Buchtipp: Terrorismus – Reale und fiktive Bedrohungen

„Wir haben erkannt, der Terror kennt keine Grenzen. Aber man darf auch nicht in Panik verfallen.“ (Deutschlands Ex-Bundespräsident Horst Köhler)

BildKeine Frage, die Angst vor dem in erster Linie islamischen Terrorismus beschäftigt wohl jeden Bürger eines westlich geprägten Landes. Auch Länder wie Österreich und Deutschland, welche traditionell ein gutes Verhältnis zu muslimisch geprägten Staaten haben, geraten laut diversen Verfassungsschutzberichten immer mehr in das Visier islamischer Terroristen.

Niko Colmer stellt in seinem Buch “Terrorismus. Reale und fiktive Bedrohungen im Nahen Osten” bewusst die Frage, wie konkret diese Bedrohung für die westlich geprägten Staaten wirklich ist. Um auch die Zielsetzungen der einzelnen "Organisationen" verstehen zu können, beleuchtet er deren Entstehungsgeschichten und politische Zielsetzungen.

Der Autor führt Gespräche unter anderen mit der Hisbollah (der Partei Gottes), hier in erster Linie mit deren oberster Autorität Hassan Nasrallah. Dem Leser wird hierbei schnell ein anderes Bild vermittelt als das durch westliche Medien allgemein übliche. Hassan Nasrallah erklärt zwar, dass man sich mit Israel in einem Konflikt befinde, allerdings werden Handlungen militärischer Natur außerhalb des Nahen Ostens kategorisch abgelehnt. Auch erfährt man von Niko Colmer viel über andere Aufgabengebiete der Hisbollah wie etwa die medizinische Versorgung von Flüchtlingen und die Gewährleistung einer zumindest minimalen schulischen Ausbildung für die Flüchtlingskinder. Auch die PFLP (Volksfront zur Befreiung Palästinas) wird durch Colmer in einem völlig anderen Licht dargestellt.

Ebenso wird das große Schreckensgespenst des Westens, die obskure und eigentlich nicht fassbare "Al-Qaida" näher beleuchtet. Der Autor beschreibt diese nicht etwa als straff organisierte und weltweilt agierende Organisation, sondern als relativ unbedeutenden Haufen islamischer Desperados, die auch in der islamischen Welt alles andere als tonangebend sind.

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Besonders erwähnenswert ist auch die Rolle diverser Nachrichtendienste westlicher Prägung, welche seltsamerweise immer wieder dort auftauchen, wo "Al-Qaida" ihre Finger im Spiel hatte. Der Leser des Buches möge sich selbst ein Urteil darüber bilden, ob dies Zufall ist oder eben doch nicht. Auch die Rolle der amerikanischen "Neocons" in Bezug auf die islamische Welt wird kritisch betrachtet und erläutert.

Kampf gegen Terror legitimiert Überwachungsstaat

Gerade für den Europäer interessant sind aber auch die immer mehr fortschreitenden überwachungsstaatlichen Maßnahmen. Gerade im Namen des "Kampfes gegen den Terror" werden mühsame bürgerliche Rechte immer mehr ausgehebelt bzw. gleich als obsolet erklärt. Hierbei sei nur an die Vorratsdatenspeicherung erinnert. Auch die Speicherung biometrischer Daten kann nur als bedenklich bezeichnet werden.

Der Autor möchte mit seinem Buch dem historisch wie auch politisch interessierten Leser einen zumindest kleinen Einblick in die Gedankenwelt diverser islamischer Organisationen geben und auf eine differenzierte Beobachtung des Geschehens in der islamischen Welt hinweisen.

Niko Colmer, Jahrgang 1966, schreibt für eine Tageszeitung aus dem Nahen Osten. Als Journalist bereist er die Region regelmäßig und ist Experte für den Libanon und Syrien.

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