Inseraten-Boom: Bürger müssen für SPÖ-Propaganda zahlen

Kann Bürgermeister Michael Häupl bei den Medien in Ungnade fallen? Kaum. Da müsste er schon vor der Linse eines "Krone"-Fotografen einen kleinen Hund treten. Allerdings bleibt dann die Frage offen: Wird eher das Bild veröffentlicht oder der Fotograf gekündigt?

BildDie journalistische Milde mit dem Ober-Wiener in den Tageszeitungen ist teuer erkauft. Gerade jetzt vor der Wiener Wahl schnellten die Inseratenpräsente für mediale Willfährigkeit zum Nutzen der SPÖ in noch nie dagewesene Höhe. Laut einer Erhebung des Marktforschungsinstitutes Focus haben die stadtnahen Betriebe ihre Werbeaktivitäten im Zeitraum Juni bis August von 7 auf 13 Millionen Euro im Vergleich zum Vorjahreszeitraum gesteigert. Damit der unangestrengte Umgang mit Häupl wohl Regel ohne Ausnahme wird, haben Wien Energie und die Wiener Linien ihre Werbeaktivitäten gleich verdreifacht.

Ein Geschäft auf Gegenseitigkeit. Denn so gering der journalistische Wert der Bürgermeisterpflege, um so höher der kaufmännische. Dies alles geschieht zum Nutzen der Stadt-SPÖ und zum Nachteil der Steuerzahler, die viel Geld für die Propaganda im Sinne der Sozialisten ausgeben müssen. Sie werden zur Kasse gebeten, wenn die Stadt über Serviceleistungen und Angebote informiert – immer mit dem Ziel, einen der Stadträte oder ihren Chef ins Bild zu bringen und so indirekt Werbung für die Partei zu machen. Manche sprechen gar von versteckter Parteienfinanzierung.

Je mehr Inserate, desto besser die Berichterstattung

Wer zahlt, wird publizistisch verwöhnt. Wenn "Österreich"-Boss Wolfgang Fellner gegenüber dem "Profil" sagt, dass seine Zeitung noch die kritischte Berichterstattung über die Stadt macht, hat das damit zu tun, dass sein Blatt von der Stadt Wien deutlich weniger Inserate erhält als "Krone" oder "Heute". Von Fellners Barrakuda-Redakteuren blieb das Stadtoberhaupt dennoch bisweilen verschont.

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Wer Häupl in Wien medial auf die Zehen steigt, muss büßen. So berichteten Redakteure des kürzlich von der Mediaprint vom Markt genommenen "Bezirksjournals", dass schon wenig spektakuläre Berichte wirtschaftliche Konsequenzen hätten. Ein an und für sich harmloser Artikel über das "rostige Mozartgrab" am Zentralfriedhof, erschienen im Mozartjahrt, hat die Wiener SP-Stadtpolitiker dermaßen verärgert, dass es einige Monate keine Einschaltung in dieser Gratiszeitung gab.

Bezirksjournal war kritisch – und wurde eingestellt

Das "Bezirksjournal" hatte sich aber zuvor schon den Unmut der "Roten"
zugezogen, weil es in einer Serie über Fälle des Kontrollamtes berichtet hatte. Unter anderem über die Anschaffung eines millionenteuren Mähbootes für die Alte Donau. Es sollte die wildwuchernden Algen stutzen, musste aber in der Garage bleiben, weil es aufgrund seiner Größe nicht unter den Brücken durchfahren konnte.

Über solche Verfehlungen der Stadtpolitik zu schreiben muss sich in Wien erst einmal einer trauen. Der freie Journalismus findet nicht statt. Weil alle Medien am 15-Millionen-Budget, das die Gemeinde Wien jährlich in hiesige Zeitungen steckt, mitnaschen wollen. Traurig nur, dass die Bürger dafür gleich doppelt die Rechnung präsentiert bekommen: Sie zahlen das Selbstbelobigungsfestival von Häupl und Co durch ihre Steuern und bekommen dafür in den meisten Medien Hofberichterstattung serviert.
 

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