Gemeinschaftswährung um jeden Preis?

In letzter Zeit wurde es still um das hochverschuldete Griechenland, ebenso wie um die anderen potentiellen Pleitegeier innerhalb der Eurozone. Dennoch stellt sich die Frage: Hat die Gemeinschaftswährung Zukunft? Und wenn ja, unter welchen Umständen?

Die unter dem Dach des Euro vereinten Wirtschaftsräume sind sehr unterschiedlich strukturiert, was gemeinsame Währungspolitik zum Wohle aller Beteiligten erschwert. Im konkreten Fall ist sie schlicht unmöglich. Um die Exportwirtschaft anzukurbeln, müssten Griechenland und Italien abwerten. Eigene Güter würden im Vergleich zu den Erzeugnissen anderer Länder auf dem Weltmarkt relativ verbilligt und der Absatz steigern. Die gemeinsame Währung macht ihnen das unmöglich, im Fall einer Abwertung wären nämlich die Interessen anderer Länder gefährdet. Deutschland ist besonders von Rohstoffimporten abhängig und die meisten Rohstoffe werden in US-Dollar gehandelt. Verliert der Euro an Wert, verteuern sich die Importe.

Wohlstand und Arbeitsplätze werden verschoben

Ein gemeinsamer Nenner ist schwer zu finden – es sei denn, man passt die unterschiedlichen Wirtschaftsräume einander an. Dies geschieht bereits im Rahmen der durch die Nettozahler zu leistenden Zahlungen an die Nettoempfänger und wird Kohäsionspolitik genannt. Mit österreichischem Steuergeld werden Steuersenkungen in der Slowakei finanziert, die Betriebe dazu veranlassen ihre heimischen Standorte zu schließen und in unser Nachbarland abzuwandern. Kurz: Unsere Arbeitsplätze und unser Wohlstand werden in den Osten verschoben. Folglich gleichen sich nicht nur die Wirtschaftssysteme sondern auch die sozialen Verhältnisse einander an. Irgendwann wäre ein Punkt erreicht, an dem alle ökonomischen und sozialen Unterschiede zwischen den Mitgliedsstaaten der Währungsunion ausgeglichen sind. Dann wäre zentrale Währungspolitik zum Vorteil aller leicht zu verwirklichen, schließlich gäbe es kaum Interessen- und Zielkonflikte, wie die oben beschriebenen.

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Doch um welchen Preis? Die Staaten Nord- und Mitteleuropas sind die reichsten der Eurozone. In Portugal, Spanien, Süditalien und Griechenland – von möglichen zukünftigen Euroländern gar nicht zu reden – herrscht ein wesentlich niedrigeres Wohlstandsniveau. Ein gigantischer Wirtschaftsboom, der diese Unterschiede ausgleichen würde, ist nicht zu erkennen. Ganz im Gegenteil, die Schere der ökonomischen Entwicklung öffnet sich – beschleunigt durch die Krise – immer weiter.

Ein nachhaltig stabiler Euro wäre also nur zu realisieren, wenn gezielt die Abwanderung unseres Wohlstandes in den Süden und Osten Europas – in viel größerem Stil als bisher – betrieben würde. Unsere Politiker hätten damit wahrscheinlich kein Problem, solange ihre Gehälter nicht gekürzt werden, versteht sich. Doch wollen wir diesen Preis wirklich bezahlen?

Ein interessanter Beitrag unter dem Titel "Euro-Dämmerung" findet sich in der aktuellen Sezession.

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