Die Statistik eines gestrauchelten Journalisten

Wenn sich Kabarettisten als Journalisten versuchen, geht das meistens in die Hose. Denn Blödeleien auf der Bühne sind das eine, sorgfältige Recherchen für einen möglichst wahrheitsgetreuen Bericht das andere. Von letzterem hat ein gewisser Florian Scheuba anscheinend keinen Tau. Dennoch lässt ihn die rosarote Tageszeitung über ein sehr sensibles Thema kommentieren: die Ausländerkriminalität.

Scheuba, 44, Kabarettist, Schauspieler und Drehbuchautor, ist also neuerdings auch Journalist. Er begleitet den Wiener Wahlkampf mit seiner Kolumne „Wahl der Qual“ jeden Samstag im Standard. Unter dem Titel „Schutzherr der Gestrauchelten“ gab der Schreibkünstler mit Häme gegen FPÖ-Chef Heinz Christian Strache zum Besten, dass ja die Deutschen die Ausländerkriminalität anführten. Er bezog sich dabei auf die Frühjahrs-Statistik des Innenministeriums, die tatsächlich die Deutschen mit 4,4 Prozent an erste Stelle reihte, gefolgt von den Serben mit 3,3 und den Türken mit 2,7 Prozent, gemessen an sämtlichen gerichtlichen strafbaren Handlungen.

Die Deutschen seien also die Schlimmen, gar nicht so die Serben oder Türken oder Bürger anderer Staaten, die landläufig als „böse“ ausgemacht würden. So die Konklusio im Kommentar, in dem Scheuba Äpfel mit Birnen vermischt. Oder hat der jüngste Starschreiber des Rosablattes wirklich nicht gewusst, dass die Deutschen diese Statisik deshalb anführen, weil jedes gerichtlich verfolgte Schnellfahren und jeder angezeigte Zank auf der Skihütte in der Kriminalitätsstatistik ihren Niederschlag finden. Die meisten Touristen kommen immer noch aus Deutschland, da müsste es auch für Standard-Schreiber schlüssig sein, dass die vorgenannten Delikte in erster Linie auf die Kappe dieser Bevölkerung gehen. Ein Journalist ist schnell ein Schelm, der Fakten verschweigt. Oder hat Scheuba wissentlich nach dem Motto „Glaube nur die Statistik, die du selbst gefälscht hast“ gehandelt?

Hätte sich der „Schutzherr der Gestrauchelten“ die Mühe gemacht, die ganze Studie über die Ausländerkriminalität zu lesen statt darüber nur oberflächlich einen Kommentar abzugeben, wäre zutage gekommen, dass z.B. bei Autodiebstählen zu 20,2 Prozent Menschen mit rumänischer Herkunft der Tat verdächtig sind und in 7,7 Prozent der Fälle Serben. Kurioses enhüllt der Wert der Tatverdächtigen bei den Einbruchdiebstählen in Wohnungen und Einfamilienhäusern. Hier wurden in 19,1 Prozent der Fälle Personen chilenischer Herkunft der Tat verdächtigt. Mit 14,6 Prozent sind auch hier die Serben überproportional vertreten. Bei Tötungsdelikten liegen Deutsche mit Somalis und Rumänen gleichauf bei 2,2 Prozent, die Serben sind mit 4,4 Prozent vertreten.

Wer das weiß, bewertet Scheubas Kolumne mit anderen Augen. Folgt jemand seinem Gedankengang, könnte er auch behaupten, das Frankfurt am Main die Kriminalitätshochburg unter den Großstädten in Deutschland ist. Rein statistisch gesehen, ist das so. Doch hat dies einen einfachen Grund: Auch Delikte, die auf dem Rhein-Main-Flughafen verübt werden, fließen in die Studie mit ein. Deshalb stellt der Direktor des Kriminologischen Forschungsinstitutes Niedersachsen, Christian Pfeiffer, fest „Es handelt sich um importierte Kriminalität. Die Leute in Frankfurt sind nicht krimineller als anderswo.“

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