduzieren.

Ende Juni wurde die österreichische Tierversuchsstatistik 2009 veröffentlicht, wonach an 207.738 lebenden Wirbeltieren Experimente und Tests durchgeführt wurden, die mit enormen Qualen und Ängsten verbunden waren. Immerhin kam es im Vergleich zum Jahr 2008 zu einer Verringerung von 5,8 Prozent. Die so genannte "Dunkelziffer" liegt jedoch viel höher, denn Versuche an wirbellosen Tieren gelten nicht als Tierversuche und werden auch nicht statistisch erfasst. Auch Versuche die nach Einschätzung der Person, die diese vornimmt, als unbelastend bezeichnet werden können, werden nicht zu Tierversuchen hinzugerechnet. Als Tierversuche gelten nur Experimente am lebenden Tier; jene, die zuvor speziell für den Versuch getötet wurden, werden ebenfalls nicht statistisch erfasst. Überschüssige Labortiere, oder jene, bei denen das Versuchsziel nicht erreicht werden konnte und die somit umgebracht werden, scheinen ebenfalls nicht auf. Weiters zu kritisieren ist, dass man der Statistik nicht entnehmen kann, wie oft jedes Tier einem Versuch unterzogen wurde, bis es schlussendlich qualvoll zu Grunde gegangen ist. Nur eine Zahl von 214 erneut verwendeter Tiere wurde in der Tierversuchsstatistik 2009 angeführt. Die Haltung von Versuchstieren in viel zu kleinen Käfigen ist absolut unzumutbar. Um das Wirken von diversen Stoffen auch tatsächlich zu erfassen, werden den Tieren unheimliche Qualen bereitet und das ohne Narkose. Hierzu ein Video – dieses ist jedoch nichts für schwache Nerven.

Die meisten Versuchstiere stammen aus sogenannten "anderen Quellen innerhalb der EU" und nur 33,4 Prozent aus Österreich. 69 Prozent der Versuchstiere werden vom Bundesministerium für Gesundheit verwendet und hier hauptsächlich für die Forschung, Entwicklung, Herstellung und Qualitätskontrolle von Produkten und Geräten der Human-, Zahn- und Veterinärmedizin. An zweiter Stelle steht das Bundesministerium für Wissenschaft und Forschung mit 29 Prozent. Mäuse, Kaninchen und Ratten werden in Österreich am meisten für Tierversuche eingesetzt. Jedoch auch Schweine, Vögel, Pferde, Hunde, Katzen oder auch andere Lebewesen. Erschreckend ist auch, dass tatsächlich 101 Versuche durchgeführt wurden, die auf keinen Rechtsvorschriften basiert haben.

Nach jahrelangem Anstieg der Versuchstieranzahl ist nun im Jahr 2009 endlich einmal wieder ein Rückgang zu verzeichnen gewesen. Es bleibt zu hoffen, dass sich dieser Trend in den nächsten Jahren fortsetzt und auf den konsequenten Einsatz von Ersatzmethoden zurückzuführen ist. Auch die Kontrollen von Tierversuchsanstalten haben in den letzten Jahren zugenommen und werden mittlerweile mindestens ein Mal jährlich vom Veterinäramt durchgeführt.

Alternativen vorhanden

Abgesehen von den vielen Alternativen, die der Wissenschaft mittlerweile schon zur Verfügung stehen, ist oftmals nicht gewährleistet, dass an Tieren getestete Produkte, wie zum Beispiel Medikamente, beim Menschen die gleichen Wirkungen erzielen. Gleiches gilt für Kosmetikprodukte, wo die menschliche Haut auch des Öfteren anders reagiert als jene der Tiere. Was vielen Menschen auch oft nicht bewusst ist, ist die Tatsache, dass nicht nur Medikamente oder Make-Up-Produkte an Tieren getestet werden, sondern unter anderem auch Putz- und Reinigungsmittel um festzustellen, wie diese wirken, wenn man sie versehentlich in die Augen bekommt oder verschluckt.

Im Rahmen von Umfragen haben sich innerhalb der Europäischen Union über 90 Prozent der Befragten für mehr Tierschutz im Bereich der Tierversuche ausgesprochen. Schließlich gibt es schon genügend Alternativmethoden, die laut Vorschrift auch effizienter sein müssen als Tierversuche, was somit auch Kosten einspart. Heutzutage steht eine Vielzahl sogenannter In-vitro-Verfahren zur Verfügung. Manche Arzneimittel können am Computer entwickelt und an menschlichen Zell- und Gewebekulturen, die zum Beispiel aus Operationen zur Verfügung stehen, getestet werden. Die hautreizenden Eigenschaften von Chemikalien und kosmetischen Stoffen kann man an künstlicher Haut testen.

Die deutsche Bundesregierung hat im Jahr 2010 sogar einen Betrag von 6 Millionen Euro für die Entwicklung von Alternativen zu Tierversuchen reserviert. Eine vergleichbare Initiative gibt es in Österreich nicht. Außerdem sind in der behördlichen Genehmigungskommission für Tierversuche in Österreich keine Vertreter des Tierschutzes ausfindig zu machen.

Gütesiegel meist unzureichend

Zusätzlich gibt es in Großbritannien ein international verbreitetes Kennzeichen für tierversuchsfreie Produkte, das man in Österreich jedoch vergeblich sucht. Doch auch mit Gütesiegeln versehene Produkte sind oftmals nicht tierversuchsfrei. Diese Bezeichnung ist eigentlich nur dann erlaubt, wenn tatsächlich nachgewiesen werden kann, dass nicht nur das Produkt selbst, sondern auch alle Inhaltsstoffe noch nie an einem Tier getestet wurden, was jedoch in Wirklichkeit unmöglich ist. Daher gibt es mittlerweile gewisse Kriterien, die zum Beispiel Stichtage festlegen, ab welchen die Inhaltsstoffe tierversuchsfrei gewesen sein müssen. Laut Arbeiterkammer sei außerdem zu beachten, "dass gewisse Hinweise wie etwa "Good Manufacturing Practice" (GMP), "Good Laboratory Practice" (GLP) oder die Anmerkung "entspricht der EU-Richtlinie 86/609" (Tierversuchsrichtlinie) nichts mit dem Verzicht auf Tierversuche zu tun haben".

Eine Errungenschaft der Tierschützer war es immerhin, dass im Jahr 2004 Tierversuche für die Prüfung von bereits fertigen kosmetischen Produkten wie Shampoos oder Make-Up, EU-weit verboten wurden. Auch deren Verkauf, wenn sie außerhalb der EU an Tieren getestet wurden, soll bald verboten werden. Im Jahr 2009 kam das Verbot der Inhaltsstoffprüfung von Kosmetika (wie zum Beispiel Konservierungsstoffen) an Tieren. Kein Kosmetik- oder Reinigungsprodukt ist es wert, dass dafür unschuldige Tiere grausam gequält werden.

Da laut einer EU-Richtlinie aus dem Jahr 1986 sogar vorgeschrieben ist, dass Tierversuche nur dann durchgeführt werden dürfen, wenn es keine alternativen Methoden gibt, sollte das Hauptaugenmerk für die zukünftige Entwicklung vor allem darauf gelegt werden, ehestens Alternativmethoden zu etablieren und deren Forschung und Förderung voranzutreiben.

 

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